Versicherer wollen nachhaltig agieren – schon aus Eigennutz

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Die EU will Europa nach dem Corona-Schock nachhaltig aufbauen und zum ersten klimaneutralen Kontinent machen. Die Versicherer wollen dieses Vorhaben unterstützen. Doch dafür brauchen sie geeignete Rahmenbedingungen. Viele Versicherer kümmern sich nun auch wieder verstärkt um ihre nachhaltigen Pläne, so aktuell die Balois und Prisma Life.

Um Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen, sollen Energieversorgung, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft komplett umgestaltet werden: weg von fossilen Energien und Umweltverschmutzung hin zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Und nicht nur die Realwirtschaft ist von diesem Vorhaben berührt. Auch die Finanzmärkte mitsamt den Kapitalströmen sollen neu ausgerichtet werden.

So ambitioniert das Vorhaben ist, so gewaltig sind die Kosten. Rund eine Billion Euro will die EU-Kommission in den nächsten zehn Jahren für den so genannten Green Deal mobilisieren. Zur Finanzierung plant sie 500 Milliarden Euro aus dem eigenen Haushalt ein, der vor wenigen Wochen auf dem Brüsseler EU-Gipfel bewilligt wurde. Dazu kommen nationale Gelder und Sondermittel für die am stärksten betroffenen Regionen. Aber auch private Geldgeber sollen in das engagierte Projekt eingebunden werden. Investitionen von rund 280 Milliarden Euro möchte Ursula von der Leyen, Chefin der EU-Kommission, aus diesen Töpfen schöpfen.

Kapitalanlagebestand der Erstversicherer umfasst 1,5 Billionen Euro

Und wer ist hier als Partner besser geeignet als die Assekuranz. „Versicherer spielen eine Schlüsselrolle in der Wirtschaft: als Risikoträger und als langfristiger Investor“, betont so auch Jörg Asmus­sen, Mit­glied der GDV-Geschäfts­füh­rung. Und in beiden Rollen könnten die Unternehmen die grüne Erneuerung Europas maßgeblich mitgestalten. Rund 1,5 Billionen Euro umfasst allein der Kapitalanlagebestand der Erstversicherer, und bei Neuinvestitionen berücksichtigen viele bereits heute Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz, Soziale Aspekte und gute Unternehmensführung (Environmental, Social, Good Governance; ESG). Schon aus Eigennutz.

Denn die Erderwärmung bedroht langfristig das Geschäftsmodell der Versicherer. Sollten die Schäden aus Naturkatastrophen überhandnehmen, wären Klimarisiken eines Tages nicht mehr versicherbar. „Wir sollten mehr tun, und wir werden mehr tun“, unterstreicht Asmussen den Willen der Branche. 

Baloise hat Prinzipien für nachhaltige Versicherungen (PSI) unterschrieben

Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil moderner Unternehmensführung. Davon ist auch die Baloise überzeugt. Aus diesem Grund hat sie nun auch die Prinzipien für nachhaltige Versicherungen (PSI) unterschrieben. 

Mit diesem Akt verpflichtet sich die Baloise nun, Kriterien für Umwelt, Soziales sowie gute Unternehmensführung in ihrem Kerngeschäft zu verankern und eine nachhaltige Entwicklung der gesamten Versicherungsbranche voranzutreiben.

Nach den Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren (PRI) im Jahr 2018 hat die Baloise nun auch die Prinzipien für nachhaltige Versicherungen (Principles for Sustainable Insurance, PSI) der Vereinten Nationen unterzeichnet. Die Prinzipien dienen Versicherern als Leitfaden zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Geschäftstätigkeit. Konkret legen die vier Prinzipien fest, dass sich jedes unterzeichnende Unternehmen individuelle Ziele für eine nachhaltige Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette setzt, Maßnahmen formuliert und regelmäßig über die Fortschritte berichtet.

Wollen für künftige Generationen Verantwortung übernehmen  

«Die Unterstützung der Prinzipien für nachhaltige Versicherungen ist ein weiterer wichtiger Schritt in unserer Nachhaltigkeitsstrategie, mit der wir als Unternehmen sowohl für heutige als auch zukünftige Generationen Verantwortung übernehmen wollen. Als Unterzeichnerin gestalten wir die Prinzipien und damit einhergehend die nachhaltige Entwicklung der globalen Versicherungsbranche aktiv mit», ist Gert De Winter, CEO Baloise Group, überzeugt.

Entwickelt wurden die Prinzipien von der Finanz-Initiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme Finance Initiative, Unep FI). Auf der Uno-Konferenz zu «Nachhaltige Entwicklung» 2012 in Rio de Janeiro, Brasilien, wurden diese zum ersten Mal vorgestellt.

Nachhaltiges Verhalten ist langfristig die richtige Strategie 

Auch die Prismalife AG hat laut eigenen Ausgaben ihre Unternehmensstrategie konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Doch inwieweit tragen nachhaltige Kapitalanlagen zum Klimaschutz bei und wie sollten Ökonomie und Ökologie zusammenrücken?
Ein O-Ton hierzu von Prismalife-CEO Holger Beitz aus einem Interview mit dem Potsdamer Klimaforscher Professor Anders Levermann:
„Dass nachhaltiges Verhalten langfristig die richtige Strategie ist, treibt auch unser Geschäftsmodell an. Als Versicherer prüfen wir sehr genau, wo die entscheidenden Hebel sind, um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. In der Finanzwirtschaft ist dieser Hebel die Kapitalanlage. Durch die Umstellung unserer Anlagen nach ESG-Kriterien reduzieren wir den CO2-Impact je 100.000 Euro Investment gegenüber dem bisherigen Anlageportfolio um rund 2.5 Tonnen. Damit liegt er rund 25 Prozent unter den Emissionen des Benchmark-Portfolios MSCI World. Unseren Kunden ermöglichen wir durch ein breites Angebot an nachhaltigen Fonds eine ökologisch und sozial verträgliche Geldanlage. Die damit erzielten Effekte sind größer als die, die der Einzelne im Alltag erreichen kann.

Außerdem betonte Beitz in dem Interview noch, dass das Nachhaltigkeitskonzept seines Hauses auch maßgeblich von den Mitarbeitern getragen werde. Ihre Sustainability-Strategie umfasse neben der Kapitalanlage auch die Dienstreisen sowie den Papierverbrauch oder die Seife, die im Büro benützt werde. Unternehmerische Verantwortung heiße für sein Unternehmen auch, sich für gesellschaftliche Themen am eignen Standort zu engagieren.

Quellen: GDV, Baloise, Prismalife AG

 

 

 

Autor(en): Meris Neininger

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