Map-Report: Private Krankenversicherungen erhöhen ihre Beiträge für Altkunden deutlich

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Angestellte, die bei der Huk-Coburg privat krankenversichert sind, müssen seit März enorme Mehrzahlungen leisten. Für ihre Altkunden erhöht der fränkische Versicherer seine Beiträge um bis zu 40 Prozent. Die monatliche Mehrbelastung soll teilweise bei über 100 Euro liegen. Andere private Krankenversicherer haben ihre Beiträge bereits Anfang des Jahres massiv angehoben.

Das geht aus dem "Rating Private Krankenversicherung" hervor, das das Branchenblatt Map-Report jetzt veröffentlicht hat. "Zum Jahresbeginn 2017 verzeichnete die Branche die höchsten durchschnittlichen Beitragsanpassungen seit sieben Jahren“" stellen die Analysten fest. Im Schnitt steigen die Beiträge für privatkrankenversicherte Angestellte bei 17 untersuchten Gesellschaften um 6,6 Prozent.

Tatsächlich dürften die Beitragssteigerungen für 2017 sogar noch höher ausfallen. Denn die Anpassungen der Huk-Coburg sind in der Durchschnittszahl noch nicht enthalten. Das gilt auch für die zum Ergo-Konzern gehöhrende DKV, die ihre Prämien erst zum 1. April anpasst. Zudem haben sich 14 große private Krankenversicherer nicht an der Untersuchung beteiligt. Unter anderem nahmen Axa, Continentale, DEVK, Gothaer, Arag und Württembergisch nicht an der Auswertung teil.

Niedrige Zinsen belasten Altkunden

Laut Map-Report fallen die Erhöhungen 2017 teilweise so drastisch aus, weil die Gesellschaften die Beiträge seit einigen Jahren nicht angepasst haben. Für die Anpassung muss in der Regel ein Schwellenwert von fünf Prozent überschritten werden. Für Altkunden kommt zur allgemeinen Kostensteigerung vielfach noch eine Absenkung des Sparzinses für die Rückstellungen für das Alter hinzu.

Diese Rückstellungen werden aus einem Mehrbeitrag gespeist, den Privatversicherte in jüngeren Jahren leisten. Bisher wurden diese Rücklagen mindestens mit 3,5 Prozent verzinst. Nun muss wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt dieser Zins deutlich gesenkt werden. "Eine Absenkung um 0,1 Prozent bedeute daher für die Kunden eine Beitragssteigerung von einem ganzen Prozent", erläutert Gerd Güssler vom Softwarehaus KVpro.de aus Freiburg. Senkt also ein Krankenversicherer seinen Rechnungszins für einen Tarif von 3,5 auf 2,5 Prozent und steigen gleichzeitig die Kosten um zehn Prozent, gibt es für die Kunden eine Beitragserhöhung von insgesamt 20 Prozent.

Bei Senioren wirkt Beitragsentlastung
Erstmals hat er Map-Report auch die Beitragssteigerungen für einen Senioren-Tarif untersucht. Zum Jahresbeginn 2017 wurde der Beitrag für den Rentner durchschnittlich um 5,7 Prozent erhöht. Laut Map-Report macht sich für diese Kunden die Verwendung von Alterungsrückstellung bemerkbar. So senkte beispielsweise die DKV die Beiträge für diesen Tarif im Jahr 2010 um 26,8 und im Jahr 2004 um 22,2 Prozent.

Jüngere Gesellschaften, wie Concordia, Huk-Coburg oder R+V konnten zum Senioren-Tarif keine Daten melden, weil sie bei Start des Musterfalls im Jahr 1982 noch nicht existierten. Auch Beamte müssen für ihre so genannte private Restkostenversicherung nicht so tief wie Angestellte in die Tasche greifen. Im Schnitt gibt es 2017 eine Erhöhung von 5,6 Prozent. Die umfangreichsten Beitragserhöhungen von jeweils rund elf Prozent wird es laut Map-Report für Beamte geben, die bei der Concordia, Debeka, Deutscher Ring, Halleschen und Hansemerkur versichert sind.

Elf Unternehmen Top
Im eigentlichen Unternehmensrating wurde die Provinzial Sieger. Die Schwester der Alten Oldenburger erreicht 84,04 von 100 möglichen Punkten. Ein Grund für das gute Abschneiden der Provinzial ist laut Map-Report die Beitragsstabilität der Gesellschaft. Insgesamt erreichten elf der 17 Unternehmen die Höchstbewertung "mmm" für hervorragende Leistungen. Auf den weiteren vier Rängen folgen die Debeka mit 78,10 Punkten, die Alte Oldenburger (77,09 Punkte), die Hallesche (76,60) und die Barmenia (73,3).

Die vielen Sieger erklären die Tester damit, dass eventuelle Schwächen in einigen Bereichen mit guten Ergebnissen bei anderen Kennzahlen kompensiert werden. Zudem vermutet der Map-Report das vor allem schwächere Gesellschaften sich nicht dem Test gestellt hätten. Im aktuellen Ranking wären die besten privaten Krankenversicherer gegeneinander angetreten.



Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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