BU: Heftige Kritik an Stiftung Warentest

Der aktuelle Test von Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) in der Ausgabe 7/2013 der Zeitschrift "Finanztest" hat für ungewöhnlich großen Unmut unter Versicherungsmaklern geführt. Das Analysehaus Franke und Bornberg, Hannover, hat den Test analysiert und ist in der Tat auf fachliche Mängel und problematische Anreize in der Preisgestaltung gestoßen.

Unter der Überschrift "Avanti dilettanti" war der Osnabrücker Versicherungsmakler Matthias Helberg einer der ersten Kritiker an dem besagten Test. Die Anforderungen an die BU-Bedingungen in "Finanztest" seien dilettantisch, so Helberg. Die Zeitschrift habe die Anforderungen an die Versicherungsbedingungen so niedrig angesetzt, dass gleich drei Viertel aller Versicherungsangebote ein "sehr gut" erhalten haben.

Helberg verweist genüsslich darauf hin, dass dies mit dem Verkauf der Logos an die Versicherer zusammenhängen könne: "Ja ich weiß: Euer neues Logo-Lizenzsystem. So wie ich die Versicherer einschätze, zahlen die die neuen Lizenzgebühren für die Nutzung Eurer Logos bestimmt mit viel mehr Begeisterung, wenn Testurteil SEHR GUT darauf steht. Und es ist ja auch irgendwie ganz schön, wenn man die gleich auf Anhieb an 50 Versicherer verticken kann. (Ergänzung 22.06.2013: 1 Jahres-Lizenz für 7.000 € bis 15.000 € je nach Umfang laut Wikipedia) Das spült mehr Geld in die Kasse, als wenn man genauer hinsieht und feststellen müsste, dass es eigentlich nicht mehr als ein bis zwei Handvoll Tarife sind, die dieses Qualitätsurteil wirklich verdienen."

Mehr ist auf seiner Homepage zu lesen:


Falsche Anreize, fachliche Mängel
"Problematische Anreize in der Preisgestaltung, problematische Ratschläge und indiskutable fachliche Mängel. Dieser Test schafft nicht die erforderliche Transparenz. So wird verunsichert", so lautet auch das Fazit von Michael Franke von Franke und Bornberg zum Test der BU.

Besonders kritisiert er folgende Punkte:
Die Tester setzten Anreize für Lockvogel-Angebote, indem sie die Spreizung zwischen Netto- und Bruttobeiträgen nicht bewerten und so den nicht unwahrscheinlichen Wegfall von Überschüssen nicht berücksichtigen. Gerade in der BU sei jedoch die langfristige Verlässlichkeit ein wichtiges Qualitätskriterium. Das gelte auch für die Einteilung der Berufe in sogenannte Berufsgruppen. Die vorgenommene Beitragsanalyse sei grob fahrlässig. Sie lasse keine Rückschlüsse auf das Preisgefüge eines Versicherers zu. Während ein Industriemechaniker bei einem Anbieter, der mehrfach im Test positiv herausgestellt wird, für 471 Euro im Jahr versichert ist, wird der sehr ähnliche Beruf des Mechatronikers bei der gleichen Gesellschaft mit 1033 Euro angesetzt. Hier läge der Anbieter deutlich hinten. "Die im Test vorgenommene Auswahl der Musterkunden geht an der Lebenswirklichkeit vorbei", so Franke weiter.

Die Analyse des Tests zeigt, dass sowohl die fachliche Sorgfalt als auch die notwendige Tiefe der Untersuchung fehlt. Ihre Wirkung in der Öffentlichkeit ist deutlich größer als das Testdesign rechtfertigt. Für einige der fachlichen Mängel bzw. problematischen Ratschläge der Tester stünden Versicherungsmakler wahrscheinlich in der Haftung.

Eine detailliertere Darstellung der Mängel des Tests von Franke und Bornberg ist hier zu finden:



Auch das Versicherungsmagazin nimmt sich dieses Themas an und wird in Ausgabe 9/13 einen ausführlichen Artikel veröffentlichen.

Bild: © Gerd Altmann / http://www.pixelio.de

Autor(en): Bernhard Rudolf

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