Lebensversicherung: Bedenkliche Tendenz zur Beitragsfreistellung

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Immer mehr Lebensversicherte leisten nicht mehr für ihre Verträge. Sie haben sie nicht ganz aufgeben, aber beitragsfrei gestellt. Das geht aus einer Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer hervor, die der Map-Report jetzt veröffentlicht hat.

Branchenweit hatten zum Jahresende 2015 insgesamt 27 Prozent der Versicherten ihre Police beitragsfrei gestellt. Das ist ein Anstieg von rund 0,8 Prozent. "Mehr als jeden vierten Vertrag können oder wollen die Kunden also nicht mehr bedienen", stellt Map-Report Chefredakteur Reinhard Klages fest. Während bei privaten Rentenversicherungen der Anteil der Freistellungen im Branchenschnitt liegt, wurde sogar für über 41 Prozent der Kollektivversicherungen kein Beitrag mehr bezahlt. Bei Risikoversicherungen liegt dieser Anteil hingegen nur bei rund 15 Prozent. Die Freude über geringe Stornoquoten ist somit deutlich getrübt.

Kunden halten an LV-Verträgen fest
So lag bei den Kapitallebensversicherungen das Storno, berechnet auf die Anzahl der Verträge, mit 2,0 Prozent nochmals deutlich unter dem Vorjahresniveau von 2,4 Prozent. Insgesamt sinkt die Stornoquote um fast neun Prozent auf 2,87 Prozent. Damit erreichte die Stornoquote das niedrigste Niveau seit 20 Jahren. Doch die Analyse des Map-Report zeigt auch: Die Kunden haben gelernt an ihren Verträgen bis zum Ende festzuhalten. Sie wollen aber keine Lebensversicherungen mehr. Und das in einer Zeit, bei der das Neugeschäft stark eingebrochen ist. Mit 5,1 Millionen verkaufter Verträge in der Hauptversicherung wurden 2015 rund 400.000 Policen weniger als im Vorjahr abgesetzt. Das entspricht einem Minus von 7,2 Prozent.

Marktführer mit hohem Freistellungsanteil
Betrachtet man die nach Bruttoeinnahmen im Lebensgeschäft zehn größten Gesellschaften, stellt man zudem fest, dass bei der Beitragsfreistellung fünf Anbieter teilweise deutlich unter dem Markt liegen, während selbst Marktführer Allianz schlechter als die Branche abschneidet. So liegt der Anteil beitragsfrei gestellte Verträge Gesamtbestand bei der Debeka nur bei rund 14 Prozent. Er hat sich aber mit 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Bei der R+V liegt der Freistellungsanteil bei rund 18 Prozent (plus 2,5 Prozent), bei der Alten Leipziger bei rund 22 Prozent sowie bei der Axa und Aachenmünchener jeweils bei rund 24 Prozent (minus 2,06; plus 2,8).

Bedrohlicher sieht es hingegen bei der Ergo Versicherung aus. Hier ist bereits ein Anteil von etwa 37 Prozent aller Verträge stillgelegt. Im Vergleich zum Vorjahr gab es beim Düsseldorfer Versicherer zudem ein Plus von 2,55 Prozent. Bei der Bayernversicherung stieg die Quote sogar um 3,63 Prozent auf nun rund 36 Prozent, bei der Generali auf rund 32 Prozent (plus 1,68), bei Marktführer Allianz auf über 29 Prozent (plus 2,84) und bei der Zurich auf rund 27 Prozent (minus 0,36). Damit konnte sich gegen den Trend zu mehr stillgelegten Verträgen nur Axa und Zurich stellen.

Vorsicht: Nettorendite täuscht
Aufpassen müssen Berater, wenn es um die Nettorendite geht. Für das, angesichts anhaltend niedriger Marktzinsen, außerordentlich hohe Resultat der Nettorendite ist laut Map-Report die verstärkte Auflösung von Bewertungsreserven verantwortlich. Das werde deutlich bei dem Vergleich mit der laufenden Durchschnittsverzinsung. Sie erreichte im Jahr 2015 einen Wert von 3,7 Prozent. Diese Kennzahl erfasst alle laufenden Erträge und Aufwendungen aus Kapitalanlagen. Damit bleiben außerordentliche Erträge und Aufwendungen, etwa Gewinne aus dem Verkauf von Vermögensanlagen, Abschreibungen aufgrund von Kursverlusten sowie Sonderabschreibungen, unberücksichtigt.

Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen erreichte 2015 einen Wert von 4,5 Prozent (Vorjahr: 4,6 Prozent). Sie errechnet sich als Bruttoerträge minus Aufwendungen (inklusive Abschreibungen) für die Kapitalanlagen im Verhältnis zum mittleren Kapitalanlagenbestand des Jahres.

Durch die quasi gesetzliche Auflösung von Bewertungsreserven über die Zinszusatzreserve (ZZR) spiegelt die Nettorendite damit ein verzerrtes Bild der Zinserträge, heißt es im Map-Report. Die bereinigte Nettoverzinsung lag im Marktschnitt bei 3,3 Prozent (Vorjahr 3,6 Prozent) und damit 1,2 Prozentpunkte unter den 4,5 Prozent Rendite gemäß der Branchen-Formel. Von den Töchtern des Generali Konzerns mit Aachen-Münchener, Cosmos, Dialog und Generali, konnte der Map-Reort keine bereinigte Nettorendite anhand der Geschäftsberichte berechnen. Grund: Die Aufwendungen zur ZZR wurden nicht veröffentlicht.

Bild: © fm2/Fotolia.com

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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