Finanzielle Repression verursacht Kosten und behindert Investoren

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Sieben Jahre nach der Finanzkrise halten die Zentralbanken die Zinsen immer noch auf historisch niedrigem Niveau. Der Grund: Um Regierungen bei der Finanzierung ihrer Schulden und der Förderung des Wachstums zu unterstützen. Derartige Maßnahmen führen jedoch zu finanzieller Repression und verursachen gemäß der Studie "Financial repression: The unintended consequences" von Swiss Re erhebliche Kosten für Privathaushalte und langfristige Investoren wie Versicherer und Pensionskassen.

Die Folgen der finanziellen Repression für die Finanzmärkte sind angesichts des anhaltenden Anstiegs der Anleihekurse, der hohen Aktienkurse und der relativ geringen Volatilität nach Ansicht von Swiss Re unbestreitbar. Und die Auswirkungen entgangener Zinsen sind mittlerweile für die Haushalte und die langfristigen Investoren erheblich:
Für die Versicherer in der EU und den USA belaufen sich die Ausfälle im selben Zeitraum auf zirka 400 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht aktuell einer jährlichen durchschnittlichen Steuer von circa 0,8 Prozent auf die gesamten finanziellen Vermögenswerte und mindert die Fähigkeit der langfristigen Investoren, der Realwirtschaft finanzielle Mittel zuzuführen.

Index quantifiziert Kosten unter anderem für Haushalte und Versicherer
Swiss Re hat zum ersten Mal einen so genannten Financial Repression Index entwickelt, welcher das Ausmaß der geldpolitischen und regulatorischen Maßnahmen misst und auch die Kosten für Haushalte und langfristige Investoren quantifiziert.
Dieser Index zeige als erster seiner Art, dass die finanzielle Repression trotz Rückgang seit dem Höchststand in den Jahren 2011 bis 2012 nach wie vor sehr hoch ist. Wichtigster Impulsgeber für die Veränderung nach 2007 bis 2008 sei die Geldpolitik gewesen.

Guido Fürer, Group Chief Investment Officer von Swiss Re: "Neben den Auswirkungen auf die Renditen der langfristigen Investoren können auch die Folgen für die Intermediation der Kapitalmärkte erheblich sein. Durch die Verdrängung der Investoren aufgrund künstlich tief gehaltener oder negativer Zinsen werden verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, welche sonst die Realwirtschaft unterstützen, verringert. Dies stellt eine Gefahr für die finanzielle Stabilität und das Wirtschaftswachstum im Allgemeinen dar."

Fähigkeiten der lanfristigen Investoren werden geschmälert
Langfristige Investoren sind Teil des Intermediationsmechanismus, der Spargelder zur Realwirtschaft transferiert. Allein in Europa belaufen sich die verwalteten Vermögen von Versicherungsgesellschaften auf etwa 9,5 Billionen US-Dollar, was rund 60 Prozent der verfügbaren europäischen langfristigen Kapitalanlagen ausmacht.

Aufgrund der behördlichen Eingriffe, mit dem Ziel die Zinsen künstlich tief zu halten, werde die Fähigkeit der langfristigen Investoren geschmälert, Risikokapital an die Realwirtschaft zu transferieren. Die intermediäre Funktion des Finanzmarktes sei somit durch die Verdrängung funktionierender privater Märkte und die Abnahme der finanziellen Mittel, die langfristige Investoren der Realwirtschaft zur Verfügung stellen, geschmälert worden.

Wenig Anreize für staatliche Institutionen Reformen voranzutreiben

Investitionen in die Infrastruktur könnten diesbezüglich helfen und eine Antwort auf das schwache Wirtschaftswachstum liefern. Politische Entscheidungsträger befinden sich in einem Zielkonflikt, skizziert Swiss re das Problem: Zum einen möchten sie die wirtschaftliche Erholung unterstützen und zum anderen tragen sie zur potenziellen weiteren Verstärkung des finanziellen und wirtschaftlichen Ungleichgewichts bei. Mit ihren zinssenkenden Maßnahmen und der resultierenden Verzerrung der Signale des privaten Marktes gebe es für staatliche Institutionen wenig Anreize, die vordringlichen Probleme im öffentlichen Bereich anzugehen und die strukturellen Reformen voranzutreiben.

Gefahr für langfristige Stabilität

Je länger jedoch solch außergewöhnliche geldpolitische Massnahmen anhielten, desto schwieriger werde der Ausstieg sein. Die wachsende Bedeutung der öffentlichen Märkte im Vergleich zu den privaten verstärke das Ungleichgewicht in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten und stelle eine Gefahr für die langfristige Stabilität der gut funktionierenden Finanzmärkte dar.

Textquelle: Swiss Re, Bildquelle: © Picscout / picturealliance

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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