Mit Wenigfahrer-Tarif im Trend

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Neue digitale Kfz-Versicherer wie Friday oder Emil liegen mit ihren Angeboten für Wenigfahrer im Trend. Sie treffen damit vor allem das Öko-Bewusstsein jüngerer Fahrer. Dies zeigt eine aktuelle Online-Umfrage. Vermittler sollten sich diesem Trend stellen.

Viele Fahrer wünschen sich, dass sich eine reduzierte Nutzung ihres Pkw finanziell auszahlt. „54 Prozent der Autofahrer etwa sind bereit, Kfz-Versicherungen abzuschließen, deren Kosten sich nach der tatsächlichen Fahrleistung richten“, so ein Ergebnis der Umfrage „Autotrends 2019“, die die Creditplus Bank in Auftrag gegeben hat. Das sei ein Zuwachs von acht Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Tendenziell wären eher jüngere Fahrer für solche Modelle offen. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen würden sogar zwei Drittel aller Befragten einem solchen Modell zustimmen.

Auto immer weniger ein Statussymbol

"Das Mobilitätsverhalten ändert sich", stellt Belgin Rudack, Vorstandsvorsitzende der Creditplus Bank, fest. "Das Auto als Statussymbol hat für weite Teile der Bevölkerung ausgedient. Für junge Leute ist es ein Teil des Mobilitätsmixes und nicht einmal mehr unverzichtbar. Das verändert auch den Markt." Die Befragten fordern aber verbesserte Carsharing-Angebote oder den Ausbau des Radwegenetzes. Trotzdem sei etwa der Umstieg aufs Leihfahrrad noch immer selten. Immerhin: 58 Prozent der Befragten könnten sich unter Umständen vorstellen, ganz auf das eigene Auto zu verzichten.

Die Studie basiert auf einer Online-Befragung von 1.000 Personen ab 18 Jahren durch das Marktforschungsinstitut Toluna, dass für die Teilnahme an Befragungen Prämien auslobt. Die Studie sei trotzdem „bevölkerungsrepräsentativ“. Nach eigenen Aussagen achtet Toluna darauf, dass kein Zusammenhang zwischen dem Auftraggeber von Befragungen und den Prämienanbietern besteht.

Hohes Sparvolumen

Nach einer Tarifübersicht des Versicherers Emil sparen Wenigfahrer ab einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern. Wer nur noch 6.000 fährt, kann im Vergleich zum günstigsten Angebot von Check24 19 Prozent Prämie sparen; wer nur noch 3.000 Kilometer zurücklegt sogar 40 Prozent. Der Vergleich ist aber über ein Jahr alt. Zudem ist der oft sehr günstige Marktführer Huk-Coburg bei Check24 nicht gelistet.

Noch ist also unklar, ob große Autoversicherer den Angriff von Emil, einer Kooperation von Gothaer und Gen Re oder Friday, hinter der die Basler Versicherung steckt, nicht kontern werden. Immerhin sind reine Kilometertarife deutlich einfacher zu händeln als komplexe Telematik-Angebote. Leistungsmäßig sind die Angebote von Emil und Friday durchaus akzeptabel.

Überall nachträglich Rabatt möglich

Die Kilometerabrechnung ist aber nichts Neues im Markt. Auch bei allen anderen Autoversicherern ist die Fahrleistung pro Jahr für die Höhe des Versicherungsbeitrags mit entscheidend. Zudem gilt immer, dass eine geringere Fahrleistung mit einer günstigeren Prämie belohnt wird. Und das gilt bei vielen Anbietern auch rückwirkend. Die Kunden könnten also Geld sparen, wenn sie deutlich weniger als geplant gefahren sind und dies ihrem Versicherer mitteilen.

Schon hier können aufmerksame Vermittler ansetzen und auf den allgemeinen Öko-Trend aufspringen, der immer mehr Vielfahrer zu Gelegenheitsnutzern macht. Selbst wenn eine Umdeckung zu einem günstigen Anbieter aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum lohnt, kann sie die Bindung des Kunden erhöhen. Wer ökologisch handelt, will eigentlich auch belohnt werden.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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