Ein Blick über den Tellerrand der Industrienationen

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Was haben Nigeria, Ecuador, Vietnam und Aserbaidschan gemeinsam? Sie gehören zu den 21 so genannten Grenzmärkten, in denen die Swiss Re Chancen für die Versicherungsunternehmen sieht.

Eine neue Sigma-Studie des Unternehmens hat die 21 Grenzmärkte mit besonders hohem Potenzial für Versicherungswachstum analysiert. Dabei hat die Untersuchung wenige gemeinsame Merkmale dieser Märkmale identifiziert. Diese sind reale Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts von fünf bis zehn Prozent sowie eine geringe Versicherungsdurchdringung von weniger als 1,5 Prozent.

Typisches Wachstumsmuster in den Grenzmärkten
In der Regel sind die Grenzmärkte Schwellenländer mit kleineren Volkswirtschaften und niedrigeren Einkommen, deren Wirtschaft aber dynamisch wachsen wird. Die meisten dieser Märkte liegen in Afrika südlich der Sahara (ASS). Daneben analysiert die Studie auch Grenzmärkte in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), in Lateinamerika und in Asien.

Die Analysten haben ein typisches Wachstumsmuster für den Versicherungssektor in den untersuchten Ländern identifiziert: In den Anfangsjahren entwickelten sich die Nichtleben- und Gewerbesparten tendenziell besser als die Lebens- und Privatversicherungssparten. Bei steigenden Einkommen könnten später auch die Prämien für Lebensversicherungsprodukte mit einem Schwerpunkt auf Kapitalbildung schneller wachsen.

Die Studienmacher betonen, dass es keinen Pauschalansatz gebe. Um erfolgreich zu sein, müssten die Versicherer die unterschiedlichen makroökonomischen Bedingungen, sozioökonomischen Faktoren, Regulierungsrahmen und kulturellen Besonderheiten der verschiedenen Märkte kennen und berücksichtigen.

Überblick über die Grenzmärkte

Afrika südlich der Sahara
ASS besteht aus 48 unabhängigen Staaten. Trotz des insgesamt stabilen Wachstums seit der Jahrhundertwende bleibt das BIP pro Kopf in ASS niedrig. Seit 2000 ist das reale
Prämienwachstum in den Grenzmärkten der Region ASS niedriger als das reale BIP-Wachstum, bedingt durch jahrelange politische Instabilität und Bürgerkriege, was sich mehr auf den Versicherungssektor ausgewirkt hat als auf das Wirtschaftswachstum. Obwohl sich der Bericht auf sieben führende Grenzmärkte in der Region beschränkt, können alle Märkte in ASS mit Ausnahme von Südafrika als Grenzmärkte betrachtet werden. Die Versicherungsdurchdringung ist allgemein niedrig und Versicherungen für gewerbliche Risiken (Bau, Bergbau, Öl- und Gasförderung) behrrschen den Markt. Die Kfz-Versicherung gewinnt angesichts der zunehmenden Einführung obligatorischer Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherungen in vielen Ländern an Bedeutung.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Überwachung haben sich
verbessert, sind aber nach wie vor oft unterentwickelt. ASS ist unter den Schwellenländern Spitzenreiter in Bezug auf (Mikro-) Versicherungen, die über Mobiltelefone vertrieben werden. Weitere Wachstumsbereiche liegen im Bereich der Landwirtschaft sowie bei Versicherungen für grosse Infrastrukturprojekte.

Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
In den GUS-Ländern ist der Versicherungssektor noch immer unterentwickelt. Dennoch sind die langfristigen Aussichten für die Wirtschaft und den Versicherungssektor positiv. In der Studie werden einige gemeinsame Wachstumstreiber der GUS-Märkte thematisiert. Einen davon bildet die Einführung neuer Kategorien für Pflichtversicherungen wie die obligatorische Kranken- oder Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung in Aserbaidschan und in Georgien. Ein anderer Wachstumstreiber ist die zunehmende Öffnung der GUS-Volkswirtschaften

Die Regulierung stellt einen weiteren wichtigen Faktor dar. Kasachstan verfügt über einen soliden Regulierungsrahmen, und in Aserbaidschan sollte ein neues einheitliches System zur Schadenbeurteilung in der Kraftfahrzeugversicherung das Vertrauen der Konsumenten in den Versicherungssektor erhöhen. Die Kehrseite der Medaille bildet Georgien mit einem unerwarteten Beschluss zur Rücknahme der Liberalisierung des Gesundheitswesens.

Lateinamerika
Bolivien, Kolumbien, Ecuador und Peru bilden den grössten zusammenhängenden Block von Grenzmärkten in Lateinamerika. Der Versicherungssektor ist in Peru und Kolumbien weiter entwickelt als in Bolivien und Ecuador. Das regulatorische und operative Umfeld in diesen Märkten hat sich deutlich verbessert und zu einer höheren Beteiligung ausländischer Versicherer geführt. Im Gegensatz dazu sind in Bolivien ausländische Akteure praktisch vom Markt verschwunden, und das Unternehmensumfeld in Ecuador wird angesichts der sich verschlechternden Wirtschaftslage und der permanenten staatlichen Eingriffe in die lokalen (Rück-)Versicherungsmärkte zunehmend schwieriger.

Südostasien
Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam (CLMV)haben sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Die Volkswirtschaften der Region CLMV haben von ihrem stabileren soziopolitischen Umfeld und der weiteren Integration in die Weltwirtschaft profitiert. Die Versicherungsbranche der Region befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase und wird insbesondere vom Nichtlebensektor vorangetrieben. Vietnam ist der am weitesten entwickelte Markt der Region und weist die höchste Versicherungsdurchdringung auf. Die Märkte der Region passen ihre Versicherungsvorschriften sowie die damit verbundene Gesetzgebung an, um das Wachstum des Sektors zu beschleunigen.

In Myanmar, wo der Versicherungsmarkt seit 1963 in staatlicher Hand liegt, erhielten 2013 zwölf private Unternehmen eine bedingte Zulassung zur Bereitstellung von Versicherungsdienstleistungen. Zwei weitere Entwicklungen werden potenziell als Wachstumstreiber für den Versicherungsmarkt agieren und sich darüber hinaus positiv auf das BIP-Wachstum auswirken: die ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft und die chinesische One Belt, One Road-Initiative.



Textquelle: Swiss Re
Bildquelle: © apops / Fotolia.com

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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