Mittelstand steht bAV-Reform unsicher gegenüber

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Wird das Betriebsrentenstärkungsgesetz den Absatz von bAV-Produkten in mittelständischen Unternehmen ankurbeln? Im Prinzip ja, meint eine Mehrheit von bAV-Verantwortlichen, die für eine Studie befragt wurden.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz, das am 1. Januar 2018 in Kraft treten wird, soll ihre Attraktivität der betrieblichen Altersversorgung (bAV) erhöhen und die Marktdurchdringung der Betriebsrenten vorantreiben, die seit Jahren bei knapp 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt. Auch die breite Mehrheit (64 Prozent) der deutschen mittelständischen Unternehmen rechnet mit einem steigendem Arbeitnehmer-Interesse an der bAV durch die Reform. Dies ist ein Ergebnis der Studie "Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2017" der Generali Versicherungen und des F.A.Z.-Instituts.

Zwei Drittel zögern noch
Trotz der positiven Einschätzung hat sich bisher nicht einmal jedes fünfte Unternehmen (17 Prozent) entschlossen, seine Angebote 2018 zu erweitern. 18 Prozent schließen einen Ausbau des eigenen bAV-Angebots bereits jetzt aus. Rund zwei Drittel (62 Prozent) der befragten Unternehmen wissen noch nicht, ob der eigene Betrieb neue Angebote unterbreiten wird.

Die Betriebe, die sich bereits jetzt zur Angebotserweiterung entschlossen haben, planen insbesondere, den Förderbetrag für Geringverdiener nutzen zu können: Das erklärte rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer (47 Prozent). Das Opting-out-Modell hingegen, also die automatische Lohnumwandlung, wollen laut Umfrage derzeit lediglich 18 Prozent der befragten Betriebe nutzen.

Produkte könnten attraktiver werden
Die mittelständischen Unternehmen erwarten, dass durch die Reform attraktivere bAV-Produkte angeboten werden: Das erklärten 56 Prozent. Einen sinkenden Haftungsumfang für die Arbeitgeber erhoffen sich 44 Prozent. Und ein gutes Drittel der Personalverantwortlichen rechnet mit einer Entlastung der Unternehmen bei der Bürokratie und den Vorschriften zur bAV (35 Prozent). 13 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie keine positive Wirkung erwarten.

Auch in der bAV werden digitale Prozesse immer wichtiger. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der befragten Personalverantwortlichen erwartet von den Anbietern ganzheitliche digitale Lösungen, also bAV-Angebote, bei denen sämtliche Angelegenheiten wie Antragsstellung, Verwaltung und Änderung digital möglich sind. Bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern gaben dies sogar zwei Drittel an.

"Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz und der Digitalisierung verändert sich die betriebliche Altersversorgung im Mittelstand enorm. Auf der einen Seite ist eine steigende Nachfrage zu erwarten, auf der anderen Seite haben Unternehmen hohe Ansprüche an Produkte und digitale Services."

Michael Stille, Chief Insurance Officer Pension der Generali Lebensversicherung AG

Gleichzeitig sind für 58 Prozent aller Befragten Online-Tools zur Abwicklung und Kontrolle der Betriebsrenten wichtig. Ein Viertel erachtet die Möglichkeit mobiler Zugriffe auf die bAV-Verwaltung als relevant.

Die Studie
Seit 2011 veröffentlichen beide Partner die Studienreihe, die auf einer jährlichen, repräsentativen Forsa-Umfrage unter rund 200 bAV-Verantwortlichen in deutschen mittelständischen Unternehmen basiert.

Quelle: Generali Deutschland AG

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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