Junge Leute in den wichtigen Berufsunfähigkeitsschutz „locken“

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Die Absicherungsquoten für den Berufsschutz sind immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. So sind nach einer repräsentativen Umfrage der Hannoverschen Versicherung rund 76 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nicht gegen einen „Powerverlust“ durch Krankheit oder Unfall abgesichert. Die Mitte 2016 durchgeführte Befragung von 1.000 Bundesbürgern zeigt aber auch für andere Altersgruppen keine berauschenden Zahlen.

So liegt die Absicherungsquote durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bei den 30- bis 39-Jährigen mit 29 Prozent nur unwesentlich höher. Und in der Altersgruppe der bis 49-Jährigen sinkt der Versichertenanteil sogar auf 20 Prozent. Demgegenüber liegen beispielsweise die Quoten für den Hausratschutz in diesen Altersgruppen zwischen 46 und 58 Prozent.

Fast alle Großen haben solche Tarife im Angebot
Ganz klar: Viele Kunden begreifen die existenzielle Notwendigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht – oder sie können sie sich einfach nicht leisten. Daher lockt nun auch die Hannoversche mit einer Starter-BU-Police. Damit liegt das Unternehmen im Trend. Fast alle großen BU-Versicherer haben mittlerweile einen solchen Tarif im Portfolio. Bei der Hannoverschen zahlen die Kunden nun in den ersten fünf Jahren nur die Hälfte der Prämie. Das Angebot gilt bis zum 35. Lebensjahr.

„In der Regel gilt im Markt ein maximales Eintrittsalter von 30 Jahren“, stellt der Versicherer fest. Zudem kann die günstige Startphase auf weitere fünf Jahre verlängert werden, wenn der junge Mensch nach den ersten fünf Jahren immer noch in Ausbildung oder Studium ist. Der Online-Rechner des Unternehmens zeigt, das einen 25-Jährigen nach sechs Jahren eine satte Prämienerhöhung von rund 177 Prozent erwartet. Zudem gilt das Angebot anscheinend nicht für alle handwerklichen Berufe. Für den Berufswunsch Schornsteinfeger oder Kfz-Mechaniker verweigert der Rechner der Hannoverschen, weil diese Jobs zu risikoreich sind, den Berufsunfähigkeitsschutz grundsätzlich.

Bei Maklern recht umstritten
Bei Versicherungsmaklern sind Starter-BU-Tarife sehr umstritten. So verweist Torsten Schmidt vom Makler Ideenwerk aus Marl darauf, dass bei Verträgen mit stufenweiser Anpassung eine Option auf einen Wechsel ohne Gesundheitsprüfung in einen Tarif mit gleichbleibenden Beiträgen nur selten angeboten wird. Bei Angeboten mit einjährig kalkulierten Beiträgen oder abgekürzter Versicherungsdauer, wäre das hingegen anders.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät jungen Menschen zu Starter-Policen, weil sie vollen Schutz für einen geringen Anfangsbeitrag bieten. Die Verbraucherschützer verweisen aber darauf, dass für junge Einsteiger eine Nachversicherungsgarantie wichtig ist. „Damit lässt sich nach der Ausbildung – wenn das Einkommen steigt – die Rente ohne Gesundheitsprüfung erhöhen“, erläutern die Berater.

An intensiver Beratung führt kein Weg vorbei
Demgegenüber warnt der Versicherungsmakler Stefan Bierl aus Regensburg davor, dass bei Starter-Policen überproportional viele gesunde Personen das Versichertenkollektiv verlassen würden. Das könnte zu einer weiteren Preisexplosion führen. Bierls Fazit: „Im Einzelfall kann eine Starter-BU eventuell sinnvoll sein, aber als heilsbringende Lösung ist dies auf keinen Fall zu sehen.“ Grundsätzlich sei die herkömmliche Variante vorzuziehen, wenn es die finanziellen Möglichkeiten zulassen. An intensiver Beratung und Aufklärung über das hohe Berufsunfähigkeitsrisiko führt somit in der Praxis meist kein Weg vorbei.

Bild: © thinkstockphotos

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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