Generali: Vertriebskosten abhängig vom Vertriebsweg senken

Die Generali Versicherung Deutschland hat sich ausdrücklich gegen eine gesetzliche Provisionsdeckelung ausgesprochen. „Das halten wir nicht für den richtigen Weg“, sagte Dietmar Meister, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland vor der Presse in Köln.

Gleichzeitig will der Konzern aber seine Vertriebskosten senken. Das sei angesichts der Niedrigzinsphase unerlässlich. „Wir arbeiten derzeit an neuen Provisionsregelungen“, so Meister. Statt Einheitslösung sollen die Provisionssysteme individuell, je nach Betriebsweg, verändert werden. „Bei Versicherungsmaklern fallen ganz andere Betriebskosten an als in der Ausschließlichkeit“, betonte Meister. Der Generali-Chef will für den Vertrieb von Personenversicherungen den Focus stärker auf eine laufende Provision legen. Das würde zudem das Betreuungsverhältnis zwischen Kunden und Vermittler intensivieren.

Aktuell: GDV-Kodex wird implementiert

Gleichzeitig spricht sich Meister für längere Haftungszeiten aus. Wann die neuen Regeln eingeführt werden ist hingegen unklar. „Wir arbeiten daran. Das ist aber, gerade bei uns, mit sehr vielen Vertriebswegen, kein leichtes Unterfangen“, so Meister. Derzeit implementiert die Generali für alle verbundene Unternehmen den GDV-Verhaltenskodex Vertrieb. In naher Zukunft werde es ein Testat der Wirtschaftsprüfer zur Angemessenheit geben. Damit dokumentieren die Prüfer, dass ein Unternehmen die Regelungen des Kodex in seine eigenen Vorschriften aufgenommen hat. Eine Wirksamkeitsprüfung, also die Feststellung, ob die Vorschriften auch tatsächlich praktiziert werden, soll erst später erfolgen.

Lebensversicherung lohnt noch immer

In der Lebensversicherung ist die Generali 2013 kräftig um 15,1 Prozent gewachsen und erzielte Beitragseinnahmen von 9,35 Milliarden Euro. Das Plus resultiert aber allein aus dem Einmalbeitragsgeschäft, während die Einnahmen gegen laufende Beiträge von 524 auf 510 Millionen Euro einen Rückgang hinnehmen mussten. „Für das nächste Jahr rechnen wir in der Lebensversicherung insgesamt mit sinkenden Einnahmen, weil das Einmalbeitragsgeschäft runtergefahren wird“, sagte Finanzvorstand Torsten Utecht.

Nach Meinung der Generali lohnt sich die Lebensversicherung in Form der aufgeschobenen Rentenversicherung auch heute noch. In einer Musterrechnung mit 20 Jahren Ansparzeit (45jähriger, 100 Euro, lebenslange Auszahlung) verglich das Unternehmen eine Rentenpolice, einen Sparplan und eine Selbstanlage durch den Kunden. Danach würde die Rentenpolice der Generali eine Erlebensfallrendite von 2,70 Prozent erzielen, die Anlage bei der Sparkasse Regensburg 2,26 Prozent und die Selbstanlage bei optimaler Anlage ebenfalls 2,7 Prozent. Hochgerechnet wurden diese Werte der Generali mit einer aktuellen Neuanlagerendite von 3,3 Prozent.
Laut Generali müssen die Kunden, die einen Sparplan abschließen oder selbst sparen, ihr Kapital später aber wohlmöglich zu deutlich schlechteren Konditionen verrenten. Grundsätzlich gilt der Vergleich auch nur dann, wenn der Kunde die Rentenversicherung durchhält.

Hohes Defizit in Wohngebäude
Mit Ärger müssen viele der 975.000 Immobilienkunden des Versicherungskonzerns rechnen. So hat die Generali Versicherung geplant, 80.000 Kunden die Prämien um rund zwölf Prozent zu erhöhen. Die Aktion wurde aber jetzt, auch nach Prosteten von Versicherungsmaklern, gestoppt. "Wir haben die Beitragserhöhungsaktion zurückgezogen, weil sich die Anschreiben an unsere Kunden nach nochmaliger Prüfung juristisch als problematisch erwiesen haben", begründete Monika Sebold-Bender, Vorstand der Generali Versicherungen, den Vorgang. Doch damit ist das Problem nicht vom Tisch. Nun sollen die Kunden – betroffen sind auch Immobilienkunden der AachenMünchener – im Einzelgespräch dazu gebracht werden, höhere Prämien oder eine höhere Eigenbeteiligung zu akzeptieren. „Eine Kündigung ist nur das letzte Mittel“, so Ulrich Rieger, Vorstand der AachenMünchener.

Schäden übersteigen Beitragseinnahmen um 33 Prozent
Die Wohngebäudeversicherungen der Generali-Gruppe seien chronisch defizitär. So rechnet der Konzern 2013 in dieser Sparte mit einer extrem hohen Schadenkostenquote von 125 Prozent. „Unsere Erhöhungen liegen somit weit unter dem, was wir eigentlich brauchen“, so Rieger. Andere Anbieter seien aber noch viel stärker betroffen. So würden die Schäden und Kosten die Beitragseinahmen bei allen Wohngebäudeversicherungen in Deutschland sogar um 33 Prozent überschreiten. Daher dürften alle Hausbesitzer früher oder später Besuch von ihrem Versicherungsvertreter bekommen. Mitte des Jahres verschickte beispielsweise die Düsseldorfer Ergo bereits an 120.000 Kunden Änderungskündigungen.

Bildquelle: © gg-berlin /

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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