US-Wahl: Es droht das Ende des freien Handels

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Amerika hat gewählt, das Unerwartete ist passiert. Der Milliardär und Unternehmer Donald Trump wird US-Präsident und damit Nachfolger von Barack Obama. Das Ergebnis rüttelt die Welt auf und erschüttert die Finanzmärkte, die sich auf einen Sieg der berechenbaren demokratischen Kandidatin Hillary Clinton eingestellt hatten. Der mexikanische Peso stürzt ab, die japanische Börse bricht ein, der Dax verliert.

Die negative Reaktion der Börse zeigt was auf die Weltwirtschaft zukommt und Unternehmen droht: Protektionismus sowie ein Ende des freien Handels. Trump steht für den Populismus in der Welt. Er liebt einfache Lösungen, will die Globalisierung zurückdrehen und den US-Markt mit hohen Zöllen vor ungewünschten Importen abschotten – im Irrglauben auf diese Weise amerikanische Arbeitsplätze zu retten. "Kauft amerikanisch" ist eine seiner populistischen Formeln, die in den Ohren global agierender Unternehmer irrwitzig klingen muss.

Wachstum und Wohlstand in Gefahr
"America first", sagt der Immobilientycoon und will daher elementare politische -und Handelsverträge überprüfen. Der kommende US-Präsident stellt den Nato-Vertrag in Frage, wird das Freihandelsabkommen mit Asien (TPP) nicht in Kraft setzen und auch TTIP, ein geplantes Abkommen, das den Handel zwischen den USA und der EU erleichtern sollte, wird wohl nicht von ihm unterschrieben. Der freie Warenhandel in der Welt – eine der Voraussetzungen für Wachstum und Wohlstand auch in ärmeren Regionen – steht zur Disposition.

Für Deutschland und die hiesigen Unternehmen wird dieses isolationistische Szenario enorme Konsequenzen haben. Denn der US-Markt ist nicht irgendein Absatzgebiet. Er ist der wichtigste Exportmarkt der deutschen Konzerne. Der Überschuss im Handel mit den USA beträgt mehr als 50 Milliarden Euro – ein entsprechendes Defizit drückt die US-Ökonomie. Wenn Trump also dieses Ungleichgewicht beseitigen will, werden mögliche Importbeschränkungen deutsche Unternehmen schwer treffen, Milliardenumsätze kosten, das Wachstum bremsen und Arbeitsplätze bedrohen. Trumps Sieg könnte das deutsche Wirtschaftswachstum einen halben Prozentpunkt kosten, analysiert die britische Beraterfirma Oxford Economics.

Wirtschaftspolitik wird zu einem unkalkulierbaren Risiko
Unternehmen mögen transparente und berechenbare wirtschaftspolitische Parameter. Und genau dieses kalkulierbare Umfeld wird Trump der Weltwirtschaft nicht bieten. Er ist schwer einzuschätzen und neigt zu populistischen Lösungen, welche die Stabilität bedrohen. Noch ist völlig unklar, ob Trump alle seine Ankündigungen im Wahlkampf auch als Präsident umsetzen kann. Doch alleine seine zweifelhaften wirtschaftspolitischen Äußerungen erzeugen ökonomische Unsicherheit, die zu Lasten von Investitionen und damit der ökonomischen Zukunft gerade des Exportweltmeisters Deutschland gehen.

Für die Geldpolitik birgt dieses Szenario die Gefahr inflationärer Tendenzen und damit einer Erhöhung der Leitzinsen in den USA und Europa. Das wiederum würde den Unternehmen ökonomische Kraft absaugen, die klammen südeuropäischen Länder wieder in die Bredouille bringen.

USA rutschen in die wirtschaftliche Isolation
Es ist absurd. Die kommende Führung der wichtigsten Wirtschaftsregion der Welt, die erfolgreiche global operierende Konzerne wie Apple, Google oder Coca Cola geschaffen hat, will sich ökonomisch isolieren und ungewünschte Importe abschotten. Ein großer Fehler. Denn nicht der freie Handel gefährdet die US-Industrie und deren Arbeitsplätze, sondern ein zu langsamer Strukturwandel und eine schleppende digitale Transformation vieler traditioneller Branchen. Autos, Stahl und Kohle spielen in der Internetwirtschaft eben nicht mehr die Rolle, die sie im industriellen Zeitalter einnahm. Vor allem digitale Geschäftsmodelle sind die Zukunft wie es die prosperierende Wirtschaft Kaliforniens beweist.

Putin, Trump, Marie Le Pen – der Populismus bedroht die Weltwirtschaft. Nicht nur in den USA, sondern auch in Frankreich, England, Holland oder den osteuropäischen Staaten wird die Wirtschaftspolitik nationalistischer. Die global agierenden Unternehmer müssen dringend deutlich machen, welche Gefahren durch vermeintlich einfache Lösungen drohen und warum der freie Handel für die gesamte Menschheit eine zuweilen harte aber insgesamt beste Lösung für Wohlstand, Wachstum und Frieden ist.

Dieser Kommentar ist ursprünglich auf erschienen.

Andreas Nölting ist freier Autor für Springer Professional und Wirtschaftsjournalist aus Hamburg.

Autor(en): Andreas Nölting

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