Vema sieht DIN 77230 als Mogelpackung

740px 535px

Damit die Einführung einer Norm sinnvoll ist, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Sie muss grundsätzlich eine Änderung bringen und sie muss einer Gruppe Vorteile liefern. Beides sieht Hermann Hübner, Versicherungsmakler und Vorstandsvorsitzender der Versicherungs-Makler-Genossenschaft eG (Vema eG), beim Entwurf der DIN 77230 zur Beratung von Privatkunden nicht gegeben und sieht folglich die Norm auch kritisch. Wir veröffentlichen seinen Kommentar leicht gekürzt.

„Beim Lesen des Entwurfs hatte ich den Eindruck, eine Ansammlung verschiedener Branchenstandards vor Augen geführt zu bekommen, wie sie bereits seit Jahrzehnten selbstverständlich sind und seit vielen Jahren bei der Kaufmanns- und in der Fachmannsausbildung vermittelt werden.

Der Normentwurf beginnt mit seiner Einleitung, in der von einer Fülle von Vermögensschäden berichtet wurde, die Anfang der 2000er-Jahre bei Privathaushalten angefallen wären. Da seien für Kunden ungeeignete Produkte vermittelt worden, Berater mangelhaft ausgebildet gewesen und wesentliche Probleme wie etwa das Risiko der Langlebigkeit nicht hinreichend berücksichtigt worden. Doch der Schwarze Peter ist hier eher bei den Bank- und Anlageberater zu suchen.

Keine 400 Beschwerden bei 40 Millionen Versicherungsverträgen in Deutschland
Die Beschwerdequote über Versicherungsvermittler beim Ombudsmann liegt seit Jahren auf einem durchgehend sehr niedrigen Niveau. Keine 400 Beschwerden bei 40 Millionen Versicherungsverträgen in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache.

Die angesprochene mangelnde Ausbildung wurde durch die Erbringung eines Sachkundenachweises zur Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen für Versicherungsvermittler aller Couleur, Kreditvermittler und Finanzanlagevermittler, inzwischen ausgemerzt. Inzwischen darf niemand mehr in einem Bereich tätig werden, in dem er keine Fachausbildung genossen hat. Diese Fachausbildungen wiederum beinhalten alle in der Norm vorgesehenen Herangehensweisen. …

Eine Bedarfsanalyse zur Altersvorsorge und Arbeitskraftabsicherung ist uns allen bereits bestens bekannt. Eine Vielzahl an Tools sind heutzutage ein fester Bestandteil des Beratungsprozesses bei den Kollegen. Was der Kunde letztlich macht, spielt sich zwischen seiner Versorgungslücke und den Möglichkeiten seines Geldbeutels ab. Hier schafft die Norm keine Vorteile.

Neuer Eintrag Titel Onlinedatum . . : Heute Kalender Offlinedatum . . : Heute Kalender Highlight Canonical Tag Publiziert Kategorie Navigation* Suchen Löschen Neu Vorschau Tags Normierung DIN Vema Verbraucherschutz schließen Advertorial Ist Advertorial? Start . . Heute Kalender Ende . . Heute Kalender Teaser (max. 225 Zeichen) Text


Fehlt die Zulassung, ist ein Beratung auch nicht erlaubt
Die Norm spricht wohlwollend vom „ganzheitlichen Ansatz“, der bei der Beratung im Fokus stehen sollte. In der Folge werden nicht nur Versicherungsthemen behandelt, sondern auch eine ganze Reihe von Finanzthemen wie „Aufbau Liquiditätsreserven“ und „[d]as Zinsänderungsrisiko bei Immobilienfinanzierungen“. Was für Vertriebe, Versicherer und Laien zunächst positiv klingt, stellt unterm Strich einen Rückschritt dar. Zumindest gefühlt hat die Branche den Schritt vom „Bauchladen“ zum Spezialistentum gerade erst abgeschlossen.

Und natürlich gibt es durch die berufliche Qualifikation Sparten, in denen jeder dank Fachausbildung kompetent beraten kann und andere, bei denen man sich zunächst einen zusätzlichen Wissensschatz aufbauen muss - z. B. bei der Gewerbeversicherungen. Eine Beratung in Bausparen, Immobilienfinanzierung oder Fondsvermittlung wollen viele klassische Versicherungsmakler nicht leisten. Fehlt die entsprechende Zulassung in der Gewerbeordnung darf er es auch nicht – aller Qualifikation und Berufserfahrung zum Trotz.

Viele Vertriebe werden starkes Interesse daran haben, möglichst bald entsprechend der angestrebten DIN-Norm beraten zu können. Werblich ist das einfach sehr gut nutzbar. Aber führt das nicht nur dazu, dass der einzelne Vermittler mit oberflächlichem Wissen gefüttert wird, damit er seine Registrierungen bekommt, um dann als 'Tausendsassa' auf Kunden losgelassen zu werden? Wem nützt das am Ende wirklich?

Neue Norm doch nur einen Schritt zurück
Bekommt der Kunde so wirklich den besseren Berater oder ist es nicht doch eher ein vertriebliches Goodie für den Außendienst mit einer DIN-konformen Beratung werben zu können? Ich fände es schön, wenn die Zeiten, in denen man Kunden mit funkelnden Dingen vom Wesentlichen ablenkt, endlich vorbei wären. Dieser Norm-Entwurf ist leider absolut unnötig, bietet keinerlei Verbesserungen und ist ein riesiger Schritt zurück in alte, schlechtere Zeiten."

Unser Lesetipp Für Sie
Auch Versicherungsmagazin hat kürzlich über die DIN 77230 online ausführlich berichtet und tut dies auch noch in der September-Ausgabe von Versicherungsmagazin.

Quelle: Vema

Autor(en): Versicherungsmagazin

Alle Branche News