Pflegeversicherung: Vorsorgefonds als richtiger Weg?

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Damit die Pflege langfristig gesichert ist, muss mehr Geld ins System, sagt die Bundesregierung und installiert dazu einen Pflegevorsorgefonds. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in diesem Zusammenhang eine Simulation erstellt, bei der unter anderem Einnahmen und Ausgaben der Pflegeversicherung schon ab 2030 weit auseinanderklaffen.

Wenn der Beitragssatz 2015 von 2,05 auf 2,35 Prozent steigt, sollen 0,1 Prozentpunkte davon über 20 Jahre angespart werden. Ab 2035 soll das angesammelte Kapital dann 20 Jahre lang zurück in die Pflegekasse fließen und Beitragssatzsteigerungen in Grenzen halten. Dass diese Planung zielführend ist, bezweifelt das IW. Die Details:

2050 werden 23 Millionen Menschen mindestens 65 sein

Laut Statistischem Bundesamt wird in Deutschland die Generation 65plus bis 2020 um gut eine Million auf 18 Millionen Menschen steigen. Danach wechseln die ersten Babyboomer in den Ruhestand, womit bis 2030 noch einmal vier Millionen Ältere hinzukommen. Im Jahr 2050 schließlich werden 23 Millionen Menschen mindestens 65 Jahre alt sein – das sind 33 Prozent der dann 69 Millionen Bundesbürger.

Das IW Köln hat sich zunächst angesehen, wie sich die Veränderung der Bevölkerungszahl auf die Ausgaben und Beitragseinnahmen der Pflegeversicherung auswirkt. Klar ist: Weil die Babyboomer in den nächsten Jahrzehnten in das Alter kommen, in denen das Pflegefallrisiko deutlich steigt, muss mit mehr Pflegefällen gerechnet werden. Um wie viel die Zahl exakt steigt, ist schwer zu beziffern.

Das IW Köln hat daher drei Szenarien entworfen, die sich – bei generell steigender Lebenserwartung – in der Dauer der Pflege sowie in dem Risiko, zum Pflegefall zu werden, unterscheiden. Eines haben alle drei Szenarien gemeinsam: Es wird – unterschiedlich ausgeprägt – mehr Pflegefälle geben:

Mehr Pflegefälle bedeuten mehr Ausgaben der Pflegeversicherung
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird von heute 2,5 Millionen auf 2,9 bis 3,2 Millionen im Jahr 2030 steigen. Im Jahr 2050 ist mit bis zu 4,2 Millionen Pflegefällen zu rechnen.
Mehr Pflegefälle bedeuten – bei unveränderten Leistungsansprüchen – auch mehr Ausgaben der Pflegeversicherung. Mit der Bevölkerung, die im Jahr 2030 zu erwarten ist, drohen – bei konstanten Pflegekosten – die jährlichen Ausgaben von derzeit knapp 22 Milliarden Euro auf bis zu 28,5 Milliarden Euro zu steigen. Im Jahr 2050 entstünden unter heutigen Bedingungen sogar Ausgaben von bis zu 38 Milliarden Euro – gegenüber dem Status quo wäre das ein Anstieg von mehr als 70 Prozent.

Diese Entwicklung ist allein der Bevölkerungsalterung geschuldet. Denn die IW-Berechnung lässt etwaige Kostensteigerungen, zum Beispiel durch höhere Entgelte für das knapper werdende Pflegepersonal, außen vor. Eingepreist sind lediglich die Vorgaben der Pflegereform.

Ab 2020 gehen die Beitragseinnahmen Jahr für Jahr zurück
Bei unveränderten durchschnittlichen Erwerbs- und Alterseinkommen werden die Beitragseinnahmen der Pflegeversicherung zunächst zwar noch bis 2020 steigen. Allerdings ist dieser Zuwachs ausschließlich auf die von der Bundesregierung angekündigte Beitragssatzerhöhung um 0,5 Prozentpunkte zurückzuführen. Ab 2020 gehen die Einnahmen dann Jahr für Jahr zurück – und werden 2050 etwa so hoch ausfallen wie heute.

Weil zwischenzeitlich aber die Ausgaben – in allen Szenarien – spürbar steigen, droht der Pflegeversicherung allein demografiebedingt eine milliardenschwere Finanzierungslücke:
Die Finanzierungslücke wird 2030 zwischen 1,7 und 4 Milliarden Euro betragen. Im Jahr 2050 werden bis zu 16 Milliarden Euro fehlen.

Ein Lösungsweg: Umstieg auf dauerhafte Kapitaldeckung

Eine nachhaltige Vorsorge gelingt nach Ansicht des IW nur durch den Umstieg auf eine dauerhafte Kapitaldeckung – zum Beispiel für einen Teil der stationären Pflegekosten. Weil diese meist erst in der letzten Lebensphase anfallen, hätten auch die geburtenstarken Jahrgänge noch genügend Zeit, wenigstens teilweise für ihr Pflegerisiko vorzusorgen.

Bild- und Textquelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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