Ineas: Werden Kaskoschäden voll bezahlt?

Rund 50.000 deutsche Kunden des Versicherers IIC müssen um ihren Versicherungsschutz bangen. Sie sollten sich schnell nach einem neuen Anbieter umsehen. "Alle Haftpflichtschäden können bezahlt werden", sagt der Verwalter Paul Versteeg von der Anwaltskanzlei DLA Piper aus Amsterdam auf Anfrage. Hier kooperiert Versteeg mit dem deutschen Insolvenzfonds für Autoversicherungen, der Berlin Verkehrsopferhilfe (VOH). Wie Versicherungsmagazin berichtete (), stellt die unter "LadyCarOnline" und "Ineas" firmierende IIC, ihr Geschäft ein. Aufgrund einer Eigenkapitalschwäche wird das Unternehmen bis auf Weiteres von einem Sonderverwalter geführt. Das hat die niederländische Finanzaufsicht gerichtlich anordnen lassen. Nach Auskunft des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sollen sich Unfallopfer, die durch einen Ineas-Versicherten geschädigt werden, direkt an die VOH wenden.

Die VOH zahlt Schäden aber nur im Rahmen der gesetzlichen Deckungssummen. Außerdem können Kunden immer bis zu 2.500 Euro in Regress genommen werden. „Das gilt aber nur, wenn der die deutsche Verkehrsopferhilfe selbst auf Ansprüche sitzenbleibt, weil Ineas nicht mehr zahlen kann“, erläuterte GDV-Sprecherin Katrin Rüter de Escobar. Bisher habe man mit einer Insolvenz einer Autoversicherers noch keine Erfahrung gesammelt.

Unsicherheit über Kaskoschäden
"Pech könnten Ineas-Kunden aber haben, deren Wagen gestohlen wird", warnt Expertin Rüter. Für Kaskoschäden zahle die Verkehrsopferhilfe nicht. Das gilt somit für alle Kaskoschäden, wie beispielsweise selbstverschuldete Unfälle. "Wir können heute noch nicht mit Sicherheit sagen, ob alle Kaskoschäden voll bezahlt werden", warnt Sonderverwalter Versteeg. Die Kunden müssten auf jeden Fall nach einem Schaden erst einmal die Rechnung der Werkstatt selbst bezahlen und können sie dann beim Sonderverwalter einreichen. Vorsichtshalber rät selbst der Verwalter Ineas-Kunden, ihren Kaskoschutz schnell bei einem anderen Versicherer einzudecken.

"Kaskoschutz kann getrennt von der Autohaftpflicht abgesichert werden. Das dürfte in der Praxis kein Problem sein", bestätigt Autoversicherungsexperte Michael Pickel, Vorstand bei der Hannoverschen Rück. Ein Sonderkündigungsrecht sollen die Ineas-Versicherten hingegen nicht haben. Es sei nicht sicher, ob Kunden, die jetzt kündigten ihre Prämie anteilig zurück bekämen, heißt es beim Ineas-Sonderverwalter. Demgegenüber geht der Bund der Versicherten von einem Sonderkündigungsrecht aus. Etliche Versicherer wie Direct Line oder Asstel sind sofort in die Bresche gesprungen, um die ICC-Kunden zu umwerben.

Ein Grund für die Kapitalschwäche der Ineas-Versicherung, die insgesamt rund 90.000 Verträge hat, könnte ihre aggressive Preispolitik gewesen sein. "In den letzten Jahren war die Ineas regelmäßig unter den ersten drei Kfz-Anbietern am Markt", bestätigt Ivana Höltring von der Nafi-Unternehmensberatung aus Höxter. Das Unternehmen wurde wohl von Privatinvestoren gehalten und gehört keiner größeren Versicherungsgruppe an. Online-Anbieter müssten, um auf sich aufmerksam zu machen, sehr viel Geld in Werbung investieren. Sie haben daher hohe Verwaltungskosten. Unfallopfer, die von Kunden der Ineas oder Lady-Car-Online geschädigt werden, können ihr Ansprüche an die deutsche Verkehrsopferhilfe (030 20 20 5858 - voh@verkehrsopferhilfe.de ) richten. Kaskoschäden können Ineas-Kunden bei ineas@dlapiper.com angemeldet werden.

Bitte beachten Sie auch die Titelgeschichte "Kfz-Direktversicherer 2010" in der Septemberausgabe von Versicherungsmagazin, in der auch die Pleite von Ineas thematisiert wird.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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