DKM 2008: Im Schatten der Finanzkrise

Trotz der Finanzkrise konnten sich die Veranstalter der DKM über einen neuen Besucherrekord freuen. Nach dem deutlichen Zuwachs an Ausstellern gegenüber dem Vorjahr von 363 auf 397 stieg auch die Zahl der Teilnehmer an den beiden Messetagen mit mehr als 19.000 Besuchern um 12,4 Prozent. "Die Branche benötigt gerade in unsicheren Zeiten eine Anlaufstelle und ein erstklassiges Forum, um sich auszutauschen", nannte Dieter Knörrer, Geschäftsführer des Veranstalters BBG Betriebsberatung einen der Gründe für das gestiegene Interesse.

Vertrauensfrage als Schlüsselfrage der Finanzkrise
Einig waren sich die meisten Experten in den Vorträgen und Diskussionsrunden darüber, dass sowohl das Ausmaß als auch die Wucht der aktuellen Krise in dieser Form nicht vorhersehbar war. Allerdings zeigten sich auch viele nicht überrascht darüber, dass es überhaupt zu einer Erschütterung kam. "Wer mehr Zinsen und Erträge will, als üblich ist, zahlt das nun einmal mit Risiko", gab sich Lothar Späth, Professor und Ministerpräsident a. D., pragmatisch. Und für MdB und Bundesminister a. D. Walter Riester ist die Vertrauensfrage die Schlüsselfrage nach der Finanzkrise. Dieser Herausforderung müsste sich die verschiedenen Vertriebswege stellen.

Dass im Vertrauensverlust auch eine Chance für den Vertrieb liegen kann, wurde von einigen Branchenexperten in die Argumentationsschale geworfen. "Der Markt ist nach wie vor ein Chancenmarkt", gab sich etwa Udo Bödeker, Geschäftsführender Gesellschafter des Versicherungsmaklers Secu Rat optimistisch. "Die Starken werden stärker werden – und das sind diejenigen, die ganzheitlich auf den Kunden fokussiert sind." Zwar wurde auf der DKM auch verlautbart, dass die Vertrauenskrise zuallererst eine Bankenkrise sei, von der die unabhängigen Vermittler letztlich nur profitieren könnten, doch für Bödeker kann auch der Bankvertrieb an der Krise wachsen, weil die Institute über eine gewachsene Kundenkultur verfügen würden.

Vom Shareholder Value zum Customer Value
Die Gewinner aus der Krise ist für die meisten allerdings der unabhängige Makler, der "traditionell die Kundenorientierung im Fokus" habe, wie Eugen Bucher, Vorstand des Finanzdienstleistungsunternehmens Formaxx AG, konstatierte. In der Wirtschaft finde derzeit ein Paradigmenwechsel "vom Shareholder Value zum Customer Value" statt - eine Entwicklung, die dem Maklervertrieb als Treuhänder und Anwalt des Kunden entgegen komme.

Ungeachtet der sich aus der Finanz- und der daraus resultierenden Banken- und Vertrauenskrise ergebenden Chancen für die freien Vertriebe stand auf der DKM vor allem das Thema Beratungsqualität im Mittelpunkt. Der Berufsstand stehe unter einem enormen Professionalisierungsdruck, dem nicht alle Vermittler gewachsen seien, wie Ludger Sandkühler, Vorsitzender des ivm, Institut der Versicherungsmakler e. V., einwarf.

Durch Professionalisierung und Spezialisierung hat indes nach Überzeugung von Professor Dr. Helmut Schirmer, Versicherungsrechtsexperte an der Freien Universität Berlin, auch der "kleine Einzelkämpfer" unter den Maklern eine Zukunft. "Wer auf Qualität setzt, wird sich durchsetzen. Die Professionellen werden ihre Bedeutung ausbauen", stimmte ihm Ralf Berndt, Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung a. G., zu. Und auch der ehemalige Versicherungsombudsmann Professor Wolfgang Römer gab sich optimistisch für die Zukunft der Zunft: "Diejenigen Makler, die mit der Bürokratisierung einigermaßen zurechtkommen und sich anständig verhalten, werden auch noch in 20 Jahren gut dastehen."

Für Roland Roider, Vorstand des Maklerpools BCA AG, steht bereits fest, dass die Unabhängigen "auf jeden Fall" zu den Gewinnern gehören werden, denn: "Die Leistungsfähigkeit und Qualität war bei den Maklern schon immer stärker ausgeprägt."

Mehr zu den Themen auf der DKM 2008 lesen sie in der des Versicherungsmagazins.

Foto: DKM 2008

Autor(en): Gabi Böttcher

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