Fondsrente nur als Sahnehäubchen?

Fondsgebundene Rentenversicherungen eignen sich nur für gut verdienende Kunden, die in gesicherten Verhältnissen leben und eine Grundversorgung für das Alter haben, meint die Stiftung Warentest. In der September-Ausgabe von Finanztest wurden nur zwölf "gute" Angebote gefunden - unter 127 getesteten Policen. Am besten haben Hannoversche Leben (Tarif FR3), Neue Leben (FRV6 T5H), Cosmos (CFR/F), Europa (E-FR3) und Alte Leipziger (LFR10) abgeschnitten. Für Anleger, die wenig verdienen oder unregelmäßige Einnahmen haben, sind laut Finanztest auch die "guten" Angebote nicht geeignet. Denn sie gehen lange vertragliche Zahlungspflichten ein und wissen wegen der unsicheren Wertentwicklung der Fonds nicht, wie hoch die Rente später ausfallen wird. Und die Steuervorteile, die eine solche Fondspolice für später gut situierte Rentner zusätzlich attraktiv machen, kämen bei Wenigverdienern gar nicht zum Tragen. Das Anlagerisiko trägt zudem nicht der Anbieter, sondern der Verbraucher. Deshalb empfiehlt Finanztest diese Form der Altersvorsorge nur zahlungskräftigen Kunden: Die könnten in überdurchschnittliche Fonds investieren und sie steuerfrei wechseln.

Die Kritik der Tester ist heftig und nicht neu: Bei der Mehrzahl der Angebote fielen hohe Kosten auf. Als Beispiel wurde die Barmenia genannt, die 15-Jahres-Verträge über 16 Prozent des eingezahlten Beitrages berechnet. Die Spannweite reicht von drei Prozent bis zu 22 Prozent, die vom eingezahlten Kundenbeitrag abgezweigt werden. Ganze zwei Angebote konnten hier die Teilnote "sehr gut" erreichen, nur sechs Mal gab es ein "gut", während 52 Angebote mit "mangelhaft" bewertet wurden. Neben zu hohen Kosten hätten viele Anbieter zu wenig attraktive Fonds im Angebot. Unterm Strich gab es für keinen Versicherer die Höchstnote, aber für mehr als jedes zehnte Angebot eine mangelhafte Bewertung. Die Unterschiede seien gewaltig. Eine Modellkundin (52), die monatlich 200 Euro bis 67 einzahlt (= 36.000 Euro Beitrag insgesamt), kann bei einer unterstellten Wertentwicklung von sechs Prozent pro Jahr auf ein Vermögen von gut 50.000 Euro hoffen. Dies ergäbe bei einer volldynamischen Rente etwa 200 Euro Anfangsrente pro Monat. Ein gleichaltriger Mann würde wegen seiner kürzeren Lebenserwartung ein paar Euro mehr erhalten. Volldynamische Auszahlung heißt, die Überschüsse werden dafür verwendet, die Rente peu à peu zu steigern. Ob die Rente aber tatsächlich so ausfällt, weiß heute noch keiner: Die Beispielrechnung ist völlig unverbindlich.

Daher stellten die Warentester in den Blickpunkt der Untersuchung folgende Kriterien: die Kostenbelastung für den Kunden (Gewichtung: 50 Prozent), seine Anlagemöglichkeiten (40 Prozent) und die Transparenz der Unterlagen (zehn Prozent). Bei den Kosten wurde besonderes Augenmerk auf den Beitragsanteil gelegt, den die Versicherer für den Abschluss und die Vertragsverwaltung sowie für den Versicherungsschutz abzweigen. Ergebnis: Am wenigsten verlangen bei einer Laufzeit von 15 Jahren die Hannoversche Leben und CosmosDirekt. Je höher die Kosten aber, desto geringer ist die Auszahlung oder die Rentenhöhe bei gleicher Performance.

Übrigens: Das breiteste Spektrum von überdurchschnittlichen Fonds können Kunden bei Gothaer, Skandia, Universa, Vorsorge und WWK nutzen. Allerdings hat es bei diesen Lebensversicherern wegen der hohen Kosten nur zum Prädikat befriedigend gereicht. Viele andere Gesellschaften hätten dagegen nur schwache Fonds im Angebot oder eine zu geringe Auswahl. Immerhin: 34 Angebote erhielten bei den Anlagemöglichkeiten die Bewertung "sehr gut" und nur acht die Note "mangelhaft".

Den Rentenbetrag haben die Warentester nicht mit bewertet, da er nicht garantiert sei. Die tatsächliche Höhe hängt vor allem von Kursgewinnen oder -verlusten im Fondsinvestment ab. Im Test fehlen auch Fondsrenten ausländischer Anbieter, da sie die Testkriterien nicht erfüllen. In die Wertung kamen nur Verträge, die in Deutschland mit Gerichtsstand Deutschland abgeschlossen werden können, für die der deutsche Insolvenzschutz gilt und für die die BaFin zuständig ist. Deshalb fehle auch die R+V, weil sie ihre Produkte über eine Tochtergesellschaft aus Luxemburg anbietet. Produkte von Atlanticlux, Canada Life, Legal & General und Standard Life fehlen ebenfalls, weil die Fonds für Policen dieser Gesellschaften noch nicht lange genug am Markt seien.

Autor(en): Detlef Pohl

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