Garantien nicht aufweichen, sondern den Gegebenheiten anpassen

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Diverse Versicherer tragen sich mit dem Gedanken, ihre Garantiemodelle zu modifizieren oder ihre Garantieangebote herunterzufahren. Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender beim Bund der Versicherten, nennt diesen Trend lieber "Garantieaufweichung".

Die Alte Leipziger - Hallesche setzt eher darauf, "das Garantiegeschäft bei vorausschauender Überschussbeteiligung vorsichtig fortzusetzen", sagte Dr. Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender des Versicherers (ganz rechts auf dem Bild). Wie sein Unternehmen dies bewerkstelligen will und welche grundsätzlichen Anstrengungen sein Haus unternimmt, um schadlos das augenblicklich niedrige Zinsniveau zu überstehen, skizzierte er anschaulich auf dem Kölner MCC-Kongress "Insurance Today und Tomorrow" in Köln.

Eine Zukunftsoption: Produkte mit reduzierten Zins- und Rentengarantien
Während Kleinlein, der ebenfalls auf der Konferenz auf dem Podium stand, glaubt, dass "sich die Versicherer mit niedrigeren Garantien aus der Affäre ziehen wollen", ist Botermann davon überzeugt, dass nur die Einführung von Produkten mit reduzierten Zins- und Rentengarantien der Branche im Allgemeinen und seinem Haus im Besonderen helfen kann, auch mit längerfristig niedrigen Zinsen (über-)leben zu können.

Der Maklerversicherer setzt darüber hinaus noch auch auf weitere Säulen, um dem Niedrigzinsumfeld zu trotzen, so unter anderem auf:

  • den weiteren Ausbau des Biometrie-Geschäfts,
  • einen höheren Anteil des fondsgebundenen Lebensversicherungsgeschäfts,
  • eine stärkere Gewichtung des bAV-Geschäfts,
  • die Beibehaltung des Einmalbeitragsgeschäfts unter Berücksichtigung diverser Risiken (so auch Kosten),
  • eine risikoadjustierte Kapitalanlagestrategie und
  • die Nutzung der Reserven, um die Zinszusatzreserve zu bilden.

Deutschland in 14 Jahren - Japan von heute
Wie andere Länder mit finanzpolitisch schwierigen Situationen umgehen und ihre Altersvorsorgekonzepte des aktuellen Gegebenheiten anpass(t)en, zeigte Botermann an Hand von Japan und der Schweiz. Deren wichtiger Hebel sei unter anderem die Höhe des Garantiezinses. So habe die Schweiz ihren Garantiezins auf 1,25 Prozent gesenkt, Japan auf 1,5 Prozent. Zudem hätte die japanische Regierung die bestehenden Lebensversicherungsprodukte für ihre alternde Gesellschaft ergänzt und zwar indem sie höhere Margen ansetzte. Ein weiteres dort umgesetztes Mittel sei die Verlängerung der Duration der Kapitalanlagen. Ein Instrumentarium, das auch in Deutschland hilfreich sein könne, die Vorsorgeproblematik zu entschärfen, ist Botermann überzeugt.

Japan ist für den Versicherungsexperten auch das Abbild von Deutschland in rund 14 Jahren. Denn dann gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente und erst dann hat Deutschland mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen sich Japan bereits heute konfrontiert sieht: Eine alte Gesellschaft mit Menschen, die mit mehr oder weniger großen Versorgungslücken zu kämpfen haben.

Bislang keine tragfähigen und rentablen Lösungen vorgeschlagen
Der Verbraucherschützer Kleinlein zeichnete die Situation gewohnt drastischer: "Die Versicherungsbranche hat bislang noch keine echten, tragfähigen und rentablen Lösungen für die aktuellen Entwicklungen geliefert. Aber nicht nur die Versicherungswirtschaft, sondern auch die Politik hat bis dato keine sauberen Konzepte parat."

Gangbarer Weg: Kollektiver Vermögensaufbau in Endsparphase
Mögliche Auswege aus der Misere à la Kleinlein: Mischformen aus kapitalgedeckten und fondsgebundenen Vorsorgemodellen. Oder auch die Option, sich von Abschlägen frei kaufen zu können. Das heißt: Wenn jemand mit 65 in Rente geht, zahlt er an die Deutsche Rentenversicherung den Betrag X, um bei der Rente keine Abschläge hinnehmen zu müssen. Oder: Ein kollektiver Vermögensaufbau kann für die Zukunft ein gangbarer Weg sein, glaubt Kleinlein. Dies Art des Vermögensaufbaus erfolgt dabei im Endsparprozess, das heißt dann, wenn das angesparte Geld für den Kunden wirklich sicher sein muss.

Bild: Meris Neininger

Autor(en): Meris Neininger

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