Prisma Life erfindet sich neu

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Die Prisma Life AG aus Lichtenstein hat sich vollkommen neu ausgerichtet. Sie hat bereits wesentliche Teile ihrer Kapitalanlagen in ethisches, ökologisches und soziales Investment umgebaut. Ein Streit mit deutschen Verbraucherschützer sei beendet worden. Das Unternehmen, das vor allem Fondspolicen auf Nettotarifbasis verkauft, hat sich zudem bei den Vermittlern deutlich stärker qualitativ ausgerichtet. Künftig will der Versicherer nach Österreich und in die Schweiz expandieren.

Mit Nachhaltigkeit will die Prisma Life künftig auftrumpfen. Daher wurde der Deckungsstock vollkommen neu ausgerichtet. In seinen Anlagen erreicht das Unternehmen nun einen so genannten ESG-Score (Environmental, Social, Governance) von 75,2 Prozent. „Wir streben weit marktüberdurchschnittliche Werte von 85 bis 95 Prozent an“, sagte Holger Beitz, CEO der Prisma Life AG, anlässlich einer Presseveranstaltung in Frankfurt. Das Nachhaltigkeitskonzept werde in vollem Umfang von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Hauptsitz getragen. Beitz geht davon aus, das nachhaltiges Investment nicht zu einem Renditeverlust führt, sondern sogar die Rendite langfristig stabiler macht. Auch große deutsche Versicherer würden derzeit ihren Deckungsstock in Richtung Nachhaltigkeit modifizieren.

Streit mit Markwächter „befriedet“

Zum vorjährigen Streit mit den Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hamburg, die zu hohe Honorarvereinbarung bemängelt hatten, sagte Beitz, dass man sich so „befriedet“ habe, dass jeder den Standpunkt des anderen verstehe. Die Honorare bei Nettotarifen würden nicht von der Prisma Life festgelegt, sondern vom jeweiligen Berater. Zudem hätten die Fondspolicen des liechtensteinischen Unternehmens sogar den Vorteil, dass bei Dynamik und Zuzahlungen keine Abschluss- und Verwaltungskosten anfielen. Beitz: „Der Kunde kann seine Police somit kostenfrei bis zur erstmalig abgeschlossenen Summe steigern“. Diese Vorteile müssten die Vermittler den Kunden mitteilen und im Beratungsprotokoll dokumentieren.

Der größte Vermittler in Deutschland, die Allgemeine Finanz- und Assekuranzvermittlung (AFA AG), würde derzeit 5,9 Prozent Abschlusskosten berechnen. Berücksichtige man die kostenfreie Zuzahlung- und Dynamikmöglichkeiten, läge der Satz unter dem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geforderten Wert von 2,5 Prozent.

Vermittler abgebaut, um hochwertiger zu werden

Die Zahl der Vermittler wurde „gezielt“ verringert, um qualitativ hochwertiger zu werden. In Deutschland sind derzeit noch rund 100 Vermittler für die Prisma Life tätig. Mit 75 Prozent vermittelte die AFA, die im Geschäftsbericht als „nahestehende“ Organisation bezeichnet wird, den Löwenanteil des Geschäfts. Wachstumstreiber sind die Nettotarife. Deren Anteil am Neugeschäft ist 2018 auf 75 Prozent gestiegen (2017: 66 Prozent, 2016: 50 Prozent). Möglich ist es aber auch auf Provisionsbasis zu vermitteln. Im Schnitt würden dann Provisionen von 3,5 bis 3,25 Prozent bezahlt.

Für Österreich und die Schweiz sucht das Unternehmen neue Geschäftspartner. Zudem sollen internationale Vermittler die Zielgruppe der internationalen mobilen Arbeitnehmer anvisieren. Hierfür sollen spezielle Angebote kreiert werden.

Fast keine Zinsrisiken in den Büchern

Im Geschäftsjahr 2018 erzielte der Versicherer einen Jahresüberschuss von 5.3 Millionen Euro und konnte das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent steigern. Die verdienten Prämien lagen bei 129 Millionen Euro. Der Verlust von drei Millionen Euro sei aufgrund verhaltenen Geschäfts 2017 und Anfang 2018 entstanden. Im ersten Quartal 2019 sei das Neugeschäft aber schon stark gestiegen. Die Solvabilitätsquote soll zum Ende des zweiten Quartals 2019 bei mehr als 140 Prozent liegen. „Das ist die nackte Quote“, erläuterte Beitz, denn die Prisma Life habe fast keine Zinsrisiken in den Büchern.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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