Frauen in der Finanzbranche: Nur wenige schaffen es bis an die Spitze

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In der Finanzbranche wächst der Anteil von Frauen in Führungspositionen weiterhin nur langsam. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich besonders hinterher. Der größte Stolperstein liegt in der Mitte der Karriere, wenn die Kosten des Auftiegs den erwarteten Nutzen zu übersteigen scheinen, ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

In den größten deutschen Finanzunternehmen ist nur jede zehnte Vorstandsposition mit einer Frau besetzt. Damit erreicht Deutschland lediglich den 24. Platz unter 32 Ländern weltweit, die untersucht wurden. Lediglich jedes fünfte Aufsichtsratsmitglied ist hierzulande weiblich. Seit 2003 hat sich der Frauenanteil von einer niedrigen Ausgangsbasis ausgehend in den Aufsichtsräten zwar verdoppelt und in den Vorständen verdreifacht - doch seit 2013 ist er nahezu unverändert.

Deutsche Unternehmen ohne Dynamik
"Die größten deutschen Finanzunternehmen zählen zu den Instituten, die im internationalen Vergleich ohne Dynamik im Mittelfeld feststecken, während Länder wie Großbritannien, die USA, Polen, Italien, die Niederlande und Österreich zu den Aufsteigern zählen", sagt Astrid Jäkel, Partnerin bei Oliver Wyman und Leiterin der Studie.

Obwohl die Familien- und Frauenförderung in Deutschland deutlich umfassender ist als in der Schweiz, liegt der Frauenanteil in den Chefetagen nicht höher ist als bei den Eidgenossen. Die strukturelle Förderung könne es also nicht sein, die den niedrigen Frauenanteil in Führungspositionen erkläre, folgern die Studienmacher. Vielmehr seien es kulturelle Prägungen und Barrieren, die den Aufstieg von Frauen bremsten, wie Interviews mit Führungskräften zeigten: Traditionelle Geschlechterrollen seien nach wie vor in vielen Köpfen verankert und sähen für Frauen eher die Mutterrolle, gegebenenfalls kombiniert mit einer Teilzeittätigkeit, als eine ambitionierte Karriere vor.

Rollenbilder immer noch sehr ausgeprägt
Aus der Studie geht hervor, dass in Deutschland nur rund ein Drittel der befragten Frauen in der Finanzbranche aktiv eine Führungsposition anstrebt, während es im internationalen Vergleich fast zwei Drittel sind. "Das ist für uns ein Indiz für die hierzulande sehr ausgeprägten geschlechtsspezifischen Rollenbilder", sagt Finja Carolin Kütz, Partnerin und Deutschland-Geschäftsführerin bei Oliver Wyman. Zudem erschwere die in den Finanzhäusern oft gelebte Präsenzkultur, Familie und Karriere zu vereinbaren. Und trotz des gesetzlichen Anspruchs noch bestehenden Lücken in der Kinderbetreuung machten es auch beruflich ambitionierten Frauen schwer, ihre Ziele zu erreichen.

Die Unternehmen müssten Geschlechter-Diversität endlich als betriebswirtschaftlichen Imperativ begreifen und nicht nur als Teil ihrer Corporate Social Responsibility-Strategie, fordern die Studienmacher. Denn in der Finanzbranche verliessen Frauen im unteren und mittleren Management ihre Arbeitgeber nicht nur deutlich öfter als ihre männlichen Kollegen, sondern auch mit einer 20 bis 30 Prozent größeren Wahrscheinlichkeit als Frauen in anderen Branchen. Zu Beginn ihrer Karriere stiegen junge Frauen und Männer mit ähnlich stark ausgeprägten Karriereambitionen in die Unternehmen ein.

Kosten sind zu hoch

Für Jäkel ist offensichtlich: Für Frauen in Finanzunternehmen überstiegen nach wie vor die Kosten einer Karriere häufig den erwarteten Nutzen. "Unsere Befragung zeigt, dass die halbherzige Unterstützung von Familien, wenig flexible Arbeitszeiten sowie intransparente Beförderungsprozesse und Gehaltsstrukturen die Bereiche sind, in denen die Leistungen der Finanzunternehmen als Arbeitgeber hinter den Erwartungen zurückbleiben," so die Studienleiterin.

Einige Finanzunternehmen scheinen aber die Zeichen der Zeit erkannt zu haben: "Natürlich erfordert eine Karriere häufig harte Arbeit, ein hohes Engagement für das Unternehmen, und internationale Erfahrung. Aber es ist auch wichtig, dass ein Unternehmen Karrierelösungen anbietet, unter denen das Familienleben nicht leidet und gleiche Wettbewerbsbedingungen für Männer und Frauen schafft", sagt Christian Finckh, Chief Human Resources Officer der Allianz Gruppe, der für die Studie interviewt wurde.

Wie könnte der Anteil der Frauen in Führungspositionen erhöht werden? Oliver Wyman-Geschäftsführerin Kütz empfiehlt folgende Maßnahmen:
  • Eine Karriereplanung, die Frauen langfristig und zuverlässig ihre Perspektiven aufzeigt,
  • Sponsorenprogramme für den weiblichen Nachwuchs,
  • die Möglichkeit für Frauen und Männer ohne Nachteile in Elternzeit zu gehen oder in Teilzeit zu arbeiten,
  • ein klares Bekenntnis der Führungskräfte eine Unternehmenskultur zu verankern, in der Gleichberechtigung auf allen Managementebenen selbstverständlich ist.

"Vor allem kommt es darauf an, Frauen aktiv zu ermutigen, Führungspositionen auszufüllen, wenn sie nicht von selbst in die erste Reihe drängen. Gerade in Deutschland wird dann allzu oft irrtümlich vermutet, dass nur wer von sich aus nach der Führungsrolle greift, diese auch gut ausfüllt", so Kütz

Dem Report "Women in Financial Services 2016" liegt eine Analyse von rund 400 Unternehmen im Finanzsektor aus 32 Ländern zugrunde. 850 Finanzexperten weltweit wurden befragt und mehr als 100 weibliche und männliche Führungskräfte interviewt.

Quelle: Oliver Wyman
Bildquelle: © akindo / iStock

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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