"Neue Sofortrenten" boomen

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"Rentenverträge stellen die größte Sparte der deutschen Lebensversicherer dar", stellt der aktuelle Map-Report "Rentenversicherungen im Vergleich" fest. Das gilt für den Bestand wie für das Neugeschäft. Aktuelle Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für 2015 bestätigen den Trend.

Betrachtet man nur Einzelversicherung, dann liegt der Annual Premium Equivalent (APE) - also die Summe aller Prämieneinnahmen aus Lebensversicherungen mit regelmäßigen Zahlungen plus ein Zehntel aller Einnahmen aus Versicherungen mit Einmalzahlung - bei klassischen Kapitalversicherungen nur noch bei 0,65 Milliarden Euro. Für sonstige Einzelversicherungen, hier handelt es sich im Wesentlichen um Kapitalisierungsgeschäft - erreichte der APE im vergangen Jahr 0,51 Milliarden Euro. Demgegenüber kommen Renten- und Pensionsversicherungen auf einen APE von 2,57 Milliarden Euro. Zudem liegen anscheinende fondsgebundene Rentenversicherungen wieder im Nachfragetrend, denn hier liegt der APE bei 1,42 Milliarden Euro.

Fast 30 Prozent Plus bei Fondspolicen gegen Einmalbeitrag
Heruntergebrochen auf reale Zahlen ergibt sich für diese Kategorie bei laufenden Beitragseinahmen ein Wert von 1,1 Milliarden Euro, was immerhin ein Plus von 1,6 Prozent ausmacht. Doch viel erstaunlicher ist die Zahl bei Einmalbeiträgen. Diese Kategorie legte 2015 um sage und schreibe 29,4 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu. Kein Wunder, denn hinter dieser Rubrik verbergen sich die neuen Rentenversicherungen mit abgespeckten Garantie.

Noch hat der GDV keine eigenen Klassen für die Produkte der "neuen Klassik" angelegt. Doch die Zahlen verraten, dass viele Kunden im Geschäft mit neuen Produkten auf eine Sofortrente setzen. Laut Map-Report brauchen diese Kunden aber grundsätzlich viel Zeit "um Geld zu verdiene"“. Die rückblickende Analyse zeigt, dass man bei der Sofortrente bis zu 15 Jahre braucht, bis der eingezahlte Beitrag als Rente wieder ausgezahlt wurde. Doch gibt es für die Vorsorgesparer heute überhaupt noch eine sicherer Alternative? Auch der Map-Report kommt zum Schluss: "Unter den gegeben Bedingungen des Niedrigzinsumfeldes können sich die Ergebnisse der Rentenleistungen sehen lassen." Das gilt natürlich erst einmal für die Rückwärtsbetrachtung. Zudem: Je später die Sofortente abgeschlossen wurde, desto länger braucht der Kunde, um ins Plus zu kommen.

Große Spreizung im Markt
Spannend wird sein, ob neue Rentenprodukte, die den Kunden ja weniger Garantie gegen mehr Chancen auf Rendite versprechen, diesen Trend brechen können. Laut Map-Report erreicht eine teildynamische Rente, mit Start 2001, im Schnitt nach 13 Jahren und acht Monaten, beim konstanten Überschusssystem nach 14 Jahren und fünf Monaten und mit Volldynamik nach 14 Jahren und acht Monaten einen positiven Saldo. Alle diese Rentenprodukte sind aber noch klassisch aufgebaut.

Bei der dynamischen Rente liegt nach der Summe der Rentenzahlung bei einem Vertrag der von 2001 bis 2016 beobachtet wurde (Eintrittsalter 63 Jahre, Einmalbeitragszahlung 50.000 Euro, Rentengarantie zehn Jahre) die Debeka mit 55.831 Euro an der Spitze, gefolgt von der R+V AG (65.662 Euro) und der Allianz (54.662). Der Markt schafft im Schnitt in diesem Zeitraum eine Rentensumme von 51.650 Euro. Die Versicherer Ösa, Condor, SV Sachsen, Öffentliche Braunschweig und Inter liegen hingegen noch unter der Einzahlung von 50.000 Euro.

Viele Versicherer kneifen
Eine ganze Reihe von Versicherern hat sich aber wieder nicht in die Karten schauen lassen. Eine Teilnahme am Transparenztest, untersucht wurde die aufgeschobene Rentenversicherung, sagten 27 Versicherer ab und 28 reagierten gar nicht auf die Anfrage des Map-Reports. Vermittler sollten das gegenüber ihren Kunden entsprechend kommunizieren.

Bildquelle: ©Fotogestoeber/Fotolia.com

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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