Erfreuliche Naturkatastrophen-Bilanz für das erste Halbjahr

740px 535px
Die Naturkatastrophen des ersten Halbjahres 2014 haben die weltweiten Versicherer weniger gekostet, als nach den Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre zu erwarten war. Besonders erfreulich: Die Zahl der Todesopfer durch Naturkatastrophen war vergleichsweise niedrig, so die Naturkatastrophen-Bilanz der Munich Re.

Die gesamtwirtschaftlichen Schäden blieben bis Ende Juni mit 42 Milliarden US-Dollar ebenso wie die versicherten Schäden mit 17 Milliarden US-Dollar erheblich unter den Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre (95 Milliarden beziehungsweise 25 Milliarden US-Dollar). Durch Naturkatastrophen kamen im ersten Halbjahr 2.700 Menschen ums Leben, deutlich weniger als sonst in den ersten sechs Monaten eines Jahres (Zehn-Jahres-Durchschnitt: 53.000).


Schadenhäufigkeit hat hohe Bedeutung
Insgesamt ereigneten sich rund 490 schadenrelevante Naturkatastrophen. Die höchsten gesamtwirtschaftlichen Schäden entstanden in den USA (35 Prozent) gefolgt von Europa und Asien (je 30 Prozent).

Wie relevant die Schadenhäufigkeit bei Naturkatastrophen ist, verdeutlicht folgendes Beispiel: Zwei Schneestürme verursachten im Februar in Japan Gesamtschäden von rund fünf Milliarden US-Dollar und versicherte Schäden von mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar. Dies war die weltweit höchste Schadenssumme im ersten Halbjahr. Schneefälle von bis zu einem Meter, in Ländern wie Kanada wäre dies weitgehend unproblematisch, sind in den betroffenen Provinzen Japans sehr ungewöhnlich. Es kam zu zahlreichen Unfällen, viele Dächer von Hallen oder Gewächshäusern stürzten unter der Schneelast ein.



"Es ist natürlich gut, dass die Naturkatastrophen zuletzt relativ glimpflich verliefen . Aber man darf nicht vergessen, dass sich die Risikolage insgesamt nicht verändert hat. Schadenmindernde Maßnahmen müssen deshalb weiterhin im Vordergrund stehen."

Torsten Jeworrek,
Vorstand für das weltweite Rückversicherungsgeschäft, Munich Re

Verbindung zwischen Wetterextremen
Insgesamt betrugen die Schäden des Rekordwinters in Nordamerika (verschiedene Blizzard- und Wintersturmereignisse) etwa 3,4 Milliarden US-Dollar. Vielfach erzeugte der strenge Winter vor allem Einbußen im Wirtschaftsleben, da Betriebe die Produktion anhalten mussten.

Nach den Worten von Peter Höppe, Leiter der Geo-Rsikoforschung von Munich Re, gab es zwischen den Wetterextremen auf der Nordhalbkugel in diesem Winter eine Verbindung. "Der besonders strenge Winter in Nordamerika und Asien sowie der äußerst warme Winter in großen Teilen Europas hängen über stark ausgeprägte und beständige Mäander des Jetstreams zusammen", sagte Höppe. "Und es gibt in der Wissenschaft aktuell große Diskussionen darüber, ob solche lang anhaltende Muster des Jetstreams und damit die Häufigkeit solcher extremen und lang andauernden Wetterlagen durch den Klimawandel künftig zunehmen werden", erläutert der Wissenschaftler.

Warmer Winter führte mit zu Überschwemmungen
Der warme Winter in Mitteleuropa war mitverantwortlich für die starken Überschwemmungen in England bis in den Februar hinein. Da vor allem ländliche Gebiete betroffen waren, hielten sich die Gesamtschäden mit 1,3 Milliarden US-Dollar und der versicherte Schaden mit etwa 1,1 Milliarden US-Dollar in Grenzen.

Sehr hohe gesamtwirtschaftliche Schäden entstanden durch schwere Überschwemmungen in den Balkan-Ländern im Mai 2014. Das Tief Yvette produzierte ungewöhnlich starke und lang anhaltende Regenfälle. An vielen Stellen erreichte die Niederschlagsmenge die höchsten Werte seit Beginn der Messungen vor mehr als 100 Jahren. Durch das Hochwasser entstand ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von vier Milliarden US-Dollar, damit war dieses Hochwasser die zweitteuerste Naturkatastrophe des ersten Halbjahres weltweit. Infolge einer relativ geringen Versicherungsdichte blieb der versicherte Schaden allerdings vergleichsweise gering.

Starke Schäden in Düsseldorf
Hohe versicherte Schäden verursachte eine Unwetterfront, die am 9. Juni über Westdeutschland zog. Lokal gab es starke Schäden durch Sturmböen und Hagel, so etwa in der Region um Düsseldorf. Insgesamt lag der versicherte Schaden bei 890 Millionen US-Dollar während der Gesamtschaden bei rund 1,2 Milliarden US-Dollar lag.

Die Tornadosaison in den USA, die zwischen Mai und Juli ihren Höhepunkt erreicht, verlief bislang unterdurchschnittlich. Bis Ende Juni zählte die US-Wetterbehörde NOAA 721 Tornados im Vergleich zu 1.026 im Schnitt der Jahre 2005-2013.

Enso prägt Wetter in der zweiten Jahreshälfte
Im weiteren Jahresverlauf werden die Wetterereignisse voraussichtlich zunehmend von der natürlichen Klimaschwankung Enso geprägt, einer Klimaschaukel im äquatorialen Pazifik. Höpper erwartet, dass sich jetzigem Stand sich bis zum Herbst ein moderates El Nino-Ereignis entwickeln werde, bei dem sich im Südpazifik warme Wassermassen von West nach Ost verlagern. Dadurch würden sich auch über das pazifische Becken hinaus Windsysteme und Niederschlagsaktivitäten verlagern.

Tendenziell nimmt in El Nino-Phasen die Hurrikan-Aktivität im Nordatlantik ab. Im Nordwestpazifik erhöht sich im Schnitt die Anzahl von Taifunen, jedoch treffen sie seltener an Land. Die Tornado-Aktivität in den USA erhöht sich.

Quelle: Munich Re
Bildquelle: © Picturealliance/dpa

Autor(en): versicherungsmagazin.de

Mehr zu Naturkatastrophe

Alle Branche News