"Die Versicherer haben noch nicht viel von Corona mitbekommen"

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"Vor oder nach dem Tsunami?" lautet der Titel der aktuellen Studie von Zielke Research Consult. Jörg Birkelbach, Geschäftsführer von Finanz Planer TV sprach auf "Investment Channel" mit dem Leiter des Beratungs- und Analysehauses, Carsten Zielke, über die Lage der deutschen Assekuranz und die Folgen der Corona-Pandemie für die Unternehmen.

Jörg Birkelbach: Ihre neue Studoe hat den Titel  "Vor oder nach dem Tsunami?" Sie haben in dieser Versichungsstudie eine Standortbestimmung gemacht, ich bin gespannt auf die Ergebnisse.
Carsten Zielke: Einmal im Jahr analysieren wir die Versicherungsindustrie in allen drei Sparten und schauen uns hier neben den Bilanz-Kennzahlen, den Solvency-Kennzahlen auch die allgemeine wirtschaftliche Situation an. In diesem Jahr ist Corona natürlich das Hauptthema und wir schauen uns die Auswirkungen auf die drei Sparten an. Im vergangenen Jahr lautete der Titel der Studie "Trügerische Ruhe" und dies hat sich bewahrheitet. Jetzt haben wir die Situation, dass wir eine massive Verschuldung von Staatenseite her sehen, die einen politischen Druck aufgebaut hat, sodass gerade die Personenversicherer langfristig, keine positiven Zinserträge mehr sehen können. Dies stellt natürlich die Lebensversicherer vor immense Herausforderungen.

Sind wir jetzt vor oder nach dem Tsunami oder mittendrinn, was ist Ihre Einschätzung?
Leider denke ich, dass wir noch vor dem Tsunami sind, denn die Versicherer haben noch nicht viel von Corona mitbekommen. Außer, dass sie sehr erfolgreich auf Homeoffice umgestellt haben, dass sie weniger Schäden in der Kfz-Versicherung zahlen mussten. Sie sind teilweise überrascht worden von den Auswirkungen der Betriebsschließungen und haben sich hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Große Stornowellen haben wir bis jetzt noch nicht gesehen. Ich denke, dass hier eine Gefahr besteht, weil viele Kunden einfach Geld benötigen. Der Staat hat derzeit viele Hilfen geleistet: Die massive Nutzung von Kurzarbeit wurde ermöglicht. Die Frage ist, wie lange das noch anhält und inwiefern der Staat die Leitung zurückfährt. Dann wird natürlich jeder auf sein eigenes Portemonnaie schauen und sich fragen, wenn die Lebensversicherer mit meinem nicht viele Erträge erwirtschaften, warum benötige ich die Police überhaupt noch? Diese langfristige Planung, für das Alter vorzusorgen, rückt ein bisschen in den Hintergrund. Das Heute rückt in den Mittelpunkt.

Wir sprechen jetzt gerade von Lebensversicherungen, ohnehin ein Problemkind der Assekuranz. Stichwort: Niedrigzinsszenario für Kapitalanlagen aber auch Garantiezinsdiskussionen und jetzt kommt die Pandemie. Erwarten Sie, dass jetzt viele Kunden, die eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen haben, diese kündigen oder ein Policendarlehen nehmen? Ist das so signifikant, dass man von einem Problem reden kann?

Hier können Sie das gesamte Interview sehen:



Autor(en): Versicherungsmagazin.de

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