Versicherer untersuchen Klimawandel und suchen nach Lösungen

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Der Sommer in Deutschland 2018 war heiß, ungewöhnlich heiß. Und ungewöhnlich lange heiß. Die Folgen: Waldbrände, Ernteausfälle und sonstige Hitzeschäden. Erste klare Kennzeichen des Klimawandels? Viele Experten bejahen dies. So auch Versicherungsexperten wie Eberhard Faust, Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren von Munich Re.

Eberhard Faust war Gast bei der 43. Mannheimer Versicherungswissenschaftlichen Jahrestagung und sprach dort über den Klimawandel und welche Risiken sich durch diesen für die Versicherungswirtschaft ergeben.

Bei Modellen noch Unsicherheiten im Spiel, aber Trend erkennbar

Seine Einschätzung und die seiner Kollegen der Munich Re: Bei den bisherigen Modellen und Untersuchungen zu den klimatischen Veränderungen seien „sicher noch Unsicherheiten im Spiel“, aber grundsätzlich sei zu erkennen, dass seit den 90er Jahren die Starkniederschläge in West- und Mitteleuropa um bis zu zehn Prozent zugenommen hätten. Und bei den Überschwemmungsereignissen in dieser Region müsste man „bis zu einer Verdopplung der Häufigkeit“ feststellen.

Untersuchungen hätten auch ergeben, dass in Europa eine Zunahme der Schwergewitter zu verzeichnen sei. Das zeigten jüngste Ereignisse im Südwesten Deutschlands und auf dem Balkan. Dieses Phänomen werde sich im Zeitraum zwischen 2021 und 2050 noch stärker ausbilden, prophezeite Faust auf der Mannheimer Versicherungstagung.

Wärmeperioden werden erkennbar länger

Nach Einschätzung von Eberhard Faust haben auch die „persisten Wetterlagen“ (Anmerkung der Redaktion: anhaltend, dauernd) im Sommer erkennbar zugenommen. So würden die Wärmeperioden erkennbar länger werden und es zeichne sich ab, dass „die Verdunstung die Niederschläge bei Weitem übersteige“.

Vor allem seit dem Jahr 2000 sei ein ganz anderes Temperaturniveau zu verzeichnen. Dies führe auch zu großen Tornado-Ausbruchsereignissen, schwache Ereignisse würden dagegen abnehmen. Dies gelte weltweit. Doch gerade in den USA hätte sich in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass „Ausbruchsereignisse mit großen aggregierten Schäden“ häufiger würden, sogar sprunghaft ansteigen. Siehe die verheerenden Waldbrände in Kalifornien. Die Problematik in Zahlen: Auf 24 Milliarden US-Dollar beliefen sich die Gesamtschäden in den USA, nur 18 Milliarden US-Dollar davon waren versicherte Schäden.

GDV-Projekt "Starkregen" initiiert

Um derartige klimatische Entwicklungen noch besser analysieren zu können, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft das Projekt „Starkregen“ ins Leben gerufen, bei dem auch die Munich Re involviert ist.

Dieses Projekt hat einen ähnlichen Anspruch wie ZÜRS. Dessen Inhalt und Anspruch: Anhaltende Regenfälle oder Schneeschmelzen sorgen immer wieder dafür, dass Flüsse über die Ufer treten. Die Folge sind mehr oder minder schwere Überschwemmungen. Um das Risiko für die jeweilige Region einschätzen zu können, haben die deutschen Versicherer ein Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen „ZÜRS Geo“ entwickelt. Mit diesem System sollen auch Umweltrisiken eingeschätzt werden.

Vermehrte Schäden in der Landwirtschaft die Folge 

Auch die Schäden und Kosten aufgrund von Taifunen steigen an. Denn auch Taifune werden immer häufiger und stärker. So gab es 2018 allein fünf Taifune, die einen Schaden von zehn Milliarden US-Dollar verursacht haben, so die Aussage von Faust.

Sein Fazit: Die Effekte des Klimawandels sind seit dem Jahr 2000 „deutlich zu sehen“. Diese werden zu einer Zunahme der landwirtschaftlichen Schäden führen. Die mittleren Jahresschäden werden sich vervielfachen. Ein Lichtblick: Die Winterstürme werden wohl nicht stärker zunehmen.

Autor(en): Meris Neininger

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