Deutschland hat nicht zu viele Vermittler

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Der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) vertritt als einer der größten Verbände über 600 Maklerunternehmen mit mehr als 12.000 Mitarbeitern. Grund genug für ein Interview mit dem geschäftsführenden Vorstand Dr. Hans-Georg Jenssen.


Nach einer langen Zeit der Deregulierung erlebt die Branche seit einigen Jahren das Gegenteil. Wird die Assekuranz derzeit durch die Regulierung erdrückt?

Hans-Georg Jenssen: Erdrückt will ich nicht sagen. Früher hatten wir so etwas Banales wie eine Bedingungsgenehmigung, die geopfert wurde. Dann freute man sich, dass man Wettbewerb durch Vielfalt von Versicherungsbedingungen hatte. Jetzt schaffte man mit POG (Anmerkung der Redaktion: Leitlinien für Überwachung und Governance von Bankprodukten im Privatkundengeschäft, englisch „Guidelines on product oversight and governance arrangements for retail banking products“, kurz POG) ein neues Instrument. Immer dann, wenn in Europa einheitliche Regelungen gewählt werden wie bei POG, besteht die Gefahr, dass ein Bürokratie-Level gewählt wird, der auf die einzelnen Staaten runtergebrochen werden muss. Das führt auch dazu, dass eine Sicherheitsstufe über ganz Europa gezogen wird, weil es in einigen Staaten zu Problemen im Vertrieb kam.

Die Frage ist, ob wir solche Vorschriften in dieser Tiefe brauchen. Es kommt darauf an, eine vernünftige Balance herzustellen. Die Regulierung wäre kein so großes Thema, wenn sie nicht immer einherginge mit neuen inhaltlichen Anforderungen an Versicherer und deren Produkte und zugleich mit einem Verhältnis zum Digitalisierungszeitalter mit nicht optimaler Kommunikation der einzelnen Beteiligten untereinander. Irgendwo stand neulich, dass Fintechs mit gedruckten Versicherungspolicen überschüttet werden. Da sage ich nur: Willkommen in der Realität. Da machen sich solche Regulierungsanforderungen doppelt und dreifach bemerkbar.

Verbraucherschützer sehen einen Interessenkonflikt zwischen der Courtage und dem Kundeninteresse. Der VDVM hat die Courtage als Leitvergütung postuliert. Es scheint, dass die Politik immer mehr den Verbraucherschützern glaubt. Was kommt da auf die Vermittler zu?

Hans-Georg Jenssen: Fangen wir mit dem Verbandsstandpunkt an: Wir haben damals gesagt, Provisionen müssen nicht ungefragt offengelegt werden, auf Nachfrage legen wir aber alles offen. Damit sind unsere Mitglieder sehr gut gefahren - wobei das Bedürfnis der Versicherungsnehmer, sich danach zu erkundigen, in Grenzen hält.

Im Gewerbebereich sind die Unterschiede relativ gering. Im großindustriellen Bereich ist das anders. Die Unternehmen selbst möchten, dass nettoisiert und eine individuelle Courtage mit dem Makler vereinbart wird. Unsere Mitglieder haben hier einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Das ist in erster Linie steuerlichen Gegebenheiten geschuldet. Der Kompositbereich ist, was das betrifft, unauffällig. Die meisten Beteiligten kennen auch die Courtagesätze.

Dagegen gab es im Krankenversicherungsbereich Exzesse. Hier sind wir nun bei neun Monatsbeiträgen in der Deckelung. Im Lebensversicherungsbereich wird mit Abschlussprovisionen gearbeitet. Dort gab es auch ein fröhliches Umdecken. Unsere Mitglieder machen jedoch zu 85 Prozent Kompositgeschäft, davon sind fast 90 Prozent gewerbliches und industrielles Geschäft. Dazu gehören auch freie Berufe. Aber der Einzel-Lebensversicherungsvertrag war nicht deren Thema, sondern wenn Lebensversicherung, dann betriebliche Altersvorsorge...

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Autor(en): Bernhard Rudolf

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