Neuer Schwerpunkt für die Lebensversicherung

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Im März 2020 soll es einen Neustart der privaten Altersvorsorge geben. Dann will die Rentenkommission der Bundesregierung ihre diesbezüglichen Vorschläge vorlegen. Bis dahin dürfte der Branche aber ein starker Wind entgegenwehen, der den eigentlich auflebenden Absatz von Altersvorsorgeprodukten deutlich erschwert. Denn jede negative Veröffentlichung über die Altersvorsorge per Versicherung reduziert das Vertrauen der Kunden. Vor allem die kontinuierliche Riester-Kritik, die in eine Kritik am Provisionsverkauf mündet, bremst das Geschäft immer wieder aus. Zudem gehen neue Vorsorgemodelle ohne Versicherungswirtschaft ins politische Rennen.

Da ist es gut, dass zumindest die Run-off- Diskussion an Schärfe abgenommen hat und sachlicher geworden ist. Außerdem wirkt die Korrektur für die Reservierung für Altbestände.

Negativschlagzeilen beherrschen das Bild der Lebensversicherung

Emotionale Negativschlagzeilen beherrschen weiterhin das Bild der Lebensversicherung. Für Vermittler eine Hürde, die sie aufmerksam wahrnehmen sollten. Das zeigt eine kleine Kostprobe aus dem April 2019. Damals titelte beispielsweise "Capital": "Raus aus der unrentablen Lebensversicherung", "Euro am Sonntag" beschäftigt sich mit der Frage "Versprochene Rendite bleibt aus - ist Klage sinnvoll?" und der Mitteldeutsche Rundfunk lässt Finanz-Tip-Experten Hermann-Josef Tenhagen prüfen, ob die Kunden "Lebensversicherung - kündigen, verkaufen oder behalten, sollen.

Demgegenüber titeltet die "FAZ": "Meine Lebensversicherung wird verkauft, was heißt das?" Und das "Handelsblatt" fragt: "Lebensversicherung: Was der Generali- Verkauf bedeutet".

Vebraucherschützer landeten Coup

Nun haben die Verbraucherschützer einen Mega-Deal in Sachen medialer Aufmerksamkeit gelandet. Sie haben die Extra-Rente erfunden, einen Aktienfonds, der öffentlich-rechtlich verwaltet werden soll. Das Standardprodukt sei freiwillig und fair und somit "einfach mehr" - reimt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Auf ähnlichem Niveau kontert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Extra-Rente wäre "Hochrisiko- Eintopf, Erbenbeglückungsprogramm und wettbewerbswidrige Beihilfe zugleich - schlicht und ergreifend ein erster Schritt zur Verstaatlichung der privaten Vorsorge".

Die Aufregung der Branchen-Lobby ist verständlich. Denn das Modell soll ohne Provisionen für Beratung auskommen. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, für jeden Mitarbeiter eine Extra-Rente abzuführen. Eine Garantie erhält der Sparer aber nicht.

Eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht

In der Branche schlägt dem Modell deutliche Skepsis entgegen. "Eine solche Eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht", kommentiert Norman Wirth vom Bundesverband Finanzdienstleistung AfW den Vorstoß der Verbraucherschützer. Ähnlich kritisch sieht der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) den Vorschlag. "Eine angemessene Beratung von Sparern ist nicht vorgesehen. Sie sollte aber die Grundlage einer soliden Altersvorsorge sein", kritisiert BVK-Präsident Michael H. Heinz. Es sei auch nicht nachvollziehbar, warum der Vorschlag kostengünstiger sein sollte als bestehende Angebote. Vertriebsaufwand und Verwaltungskosten müssten Arbeitgeber und Steuerzahler tragen, kritisiert der GDV auf sachlicher Ebene. Zudem ziele der Vorschlag für ein staatliches Standardprodukt in erster Linie auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

"Nötig ist aber eine Altersvorsorge unabhängig vom beruflichen Status", so der GDV. Daher sei es einfacher, die vorhandene Riester-Förderung für alle zu öffnen. Für Riester plädiert auch Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sowie alternierender Vorsitzender des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund.

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Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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