Die Schweizer wünschen sich eine einfachere Regulierung

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Nicht nur die Deutschen haben so ihre Probleme mit der Regulierung, sondern auch die Schweizer und fürchten durch diese um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Folglich lautet deren Forderung: Die staatlichen Eingriffe in die Märkte müssen einfacher werden und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Mit anderen Worten: Eine einfache Regulierung ist wirksamer und effizienter als eine komplexe. So jedenfalls der Tenor einer Studie der Universität St. Gallen am Beispiel der Versicherungswirtschaft. Der Schweizerische Versicherungsverband SVV hat diese Studie in Auftrag gegeben.

Wettbewerbsfähigkeit der Industrie aus den Augen verloren
Die immer stärkeren Eingriffe des Staates in ihre Geschäftstätigkeit bereiten den Versicherungsge-sellschaften zunehmend Sorgen, haben die Studienersteller heruasgefunden. Zwar würden die Versicherer die Notwendigkeit und den Nutzen der Regulierung im Nachgang zur Finanzkrise anerkennen, aber sie kritisierten, dass Gesetzgeber und Aufsicht vor lauter Kundenschutz oft die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie aus den Augen verlören. Vor allem für kleine Versicherer würden Umfang und Komplexität der anschwellenden Regulierung zum Problem und zu einer überproportional starken Belastung.

Die Wissenschaftler Martin Eling und Sabine Kilgus befragten insgesamt 76 Versicherer im gesamten deutschsprachigen Raum zu ihrer Beurteilung der Wirksamkeit und Effizienz der Regulierung. Zudem wurden die grossen Prüfgesellschaften und die Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma einbezogen. Deren Fazit: In der Schweiz würden Qualität und Umsetzung der Regulierung insgesamt besser beurteilt werden als diejenige in Deutschland und Österreich. So werde das risikoorientierte Aufsichtskonzept der Finma als wegweisend beurteilt und zur konsequenten Weiterentwicklung empfohlen.

Exzessive Ausweitung der Dokumentationspflichten in Deutschland
Kritisch hingegen beurteilten die Versicherer eine unbesehene Übernahme internationaler Regulierung – etwa der neuen Unisex-Tarifierung oder des neuen Vermittlerrechts der EU. Und das neue Vermittlerrecht habe gerade in Deutschland zu einer exzessiven Ausweitung der Dokumentationspflichten geführt, von der nicht sicher sei, ob der dadurch erzielte Nutzen die Kosten rechtfertige.

Auch die neuen Eigenkapitalanforderungen für Versicherungen in der EU würden als ökonomisch fragwürdig bezeichnet. So sei beispielsweise für Investitionen in Staatsanleihen aus Griechenland keine Kapitalunterlegung vorgeschrieben. Diese Tendenz zu einer realitätsfremden Regulierung in der EU werde auch als Erklärung angeführt, warum die Bewertung der befragten Versicherer in der Schweiz insgesamt positiver ausfalle als diejenige der deutschen und österreichischen Versicherer.
Die Autoren der Studie empfehlen, diese Aspekte zu berücksichtigen, um die Qualität der Regulierung zu steigern und verknüpfen dies mit Forderungen an die Politik. Konkret befürworten sie eine Vereinfachung der Solvenzaufsicht sowie der Berichterstattung.

Vergleichbar und verständlich aufbereitet
Zugleich fordert die Studie aber mehr Transparenz der Versicherer gegenüber Kunden und Öffentlichkeit. Allerdings müssten diese Informationen vergleichbar und für Kunden in verständlicher Form aufbereitet sein. Das Ziel müsse es bleiben, die Marktdisziplin und damit den Wettbewerb zu stärken. Das werde letzten Endes auch zu besseren Leistungen für den Kunden führen.

Wie deutsche Vermittler mit der Regulierung zu kämpfen haben, skizziert das Editorial in der Juni-Ausgabe von

Quelle: Universität St. Gallen

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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