Restschuldversicherung: Kleiner Makler düpiert Banken

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Verbraucher können ihre Kredite nun günstig absichern, falls sie arbeitslos oder arbeitsunfähig werden. Ein Versicherungsmakler aus Köln bietet eine Nettopolice an, für die er lediglich eine Servicegebühr verlangt. Damit ist der Versicherungsschutz gegenüber Banken, die gigantische Provisionen kassieren, um ein Vielfaches günstiger.

So zahlt ein Kunde für die vorübergehende Arbeitslosigkeit- und Arbeitsunfähigkeitsversicherung bei einem Kreditbetrag von 10.000 Euro mit einer Kreditrate von 230 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von 48 Monaten bei Hertelversicherungen.de insgesamt eine Prämie von 486 Euro. Dabei beläuft sich die reine Nettorisikoprämie auf 438 Euro. Demgegenüber verlangt etwa die Bank Santander für den gleichen Schutz 1.290 Euro, die Targobank 1.018 Euro und die Postbank mit 864 Euro immer noch fast das 1,8-fache, wie Makler Achim Hertel vorrechnet.

Restschuld-Police durch hohe Provision teuer
Schon eine 2017 erstellte Marktsonderuntersuchung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bestätigt, dass die von den Versicherungsunternehmen an die Kreditinstitute geleisteten Provisionen teilweise außerordentlich hoch sind. Die Bafin kommt zum Schluss: "Die festgestellten Provisionshöhen sind ein lukrativer Anreiz für Kreditinstitute, möglichst viele Restschuldversicherungen mit einer möglichst hohen Prämie zu verkaufen."

Nach Einschätzung des Maklers ist aber der Nettopreis ohne Provision für alle Anbieter in etwa vergleichbar, da sich die Versicherer kaum in der Risikoeinschätzung unterscheiden würden. Hertel kann dies beurteilen. Denn bevor er ins Maklergeschäft eingestiegen ist war er langjährig in der Versicherungsbranche beim ehemaligen Gerling-Konzern und bis 2014 als Vorstand bei der Deutsche Rück und dem Verband öffentlicher Versicherer tätig,

Verkauf läuft sehr gut
Wie der Geschäftsbericht 2016 des Verbandes zeigt, läuft der Verkauf von Restschuldversicherung extrem gut. Die Bruttobeiträge stiegen allein bei den Sparkassenversicherern um fast 25 Prozent auf rund 96 Millionen Euro. Marktweit haben rund 8,2 Millionen Menschen eine Restschuldversicherung abgeschlossen, wie die Bafin-Untersuchung zeigt.

Die Versicherungssumme aller Restschuldversicherungen die über Kollektivverträge geschlossen wurden, lag laut Bafin 2016 bei 11,3 Milliarden Euro. Tatsächlich ist sie sogar noch höher, denn eine Reihe von Verträgen wird nicht erfasst. Das gilt auch für Zusatzversicherungen. "Die Restschuldversicherung ist heute ein Milliardengeschäft mit exorbitanten Preisen", kritisiert Hertel die Banken.

Produkte problematisch
In der Regel umfasst die Absicherung bei Restschuldversicherung auch den Todesfallschutz, um Hinterbliebene abzusichern. Hertel ist jedoch der Meinung, dass diese Absicherung jede Familie grundsätzlich vereinbaren sollte und sie als Solo-Police im Markt günstiger erhältlich ist.

Restschuldversicherungen stehen seit Jahren in der Kritik von Verbraucherschützern und der allgemeinen Öffentlichkeit. Mit dem Angebot von Hertelversicherung.de kann zumindest der Vorwurf der "Abzocke" für die Risiken Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit entkräftet werden. Problematisch sind auch bei diesem Angebot - hinter dem die Credit Life International der Rheinland Versicherung steckt - Ausschlüsse und Einschränkungen. So gibt es in den Bedingungen Warte- und Karenzzeiten sowie eine auf zwölf Monate begrenzte Leistungspflicht. "Für die typische Klientel, die solche Kredite aufnimmt, stellen die Raten im Falle einer längeren Krankheit oder Arbeitslosigkeit aber ein echtes finanzielles Problem da", so Hertel.

Kooperation möglich
Andere Versicherungsmakler können unter bestimmten Umständen mit dem Kölner Makler kooperieren. Die Abwicklung des Schutzes muss online über die Homepage von Hertelversicherungen.de erfolgen. Dabei müsste der Makler mit dem Kunden eine eigene Honorarvereinbarung treffen, denn das Angebot basiert auf einem Nettotarif der Credit Life.

Noch einfacher ist es natürlich, interessierte Kunden allein auf das günstige Angebot hinzuweisen. Damit könnten Kunden manchen Banken vielleicht ein Schnippchen schlagen. Zwar gilt, dass die Vergabe von Krediten nicht an den Abschluss einer Restschuldversicherung geknüpft werden darf. Doch laut Bafin-gibt es Hinweise, dass die Bonität der Kunden auch mit der Bereitschaft zur Darlehensabsicherung gekoppelt wird.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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