Versicherungsbetrug: Branche wehrt sich stärker

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Die Assekuranz geht härter gegen Versicherungsbetrug vor. Dazu gehören auch öffentliche Studien, die zeigen, wie schnell Versicherungsbetrüger auffliegen können. Damit sollen Nachahmungstäter gewarnt werden. Einen solchen „Schuss vor den Bug“ potenziell unehrlicher Kunden hat jetzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) praktiziert.
(Bild: © GDV)

Veröffentlicht wurde eine Untersuchung von 1.455 Schäden an Flachbildschirmen. Fazit: Bei 25 Prozent der Schäden tauchten „Ungereimtheiten“ auf. Wie ein Schaden entstanden ist, kann ein Sachverständiger leicht überprüfen, so der GDV. Dabei werde der geschilderte Schadenhergang in einem Versuch nachgestellt und mit dem tatsächlichen Schaden am Gerät verglichen. Im Jahr der Fußballweltmeisterschaft ist die Untersuchung an Flachbildschirmen ein strategisch kluger Schachzug des GDV.
Doch selbst wenn in „normalen“ Fernsehjahren der Betrugsanteil geringer ausfallen dürfte, sind die Taten kein Kavaliersdelikt. In der Regel erstatten die Versicherer eine Anzeige, wenn sie die Betrugsabsicht nachweisen können. Zudem gibt es natürlich keine Entschädigung und der Versicherungsvertrag kann gekündigt werden.

Haftpflicht und Hausrat besonders betroffen

„Eine typische Schadenmeldung ist, dass jemand unbeabsichtigt den Fernseher von einem Tisch gestoßen hat oder über ein Kabel auf dem Boden gestolpert ist und dadurch der Fernseher heruntergefallen und kaputt gegangen ist“, schildert Rolf Kretzschmar, Chef-Betrugsjäger bei der Zurich Versicherungsgruppe. Zudem würden immer wieder Schäden durch Überspannung aufgrund eines Blitzeinschlages angezeigt. Betroffen sind die privaten Haftpflicht- und Hausratversicherung. Als neues, besonders betrugsanfälliges Objekt hat die Branche übrigens Hörgeräte ausgemacht. Grund: Sie sind teuer, werden von den Krankenkassen nicht voll bezahlt und überaltern technisch relativ schnell.

Laut GDV entsteht der Branche durch Versicherungsbetrug jährlich ein Schaden von rund vier Milliarden Euro. Gegen die Täter vorzugehen sei schon deshalb wichtig, weil ehrliche Kunden die manipulierten Schäden über erhöhte Prämien mittragen müssen. Die Versicherer schulen daher spezielle Sachbearbeiter zur Betrugserkennung und arbeiten zudem mit Software, die Schadenmeldungen nach Auffälligkeiten filtert.

Generali erfolgreich bei der Betrugsaufdeckung
Den Kampf gegen Versicherungsbetrug hat sich vor allem der Generali-Konzern auf die Fahnen geschrieben. Nach Angaben der Assekuranz hätten verschiedene Maßnahmen dazu geführt, dass im Gegensatz zur Branche ein Wachstum gestoppt werden konnte. Angeblich nehmen bei anderen Versicherern die Betrugsfälle jährlich um zehn Prozent zu. Seit 2013 arbeitet die Generali mit einer speziellen Software, die manipulierte Schadenbilder erkennen kann. Zudem werden bei auffälligen Schadenfällen soziale Foren im Internet durchforstet. Teilweise könne man dann feststellen, dass sich die angeblich vollkommen fremden Opfer und Täter gut kennen.
Der Generali Konzern schätzt, dass seine Maßnahmen, bereits 2007 wurde eine 20 Personen starke Spezialeinheit gegründet, zu einer Aufdeckungsquote von 40 bis 50 Prozent des gesamten betrügerischen Schadensvolumens geführt hat.

Nach dem Schock zum ehrlichen Versicherungsnehmer
Der Konzern, zu dem Aachen Münchener, Generali Versicherungen und Cosmos Direkt gehören, bringt aber nicht jeden aufgeklärten Betrugsfall zur Anzeige, sondern holt sich oft lediglich seinen Mehraufwand vom Täter zurück. Bei vielen Betrügern sei die Entlarvung Schock genug. Danach würden sie ehrliche Versicherungsnehmer werden, so ein Generali-Betrugsexperte.

!Terminhinweis!: Am 15. und 16. September findet eine Fachkonferenz zum Thema "Versicherungsbetrug" in Leipzig statt. Beachten Sie hierzu unsere Online-Terminliste unter

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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