Managerhaftung absurd

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In Deutschland ist die Managerhaftung aus dem Ruder gelaufen. "Dealen mit der D&O-Versicherung ist in Mode gekommen", sagt Kommunikationsberater Armin Sieber. Mittlerweile gebe es in Deutschland mehr Haftungsfälle als in den USA, kritisiert er.

Grund dafür sei eine aus dem Ruder gelaufene Haftungspraxis. Pflichtverletzungen eines Managers könnten für die Unternehmen teuer werden. Viele schlössen daher mit ihren Top-Führungskräften Manager-Haftpflichtversicherungen ab. Die Versicherungen zahlen im Schadensfall mitunter zwei- oder dreistellige Millionenbeträge - und zögen dabei verstärkt das Medieninteresse auf sich, weil die Unternehmen in zunehmendem Maß versuchten, sich an den Versicherern schadlos zu halten. Und sie nützten dabei gerne die Medien als Drohkulisse.

Absurder Kuhhandel
In der Praxis habe sich dabei eine Art Dreiecks-Kuhhandel etabliert. Um die Bilanzen zu sichern oder um Handlungsfähigkeit zu zeigen, versuchten Vorstände und Aufsichtsräte oft maßlose Ansprüche geltend zu machen -oftmals ungeachtet von der Frage, ob eine Schuld wirklich beweisbar sei. Häufig würden Forderungen in voller Höhe der Deckungssumme der Police geltend gemacht, egal ob eine solche Summe jemals eintreibbar sei. Aber: Gegenüber den Stakeholdern klinge es gut, wenn die handelnden Organe die Muskeln spielen lassen - auch wenn in der Regel bei so einem Deal nur Bruchteile der geforderten Summe heraus kämen.

Der Anwalt und Haftungsrechtsexperte Tobias Lenz erläutert, dass Unternehmen durchaus versucht seien, D&O-Versicherungen zu instrumentalisieren, um ihre Bilanzen zu schützen. Nicht selten sei ein Heer von Anwälten damit beschäftigt, Ansprüche zu kreieren. Sie nutzten dabei eine durchaus breite Grauzone, die große Auslegungsspielräume zulasse.

Medien als Druckmittel
Auch die Medien spielten bei diesem Spiel eine Rolle, denn sie würden von den Klägern gerne als Druckmittel verwendet. Die Prangerwirkung sei für die betroffenen Manager oft so groß, dass sie lieber auf einen faulen Kompromiss eingingen, als einen Rechtsstreit öffentlich zu Ende führen. Nur wenige hätten, wie Wendelin Wiedeking, die Nerven, bis zum endgültigen Beweis der Unschuld jahrelang in den Medien zu stehen. Der Schutz der weiteren Erwerbsbiographie spiele dabei eine Rolle.

Aber manch einer komme auch mit den sozialen Folgen durch die Vorverurteilung nicht klar. Eine lange Reihe von Selbstmorden, wie etwa der des früheren Siemens-Finanzchefs Heinz-Joachim Neubürger im vergangenen Jahr, sprächen eine deutliche Sprache über die psychische Belastung am Medienpranger.



Bild: © fergregory / Fotolia.com

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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