"Kunden finden nachhaltige Themen bereichernd und spannend"

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Nachhaltigkeit ist DER Zukunftstrend. Das sieht auch die Versicherungsbranche so und baut ihre Unternehmen sowie Produkte dementsprechend um. Die Corona-Krise hat die Ambitionen ausgebremst. Für viele Häuser aber kein Grund, das Vorhaben aus dem Blick zu verlieren. Auch einige Versicherungsmakler setzen verstärkt auf diesen Trend. Manche sind schon lange auf diesem Sektor unterwegs. So auch Gottfried Baer, Geschäftsführer der Mehrwert GmbH aus Bamberg. Ein Interview.

Welche Zielgruppe(n) wollen Sie mit Ihren Produkten ansprechen?
Gottfried Baer: Alle Menschen, denen ein ökologisches und ökonomisches gepaartes Handeln wichtig ist. Aus unserer Erfahrung sind verstärkt „Frauen“ und „junge Akademiker“ für nachhaltige Finanzprodukte offen.

Wie/Wo machen Sie auf Ihr diesbezügliches Engagement aufmerksam?
Zum einen im Internet: durch gezielte Landingpages, durch Beiträge in den Social-Media-Kanälen und unsere Homepage. Aktuell veranstalten wir im Internet ein Liveformat: „Mehrwert Experten Frühstück“. Früh um 7.30 Uhr live von Unternehmern für Unternehmer, um Unternehmer/innen ganz praktischen Nutzen in der Krise zu bieten. Zum anderen durch Kundenveranstaltungen vor Ort, durch Pressearbeit und direkte Ansprache von gewerblichen Kunden.

Wie schwer/leicht ist es, Kunden für diese Anlage-/Produktausrichtung zu gewinnen?
Für uns ist es mittlerweile einfach geworden, weil wir zehn Jahre Erfahrung darin haben und wir nichts anderes anbieten. Somit können wir mit Überzeugung in die Kundenansprache gehen und treten dabei klar auf. Die meisten Menschen sind offen für das nachhaltige Thema und finden es für sich bereichernd und spannend. Mit diesem Mehrwert lassen sich Menschen gerne überzeugen. Wir werden mittlerweile auch gut im Internet gefunden und erhalten immer wieder Kundenanfragen darüber.

Was war die Initialzündung, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen?
Meine eigene Werteorientierung, sprich für was ich stehe und für was nicht. Ich selbst habe Landwirtschaft studiert, komme aus der Landwirtschaft und bin sehr werteorientiert aufgewachsen. Für mich war es 2010 eine klare Entscheidung, ein neues Beratungsunternehmen zu gründen, bei denen die Gelder von Kunden ausschließlich in menschen-, gesellschafts- und umweltdienlichen Anlagen investiert werden. Nur aus diesem Grund gibt es die Mehrwert GmbH.

Warum entscheiden sich Ihre Kunden für nachhaltige Produkte?
Ich denke, weil sie ihnen einen persönlichen Mehrwert liefern. Sie haben die Gewissheit, dass mit nachhaltigen Produkten für die Umwelt und für uns Menschen positiv wirkende Themen unterstützen und eher schädigende Themen - Waffenherstellung, Suchtmittelhersteller, Naturzerstörung - damit vermeiden.

Sind Ihre Kunden bereit, für derartige Produkte mehr zu zahlen?
Nachhaltige Finanzprodukte sind in der Regel nicht teurer als nicht nachhaltige Produkte. Das gilt sowohl für die Altersvorsorgeprodukte als auch für Geldanlagen. Von daher gibt es bei uns dieses Thema nicht. Wenn man Untersuchungen und Umfragen Glauben schenken darf, dann sind circa ein Drittel der Menschen bereit etwas mehr für nachhaltige Produkte auszugeben. Das ist ja bei Biolebensmitteln ähnlich. Von daher wären die Kunden sicher auch zum Teil bereit, etwas mehr für nachhaltige Finanzprodukte zu bezahlen.

Kritiker werfen der Versicherungsbranche vor, das Thema Nachhaltigkeit nicht konsequent zu verfolgen. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?
Diese Kritik kann ich aus Erfahrung teilen. Viele Häuser achten natürlich und selbstverständlich mittlerweile auf ihren Papier- und Stromverbrauch, auf regionale Produktbeschaffung oder zum Teil auch auf Ihren Fuhrpark . In der Kapitalanlage der Versicherer ist sicher noch viel Spielraum zwischen konventionellen Anlagegesichtspunkten und einem strategisch nachhaltigem Anspruch.

Befürchten Sie, dass die Corona-Krise das Thema Nachhaltigkeit in den Hintergrund schiebt?
Ja, dass wird in einem bestimmten Rahmen so sein. So ist den Menschen in der Krise, da sie durch sie direkt selbst betroffen sind, die eigene Situation deutlich wichtiger, als eine globale Krise in der „Metaebene“, die sie noch nicht selbst am eigenen Leib - und Geldbeutel - spüren. Von daher gehe ich davon aus, dass das Thema Nachhaltigkeit temporär etwas in den Hintergrund rückt.

Das Interview führte Meris Neininger.

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Autor(en): Meris Neininger

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