Digitalisierung im Gesundheitswesen: Fehlanzeige

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„Die SPD träumt immer noch von der Bürgerversicherung. Ich sage Ihnen aber voraus, dass diese nie kommen
wird. Ich glaube aber auch nicht, dass die PKV die GKV ersetzen kann“, so die klare Aussage von CDU-Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patienten- und Pflegebeauftragter der Bundesregierung, auf der Euroforum-Konferenz „PKV aktuell“ in Berlin
.

Laumann war zu dem zweitägigen PKV-Meeting geladen worden, um den Konferenzteilnehmern einen Überblick über das Reformprogramm der Bundesregierung im Gesundheitswesen zu liefern. So sprach er nicht nur über die (unwahrscheinliche) Zukunft der Bürgerversicherung, sondern auch über die Versorgung von Patienten im ländlichen Raum oder die schleppende Weiterentwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Hausärztliche Versorgung muss stärker wachsen
Der CDU-Gesundheitsexperte hat auch festgestellt, dass die Anzahl der über 80-jährigen Patienten in den Krankenhäusern in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Dies ist seines Erachtens ein wichtiger Grund, weswegen die hausärztliche Versorgung künftig wichtiger werden wird und muss. Zurzeit würden sich dabei auch viele Patienten in ländlichen Gebieten fragen, warum sie genauso hohe Beiträge zahlen müssten wie Menschen in Ballungsräumen, obwohl sie oft keine ausreichende ärztliche Versorgung hätten.

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen sieht er Deutschland noch als Entwicklungsland, vor allem wenn es um die Verknüpfung von Krankenhäusern und anderen ärztlichen Versorgungseinrichtungen geht. Einen Grund für diesen Umstand sieht er in der Transparenzresistenz des Gesundheitssektors. O-Ton Karl-Josef Laumann: „Der Gesundheitssektor vermeidet die Transparenz wie der Teufel das Weihwasser“.

Ewiger Streitpunkt: Datenschutz
Die PKV-Branche müsse sich endlich klar machen, dass die Digitalisierung große Chancen biete, Menschen allumfassend behandeln und betreuen zu können als bislang. Das Problem dabei: Gesundheitsdaten von Patienten müssen geschützt werden. Doch ein effektiver Datenschutz ist seiner Einschätzung nach in den Praxen auchjetzt nicht gegeben. Denn so könnten in diesen auch Faxe von Menschen eingesehen werden, die dazu nicht befugt seien.

Elektronische Gesundheitskarte schnellstmöglich einführen
Einen weiteren Vorschlag unterbreitete der CDU-Mann auch für die elektronische Gesundheitskarte. Auf dieser sollte unter anderem der Medikamentenplan eines Patienten hinterlegt werden können. Denn zu häufig wären nicht alle Ärzte über alle Medikamente informiert, die ein Patient einnehmen müsste. Folglich wären mögliche Wechselwirkungen von Tabletten nicht allen behandelnden Medizinern bekannt, was für den Patienten gefährlich sein könnte. Ähnlich argumentierte auch Karen Walkenhorst von der Techniker Krankenkasse. Sie fordert, dass die elektronische Gesundheitsakte „so schnell wie möglich“ in der elektronischen Gesundheitskarte aufgenommen wird. Das Problem: An der Gesundheitskarte wird seit Jahren herumlaboriert, im Einsatz ist sie immer noch nicht. Ob sich dies in naher Zukunft ändert, eher fraglich.

Misstrauenskultur lähmt das deutsche Gesundheitssystem
„In Deutschland herrscht eine Misstrauenskultur. Von Leistungserbringer gegenüber den Kostenträgern, aber auch seitens der Patienten gegenüber den Leistungserbringern“, bedauerte der CDU-Staatssekretär. Viele Menschen würden sich fragen: „Werde ich wirklich so behandelt, wie ich es brauche oder erhalte ich eher unnötige Behandlungen“. Menschen befürchteten, dass in unserem Gesundheitssystem Aspekte verschleiert würden, außerdem müsse man sich bewusst sein, dass das Arzt- und Patientenverhältnis nie mehr so sein werde wie früher: Denn der Patient sei heute weitaus informierter als früher. Folglich müsse das Gesundheitssystem patientenorientierter werden, will sagen: Der Patient müsse genau darüber informiert werden, wie die Chancen und Risiken einer notwendigen Behandlung aussähen.

Der richtige Weg: Die Tarifwechselleitlinien
Einen unguten Trend stellt nach Meinung des politischen Gesundheitsexperten auch die aktuelle Qualitätsmessung von Pflegeinrichtungen dar. Dieses System sei einfach falsch. Denn Pflegequalität mit Noten zu belegen, sei der vollkommen falsche Weg. Gut seien hingegen die neuen Tarifwechselleitlinien. Die PKV-Unternehmen hätten sich mit diesen endlich bereiterklärt, ihre Patienten auf für sie wirtschaftlichere, passendere Tarife hinzuweisen.

Bild: © wavebreak / gettyimages



Autor(en): Meris Neininger

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