Junge Menschen: Offener für Beratung durch Sprachassistenten

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Junge Menschen sind aufgeschlossen, wenn es um die Beratung durch Sprachassistenten geht. Das zeigt die Yougov-Studie "Schöne Neue Digitale Welt", die die Canada Life jetzt vorgestellt hat. Danach würden schon heute 16 Prozent der 18- bis 24-Jährigen den automatisierten Ratschlägen zu Finanz- und Versicherungsprodukten "auf jeden Fall vertrauen". In der deutschen Gesamtbevölkerung liegt der Anteil noch bei lediglich zehn Prozent.

Weitere 42 Prozent der Jungen, wären teilweise bereit sich von Alexa & Co. beraten zu lassen. Damit ist schon die Mehrheit junger Menschen für eine solche Roboter-Beratung offen. In der Canada-Life-Studie wurden ländervergleichend im April 2019 insgesamt 4.279 Personen in Deutschland, Irland, Kanada und den USA befragt. Nach Einschätzung von Professor Florian Elert, der Versicherungsmanagement an der Hamburg School of Business (HSBA) unterrichtet, werden Sprachassistenten eine enorme Veränderung beim Vertrieb von Finanzprodukten hervorrufen.

Kluge Fragen der elektronischen Helfer

Künftig würden Alexa & Co. ganz anders kommunizieren. "Sie werden einen Dialog mit dem Kunden führen und dabei viele kluge Fragen stellen", so Elert. Aufgrund der Antworten und den Grunddaten des Kunden, die den Sprachassistenten bereits bekannt sind, können die Systeme automatisch im Hintergrund eine Produktselektion vornehmen und geeignete Produkte vorschlagen.

Tippen war gestern, nun wird mit Alexa & Co gesprochen. "Maximale Einfachheit und absolut geringe Transaktionskosten sind Treiber der neuen Welt. Was total einfach ist, wird gemacht", erläutert der Kölner Wirtschaftshistoriker Professor Klemens Skibicki die Entwicklung. Teilweise sind die elektronischen Helfer schon heute automatisch in die Haushalte eingezogen. So gibt es Siri von Appel auf dem IPhone, die freundliche Cortana ist in Microsoft-Systemen aktiv, und Google arbeitet an Assistant, dem Nachfolger von Google Now. Sprachassistenten sind die neuen Kommunikationsmittel der vernetzten Internetwelt. Noch werden sie vielfach belächelt. Doch ihr Potenzial künftig von Versicherern oder Technologiekonzernen als nimmermüde Vertriebspartner eingesetzt zu werden, ist groß. Auch Vermittler sollten sich intensiv mit Alexa & Co beschäftigen - bevor es zu spät ist.

Alexas der Zukunft mit mehr Know-how als jeder Berater


Betroffen ist von der automatisierten Beratung wohl künftig auch die Altersvorsorge. So liegen die gewichteten Werte für die Präferenz von Sprachassistenten in der aktuellen Studie in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahre beim Aufmerksam machen auf Versorgungslücken, bei der Informationsbeschaffung, bei der Beratung, bei der Beantragung und beim Abschluss sowie bei Betreuung und Service nach Abschluss im Leistungsfall immer deutlich über den Mittelwerten aller Altersgruppen. "Die Deutschen hängen aber im Vergleich zu anderen Ländern noch stärker am Versicherungsvermittler", resümiert Experte Elert.

Trotzdem warnt er vor der "Kompetenz" der Sprachassistenten. "Die Alexas der Zukunft werden mehr Know-how haben als jeder Berater." Spannend ist zudem, dass sich anscheinend viele Menschen im Krankheitsfall den automatischen Beratern anvertrauen würden. Das gilt zumindest bei "kleineren, nicht lebensbedrohlich erscheinenden Erkrankungen." Hier wären 42 Prozent der Deutschen bereit, die Erstdiagnose von Google & Co zu erhalten. In anderen Staaten ist die Bereitschaft sogar noch größer. Bei den Iren liegt sie sogar bei 53 Prozent, bei den Kanadiern bei 45 Prozent und bei den US-Amerikanern immerhin noch bei 44 Prozent.

Akzeptanz digitale Erstdiagnose

Grafikquelle: Yougov/Canada Life 2019

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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