"Der Assetmanager muss Partner an der Seite der Versicherer sein"

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Axa IM, die Investmentgesellschaft der Axa-Gruppe, befragte im Herbst 2016 Investmententscheider von 122 Versicherungsunternehmen in drei wichtigen Versicherungsmärkten: Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Die Studie beschäftigte sich mit den Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsen, der vielfältigen Regulierungsvorschriften sowie der unsicheren Weltlage auf das Anlageverhalten der Assekuranz. Versicherungsmagazin sprach mit Marie Niemczyk, Director Insurance Strategy & Development bei Axa IM (im Bild), unter anderem über die Ergebnisse der Umfrage, Solvency II, alternative Investments und Digitalisierung.

Wie stark hat Solvency II das Verhalten der Versicherer schon beeinflusst?
Marie Niemczyk:  Wir sehen hier recht starke Veränderungen. Die Versicherer haben uns Anfang dieses Jahres berichtet, dass sie mit der Anpassung  ihrer operationellen Prozesse und  Ressourcen an Solvency II sehr gut vorangekommen sind. Bezogen auf die drei Säulen sagen fast 100 Prozent der Versicherer: „Wir haben die Anforderungen  an Säule 1, das Zielsolvenzkapital  oder SCR, und Säule 2, das Risikomanagement, fast ganz erfüllt.“

Und was ist mit der dritten Säule?
Marie Niemczyk:
  Beim Reporting geben uns 80 Prozent das Feedback, dass sie ganz angepasst sind.  20 Prozent sagen, dass es hier noch Marge gibt.

Gibt es weitere Veränderungen durch Solvency II?
Marie Niemczyk:  Rund  50 Prozent der deutschen Versicherer geben an, dass  sie  ihre Durationslücke und das Portfoliorisiko allgemein reduziert haben. Wenn man sie fragt, was sich in ihrem Verhalten verändert hat, sagen etwas mehr als 50 Prozent, dass heute für sie SCR ein wichtigeres Investmentkriterium ist  als die traditionelle Beziehung von Performance zu Risiko, also zu Volatilität.

Haben sich dadurch die Anforderungen an die Assetmanager geändert?
Marie Niemczyk:
  Ja,  über 60 Prozent der Versicherer geben an, dass ihnen  bei ihren Ausschreibungen wichtig ist, dass ihr Assetmanager  ihnen alternative Strategien aufzeigt,  um Performance zu erwirtschaften. Die Unternehmen wünschen sich Manager, die Erfahrung mit Portfoliomanagement innerhalb eines SCR-Budgets haben, dies auch belegen können, sowie ein gutes qualitatives Reporting liefern.

Gibt es denn genügend qualifizierte Spezialisten auf dem Markt?
Marie Niemczyk:
 Aus der Studie geht hervor, dass einige Versicherer nicht vollkommen zufrieden sind mit dem Reporting ihrer Assetmanager. Von daher würde ich sagen: Ja, es gibt durchaus Verbesserungsbedarf. Gerade jetzt, wo viele Unternehmen in alternative Assetklassen gehen, um mehr Rendite zu erwirtschaften, liegt die Herausforderung beim Manager, auch diese Assetklassen auf versicherungsspezifische Weise anzubieten.  

Heute nur noch von Performance und Risiko zu reden reicht nicht mehr aus. Ich denke, der  Assetmanager muss Partner an der Seite der Versicherer sein, wenn es darum geht, wie optimiere ich mein Portfolio in Bezug auf Rendite, Risiko und SCR.  

Ist Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern oder den USA ein schwieriger Markt für alternative Investments? Sind die deutschen Versicherer zurückhaltender?
Marie Niemczyk:
Allgemein kann man sagen, dass deutsche Versicherer vielleicht etwas risikobewusster sind in ihrem Ansatz. Das heißt aber nicht, dass sie weniger als andere Europäer in alternative Assetklassen investieren. Deutsche Versicherer waren zum Beispiel auf der Immobilienseite sehr lange vor anderen Europäern aktiv und haben nicht nur in direkte Immobilien, sondern auch in indirekte etwa in Infrastructure Debts investiert. Laut der Studie sagen 67 Prozent der französischen Versicherer, dass für sie 2017 das Thema Alternatives an erster Stelle steht. Deutschland liegt aber mit 66 Prozent ganz dicht dahinter. Bei den britischen Versicherern sind es lediglich 45 Prozent.

Für deutsche Versicherer war 2016  ein schwieriges Jahr, da die Renditen im Kernportfolio doch sehr niedrig lagen. Und da hat man natürlich nach Alternativen geschaut. Die Unternehmen haben natürlich Recht, auch alternative Investments risikobewusst anzugehen.

 

 

 

Ist es schwieriger für kleinere Versicherer, in alternative Investments zu gehen?
Marie Niemczyk:
Sicher ist es  für große Versicherer, die mehr Ressourcen haben, schon etwas einfacher. Aber aus der Studie geht hervor, dass auch die kleineren Häuser Interesse zeigen.  Alle Versicherer haben 2016  in Bezug auf die Anpassung ihres Portfolios an Solvency II wirklich großartige Arbeit geleistet. Vielleicht kann man als kleiner Versicherer nicht alleine in eine alternative Assetklasse investieren, da man ein gewisses Gewicht am Markt braucht.  Deshalb stehen wir kleinen Unternehmen mit unserer Reichweite, unseren Ressourcen und Expertise in alternativen Investments zur Seite und bieten ihnen somit Zugang zu den Opportunitäten dieser Assetklasse.

Ist in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung der Fintechs und Insurtechs für Sie ein wichtiges Thema oder hat das mit Ihnen erst einmal nicht so viel zu tun?
Marie Niemczyk:
Für uns ist Digitalisierung, Big Data, Fintech, Robotech und so weiter ein wichtiges Thema und zwar extern und intern. Zum einen beim eigentlichen Investieren. Wir sehen, dass in verschiedenen Märkten diese Entwicklungen immer wichtiger werden. Durch gutes Investieren in diese Trends können wir Mehrwert für unsere Investoren generieren. Wir haben zum Beispiel im Dezember 2016 einen Robotech-Fonds gelauncht. Auf der anderen Seite haben wir mehrere Projekte am Laufen, die darauf abzielen, uns selbst digitaler zu machen als Unternehmen, um wirklich auf Kundenbedürfnisse zu antworten. Etwa die Einheit Axa Strategic Ventures, die sich um Partnerschaften mit Fintechs und Start-ups kümmert.

Der CEO der Axa-Gruppe,  Thomas Buberl hat vor einiger Zeit die Ernennung von Joyce Phillips bekanntgegeben, eine Digitalisierungs-Spezialistin, die alle Einheiten, die sich um Innovation kümmern, leiten wird. Das ist ein wichtiges Zeichen, dass sich unser Haus in diesem Feld auch weiter engagieren möchte.

Ihre Umfrage hat auch ergeben, dass die Assekuranz ein wachsendes Interesse an verantwortlichem Investieren hat. Was ist die Motivation für diesen Trend?
Marie Niemczyk:
 Da steht an erster Stelle die Regulierung. 53 Prozent der befragten Versicherer sehen sie als treibende Kraft für Investments nach Nachhaltigkeits- oder ESG-Kriterien. 30 Prozent wollen, dass ihre Assetmanager aktiv einen solchen Ansatz verfolgen. 18 Prozent schließen heute ganz systematisch Titel aus, die nicht im Einklang mit bestimmten  ESG-Kriterien stehen.

Bei den großen Versicherern sieht man auch, dass die großen Trends wie demografischer Wandel oder Klimawandel ihr Businessmodell als Versicherer verändert: Das führt dazu, dass sie auf der Investmentseite mehr Interesse an diesen Themen haben.

Axa Investment Managers (Axa IM) ist ein aktiver, langfristig orientierter Multi-Asset-Experte in der Vermögensverwaltung. Das Unternehmen, das zur Axa Gruppe gehört, verwaltet rund 735 Milliarden Euro Vermögen (Stand: Juni 2017) und ist mit über 2.450 Mitarbeitern und 29 Niederlassungen in weltweit 21 Ländern tätig.

Autor(en): Alexa Michopoulos

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