Pools: Markt stark unter Druck - ein Kommentar

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Die Pools Blau Direkt und Wifo haben eine enge Kooperation vereinbart. Der Grund: Der Wettbewerb unter den Servicedienstleistern wird immer heftiger. Darauf weist Blau Direkt etwas kryptisch sogar in der aktuellen Pressemitteilung hin. Dort heißt es bezogen auf die neue Kooperation mit Wifo: „Der Zugewinn an Einkaufskraft helfe auch die gravierenden Handelsnachteile gegenüber dem aktuellen Marktführer aus München auszugleichen, welcher sich aus der unbedachten Konditionspolitik der Versicherer ergäbe.“

Der Platzhirsch Fondsfinanz aus München wird also nach Angaben von Blau Direkt von den Versicherern besser behandelt. Nun soll ein größerer Verbund den Ausgleich schaffen und Blau Direkt und Wifo attraktiver machen. Rechtlich wollen die beiden Partner unabhängig bleiben. Sie sollen wie die Staaten der EU zusammenarbeiten und hoffen, dass weitere Pools und Vertriebe sich ihnen anschließen. Man wäre – so glauben die Akteure – schon „auf dem Weg zum Superpool“, um dem existierenden großen Pools Paroli zu bieten. Es ist ein Rennen um die Gunst der Vermittler. Es ist ein Rennen, das sehr kostspielig wird, weil immer mehr und schneller digitalisiert werden muss.

Es wird also geklotzt und nicht gekleckert

Mit vielen Superlativen werben die neuen Partner um die Gunst ihrer Vermittler. Da werden die „extrem leistungsfähigen“ Produkte hervorgehoben oder der sofortige „Zugriff auf völlig neue Kundengruppen“, es gibt „bahnbrechende Online-Beratungssoftware“ oder „Rekordwerte“ sowie „phänomenalen Marktvorsprung“ oder „atemberaubende“ IT. Es wird also geklotzt und nicht gekleckert! Auch das Ziel, 110 Millionen Euro Provisionseinahmen aus Versicherungsvermittlung zu generieren, ist sehr ambitioniert. 2018 lag Wifo nach eigenen Angaben bei 17 Millionen Euro. 2019 gab es ein „nochmaliges Umsatzwachstum“, was aber nicht beziffert wurde. Blau Direkt schätzt den Umsatz 2019 auf etwa 65 Millionen Euro.

Die Zeit der großen Shows ist vorbei

Rund 1.200 Vertriebe bedient Blau Direkt und 3.100 meldet Wifo. Demgegenüber arbeiten mit Fondsfinanz – nach eigenen Angaben - 27.000 Vermittler zusammen. Zum Superpool haben es die neuen Partner also doch noch weit. Und ist die Zusammenarbeit a la EU eine gute Referenz? Wohl kaum, wie der Brexit zeigt. Wer die „Schlacht“ gewinnt, ist noch nicht klar. Die Zeit der großen Shows ist vorbei. Digitale Effektivität wird entscheidend sein. Darauf müssen Vermittler bei all ihren Partnern achten. 

Unser Lesetipp für Sie

Unter die Lupe genommen hat das Versicherungsmagazin die Pools und Verbünde hinsichtlich ihrer Insolvenzsicherheit. Die Titelgeschichte können Sie im Heft 3/2020 lesen.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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