Tenhagen: Kündigung von vier Millionen LV-Verträgen lohnt sich

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Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Online-Verbrauchermagazins "Finanztip", schätzt auf der Basis der GDV-Zahlen, dass sich bei der zu erwartenden Kürzung der Bewertungsreserven bei circa vier Millionen Lebensversicherungsverträgen eine Kündigung lohnen würde. Unter der Überschrift "Versicherer auf neuen Wegen bei der Kapitalanlage" hatten bei der "13. Simcorp Fachtagung für Versicherungen 2014" über 110 Fach- und Führungskräfte der deutschen Versicherungsindustrie in Köln über die aktuelle Branchensituation diskutiert.

Die Veranstaltung wurde von Herbert Fromme, Versicherungskorrespondent "Süddeutsche Zeitung" und Herausgeber des "Versicherungsmonitors", moderiert. Seine wenig aufmunternden Thesen: "Die Versicherungsindustrie sitzt auf riesigen Altlasten" und "Ein Versicherer, der digital aufgestellt ist, kommt mit der Hälfte der Leute aus". Sofia Harrschar von der Universal-Investment hinterfragte Investitionen in Infrastruktur, und wie diese für die unterschiedlichen Investorengruppen zugänglich gemacht werden können. Auf das Thema Depotbanken, pardon nach neuer Gesetzgebung "Verwahrstellen" genannt, gingen die beiden darauffolgenden Redner, Ludger Wibbeke von Hauck & Aufhäuser und Jochen Meyers von der Société Générale Securities Services, ein. Diese sollten nicht nur als Kostenblock betrachtet werden, sondern auch Mehrwerte für institutionelle Investoren bieten.

Flexiblere Produkte gefordert
Dr. Alexander Kling, Partner am Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) ging vornehmlich auf die demographische Entwicklung ein, und forderte daher von der Versicherungsindustrie flexiblere Lebensversicherungsprodukte. Beendet wurde die Fachtagung schließlich mit einer Key Note von Marco Bargel, dem Chefinvestmentstrategen der Postbank, zum Thema Niedrigzins und den Schlussfolgerungen für institutionelle Investoren.

Sicherlich diskussionswürdige Ergebnisse traten auch bei der die Fachtagung begleitenden Teilnehmerumfrage zutage: So sehen 78 Prozent der Unternehmen ihre Vorbereitungen für Solvency II bereits als weitgehend abgeschlossen. Als größte Problemfelder der Einführung von Solvency II wurden die Projektsteuerung, die Datenaufbereitung und die komplexe IT-Systemlandschaft benannt.

Für LVRG gut gerüstet
Für das neue Lebensversicherungsreform-Gesetz (LVRG) fühlen sich sogar 86 Prozent der anwesenden Teilnehmer gut gerüstet. In Alternative Investments investieren bereits 67 Prozent der Häuser, auch wenn sich dies zum Beispiel in den aktuellen Kapitalmarktstatistiken noch nicht widerspiegelt. Weitere 50 Prozent planen, in naher Zukunft in entsprechende Asset-Klassen wie Infrastruktur oder Immobiliendarlehen zu investieren. Neue Lebensversicherungsprodukte mit alternativen Garantiekonzepten haben bereits 44 Prozent der Häuser auf den Markt gebracht.

Trotz der schwierigen Kapitalmarktsituation ist das Outsourcing der Kapitalanlagenverwaltung nur für 22 Prozent ein Thema - die Kapitalanlagenverwaltung wird eben meist weiterhin als Kernkompetenz eines Versicherungsunternehmens angesehen. Nachteilich macht sich hierbei auch die Umsatzsteuerpflicht für entsprechende Services bemerkbar. Für Spezialthemen wie Hedgefonds wird dagegen bereits gerne auf externe Dienstleister zurückgegriffen. Auch wenn in der IT die Cloud seit längerem in aller Munde ist, können sich schließlich nur 22 Prozent der Unternehmen derzeit vorstellen, per ASP/Cloud auf ihre Kapitalanlagen zuzugreifen.

Unter stehen alle Vorträge zum Download zur Verfügung.

Quelle: Simcorp
Bildquelle: Cumulus

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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