Betriebliche Krankenversicherung: Arbeitsintensiver Wachstumsmarkt

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Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist auch weiterhin ein Wachstumsmarkt - obwohl die steuerliche Freigrenze vom Bundesfinanzministerium 2014 gekippt wurde und nun Aufwendungen der Arbeitgeber pauschal versteuert werden müssen. Das geht aus einer Maklerbefragung des Kölner Beratungsunternehmens Heute und Morgen hervor.

Die Reduktion der Krankheitskosten und die Bindung von Mitarbeitern sind wichtige Argumente für die Einführung der bKV. Immerhin kämpfen viele Unternehmen mit einer alternden Belegschaft und einem Fachkräftemangel. Da letzerer sich vor allem in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg bemerkbar macht, sind hier die Unternehmen für ein bKV-Angebot besonders empfänglich.

bKV ist kein Mitnahmegeschäft
Firmen suchen nach interessanten Leistungen, die ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Trotzdem ist die bkV laut der Maklerbefragung "alles andere als ein Mitnahmegeschäft". Bis ein bKV-Rahmenvertrag unter Dach und Fach ist müssen Versicherungsmakler mit Anbahnungszeiten von sechs Monaten bis zwei Jahren rechnen. Größtes Problem: "Die Arbeitgeber sind unsicher, ob sich ihre Investition in die bKV tatsächlich auszahlt". Zudem fürchten Unternehmen einen zu hohen Verwaltungsaufwand. Hier gilt es nach Meinung der Kölner Berater, die Bedenken der Arbeitgeber mit wichtigen Vorteilsargumenten zu entkräften. Dafür seien hochwertige Marketingkonzepte notwendig. Vorgeschlagen werden beispielsweise Firmenkundenkarten oder eine Präsentation im Firmen-Intranet.

"Anders als in anderen Sparten spielt die Verpackung bei der betrieblichen Krankenversicherung eine grundlegende Rolle", glaubt Tanja Höllger, Geschäftsführerin bei Heute und Morgen. Arbeitgeber wollten die bKV als attraktives, erlebbares Geschenk präsentieren können. Hier könnten Versicherer Makler mit einer entsprechenden Präsentation unterstützen.

Zwei lohnende Strategien
Die Kölner Berater haben zwei zielführende Verkaufsstrategien ausgemacht. Setzt das Unternehmen vor allem auf Reduzierung der Krankheitskosten, sollten Vorsorgetarife und stationäre Leistungen angeboten werden. Geht es vor allem um Arbeitgeberattraktivität und sofort erlebbare Leistungen, sollten Zahn- und Brillentarife im Vordergrund stehen. Möglich ist fast alles. Ob Gesundheitsvorsorge, Reiseschutz, Behandlungen beim Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker oder im Krankenhaus - überall können Unternehmen ihre Mitarbeiter mit einem Federstich zum Privatpatienten machen.

Die Mängel der gesetzlichen Vorsorge - vor allem das endlose Warten auf Termine und beim Arzt auf die Behandlung - werden so ausgemerzt. Zudem gibt es im Vergleich zum normalen Kassenpatienten höherwertige Leistungen, wie Inlays und Implantate vom Zahnarzt, eine frühzeitigere und umfassendere Krebsvorsorge sowie vorbeugende Tests auf Grünen Star oder Osteoporose. Und: Im Krankenhaus darf nun der Chefarzt konsultiert und die Krankheit entspannt im Einzelzimmer kuriert werden.

Dankbarkeit schafft Bindung
Eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Die Mitarbeiter genesen im Idealfall schneller und wissen, wem sie diese Wohltat zu verdanken haben. "Per Versicherung nehmen wir den finanziellen Druck für Gesundheitsleistungen von den Schultern der Mitarbeiter", sagt Christian Wildhagen, bei der Hanse Merkur für den Arbeitgebervertrieb in Norddeutschland verantwortlich. Wichtig ist nach Meinung von Detlef Lülsdorf Versicherungs- und Rentenberater aus Köln hochwertiger ambulanter oder stationärer Schutz, damit der Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit einen Facharzttermin oder eine Operation bekommt. "Das schafft im Leistungsfall Vertrauen, weil es sich schnell in der Firma herumspricht."

Einig sind sich die Versicherungsmakler, dass aus Kostengründen Tarife ohne Alterungsrückstellung favorisiert werden. Das gilt hingegen nicht, wenn die Mitarbeiter über einen Krankenhaustarif zum Privatpatienten gemacht werden sollen.

Vergleich der Angebote ist schwierig
Die Angebote der rund 20 Krankenversicherer, die bereits in den Markt der bKV eingestiegen sind, zeichnen sich durch sehr unterschiedliche und nur schwer vergleichbare Leistungen aus. Zu den aktuellen "Maklerlieblingen" zählen laut Studie vor allem die SDK und die Hallesche gefolgt von der R+V. Andere Anbieter, wie Allianz, Arag, Axa, Barmenia, DKV, Gothaer und Universa hätten aus Maklersicht jeweils besondere Stärken aber auch Schwächen.

Zahlreiche wichtige Zusatzbedingungen, wie den Einschluss von Vorerkrankungen, die Anzahl an Altersstaffeln, die Portabilität der bKV oder die Mitversicherungsoption von Familienangehörigen müssen die Makler bei der Einführung einer bKV im Auge behalten.

Die 120-seitige Studie "Betriebliche Krankenversicherung - Marktperspektiven aus Maklersicht" kostet netto 4.500 Euro. "Für einzelne Versicherungsmakler kann der Kaufpreis verhandelt werden", sagte Heute und Morgen Geschäftsführer Robert Quinke.

Bildquelle: © Denis Junker / fotolia.com

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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