Branche traf sich in Leipzig

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Der Einladung zum 16. Vorlesungstag des Instituts für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig folgten rund 300 Branchenrepräsentanten, darunter viele Vorstände und Führungskräfte von Versicherungsunternehmen und branchennahen Dienstleistern. Moderation und fachliche Leitung der Veranstaltung übernahm auch in diesem Jahr wieder Professor Dr. Fred Wagner.

Christoph Schmallenbach, Vorstandsvorsitzender der Aachen Münchener, eröffnete den fachlichen Teil des Kongresses mit einem Vortrag zum Thema "Transformation des Geschäftsmodells Versicherung". Die nachhaltigste Veränderung, neben dem verstärkten Wettbewerb, der Gesetzgebung und den Herausforderungen im Vertrieb, sei das Verhalten der Kunden. Diese übertrügen ihre Erwartungen aus anderen Branchen auf die Assekuranz.

Schnelle Veränderung tut not
Schmallenbach stellte vier Thesen zur Transformation und der Neupositionierung der Versicherungsunternehmen auf und würdigte jede kritisch. So solle das gesamte Geschäftsmodell auf den Prüfstand gestellt, Komplexität abgebaut, Kundenzentrierung hervorgehoben und wesentlich mehr ausprobiert werden. Eine andere Fehlerkultur sei vonnöten, um mehr Innovation zu erreichen. "Wir müssen uns schnell verändern, aber wie wir uns verändern, muss individuell ausgestaltet werden", so seine Forderung.

Solvency II - erste Erfahrungen der Aufsicht
Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), berichtete über erste Erfahrungen mit Solvency II. Das aktuelle Niedrigzinsumfeld übe Einfluss auf die Volatiltät der SCR-Werte aus. Diese Volatilität werde laut Grund auch in Zukunft weiter ansteigen. Er betonte, dass aber nicht die Reduktion der Volatiltät, sondern vielmehr ein adäquater Umgang mit ihr zielführend sei. Eine klare und offene Kommunikation sei auch im Vertrieb erforderlich.

Im Bereich der Rechnungslegung sei auch unter Solvency II das HGB für einen Teil der Berechnungen, wie der Mindestzuführung zu den RfB und der Zinszusatzreserve, relevant. Grund betonte, dass die Bafin gewillt sei mit den Versicherungsunternehmen zu kooperieren, allerdings bei einer Nicht-Einhaltung der Kapitalanforderungen auch gezwungen sei, mit ihrem umfangreichen Instrumentarium einzugreifen.

Kein gewöhnlicher Sparprozess
Im wissenschaftlich ausgerichteten Veranstaltungsblock "Leipziger Forschung" berichtete Daroslav Lazic, Doktorand und Geschäftsführer am IfVW, aus seinem Dissertationsprojekt zum Thema "Der Sparprozess in der klassischen Lebensversicherung: Perspektivwechsel als zukünftiger Erfolgsfaktor für das Geschäftsmodell Lebensversicherung".

Der Sparprozess innerhalb der klassischen Lebensversicherung darf nach Lazic nicht als gewöhnlicher Sparprozess betrachtet werden, sondern vielmehr als Versicherung gegen Kapitalmarktrisiken. Seine Thesen belegt Lazic mit empirischem Datenmaterial, das für Sparergenerationen der vergangenen 30 Jahre die Optimierung der Rendite-/Risiko-Position mittels einer Lebensversicherung gegenüber alternativen Anlagen ermittelte

Betriebliche Vorsorge - Status Quo und Entwicklungslinien
Ein Höhepunkt des Vorlesungstags ist Jahr für Jahr die Podiumsdiskussion, in diesem Jahr zum Thema: "Betriebliche Vorsorge - Status Quo und Entwicklungslinien". Die Durchdringungsquote der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stagniert trotz ihrer hohen Bedeutung in Zeiten des demografischen Wandels und rückt somit immer weiter in den politischen Fokus. Einen stark diskutierten Themenaspekt stellte das Sozialpartnermodell dar.

Als potenzielle Lösungsansätze für höhere Durchdringungsquoten wurden die Nahles-Rente, das Opting-Out-Modell und eine Optimierung der Durchführungswege in der bAV diskutiert. Durch eine Differenzierung der Lösungsansätze für kleine und mittelgroße Unternehmen im Gegensatz zu Großkonzernen, die Ausgestaltung der Arbeitgeberanteile sowie eine Bezuschussung von Geringverdienern im Rahmen von Opting Out-Modellen wurde ein aktueller und komplexer Diskussionsrahmen geschaffen.

Kritik an der EZB

Zum fachlichen Schluss des Tagungsprogramms referierte der Wirtschafts- und Finanzexperte Professor Dr. Max Otte. Derzeit am Institut für Unternehmensführung und Entrepeneurship an der Universität Graz tätig, Bestsellerautor, Gründer des Finanzinformations- und Analyseinstituts IFVE sowie Direktor des Zentrums für Value Invest e.V., thematisierte die Geldpolitik der Fed und EZB, die Folgen der Niedrigzinspolitik an den Kapitalmärkten und Herausforderungen für institutionelle Anleger. In seinem Vortrag prognostizierte er eine weiter andauernde Niedrigzinsphase, und übte scharfe Kritik am Kurs der EZB.

Bildquelle: © Spuno/Fotolia.com

Autor(en): Susan Wassermann, Institut für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig

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