Provisionen im Finanzvertrieb nicht verbieten - besser das System optimieren

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Mit der Studie "Restricting Sales Inducements" untersuchte der internationale Verband für Investmentmanager und Finanzanalysten CFA Institute unter anderem, welche Regularien nationale Aufsichtsbehörden zum Thema Provisionsberatung anwenden.

Im Vergleich zu einigen europäischen Nachbarmärkten gibt es in Deutschland derzeit weder ein Verbot noch ein Teilverbot der Provisionsberatung. Obwohl Bundesfinanzministerium und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht allerdings im Gefolge des Lehmann-Skandals seit 2008 das Thema Anlegerschutz forciert haben, konstatieren die Studienmacher für Deutschland eine eher abwartende Haltung zum Thema Provisionsverbot.

Das größte Problem sind für die Befragten Anreizsysteme, die den Verkauf bestimmter Produkte mit Rückvergütungen und Volumenverträge in den Mittelpunkt rücken, nicht aber den Bedarf des Kunden. Für 70 Prozent bewirken die derzeitigen Provisionssysteme einen Interessenkonflikt für eine anleger- und anlagegerechte Finanzberatung.

In der Studie wurden Mitglieder des Verbands, die den Titel Chartered Financial Analyst (CFA) tragen, zu möglichen Lösungsvorschlägen befragt. 81 Prozent der Umfrageteilnehmer denken, dass mangelhafte Finanzberatung durch ein Verbot der Provisionsberatung nicht verhindert werden kann. "Viele Befragte verbinden mit einem Verbot der Provisionsberatung zudem die Gefahr, dass sich Finanzinstitute künftig ausschließlich auf Honorarberatung für Großkunden konzentrieren. Der Kleinanleger und Sparer könnte in diesem Szenario zu kurz kommen", so Susan Spinner, CFA, Geschäftsführerin der CFA Society Germany.

Die Verbandsmitglieder favorisierten statt eines Verbots:
  • Einführung einheitlicher Standards für die Kostenoffenlegung
  • Abschaffung spezifischer Volumenverträge und gestaffelter Provisionssätze
  • Einheitliche Provisionen als Teil der Managementgebühr in klar nachvollziehbaren Produktkategorien.

"Bereits die Ergebnisse der Global Market Sentiment-Studie des CFA Institute, für die im Oktober 2013 über 6.500 Mitglieder befragt wurden, deuteten darauf hin, dass mangelhafte Anlageberatung durch provisionsorientierten Finanzvertrieb als größtes ethisches Problem der Finanzbranche identifiziert wird", so Spinner. Die aktuelle Befragung zeige, dass vor allem in Europa, wo viele grenzüberschreitende Finanztransaktionen stattfänden, eine bessere Vergleichbarkeit und Angleichung von Provisionssytemen erforderlich sei, meint die Analystin.

Für die Studie "Restricting Sales Inducements" wurden 514 Mitglieder des CFA Institute, davon 265 in Europa, befragt.

Die vollständige Studie kann kostenfrei per E-Mail angefordert werden unter: pavao.vlajcic@hkstrategies.com

Quelle: Hill+Knowlton Strategies GmbH

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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