VVaG: Erst verdrängt, jetzt wieder beliebt

740px 535px
Laut der aktuellen Sigma-Studie von Swiss Re «Versicherung auf Gegenseitigkeit im 21. Jahrhundert: Zurück in die Zukunft?» hat sich die Branche der Versicherung auf Gegenseitigkeit in den letzten Jahren leicht erholt.

Der Anteil der VVaG am gesamten Versicherungsmarkt stieg von 24 Prozent der gebuchten Erstversicherungsprämien im Jahr 2007 auf knapp über 26 Prozent im Jahr 2014 und kehrte damit einen Teil der rückläufigen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte um. Allerdings steht das Segment vor großen Aufgaben, einschliesslich der Anpassung an neue risikobasierte Kapitalanforderungen und strengere Corporate-Governance-Regelungen, die für einige VVaG einen Wettbewerbsnachteil bedeuten könnten.

Bleiben für einige Personengruppen erschwinglich
Darüber hinaus müssen sich die VVaG den technologischen Wandel zunutze machen. Mit digitalen Technologien wie Smart Analytics und Social Media sollten die VVaG die Interessen ihrer teilhabenden Mitglieder oder Eigentümer besser bedienen können. Gleichzeitig dürfte ihre Eigentümerstruktur dazu beitragen, dass die Versicherung für einige Personengruppen und Risiken erschwinglich bleibt.

Obwohl der Anteil der VVaG am weltweiten Versicherungsmarkt seit 2007 leicht gestiegen ist, bleibt er immer noch deutlich unter den bisherigen Höchstständen zurück. So lag zum Beispiel der Anteil der weltweiten Prämien von VVaG im Lebensbereich 2014 bei 23 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau von rund 66 Prozent Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre, bevor eine Welle von Demutualisierungen eine Reihe von Ländern erreichte.

Möglicher Wettbewerbsnachteil: Strengere Corporate-Governance-Regelungen
Darüber hinaus stehen die VVaG vor etlichen Herausforderungen. So haben Regierungen und Regulierungsbehörden neue risikobasierte Kapitalanforderungen und strengere Corporate-Governance-Regelungen eingeführt, um die Widerstandsfähigkeit einzelner Versicherer zu stärken. Diese Anforderungen könnten für einige VVaG, vor allem kleinere mit regionaler Begrenzung oder auf einzelne Sparten ausgerichtet, einen Wettbewerbsnachteil bedeuten.

Die Regulierungsbehörden scheinen sich der möglichen unbeabsichtigten Folgen ihrer neuen Vorschriften bewusst zu sein. Entsprechend konzentrieren sie sich auf die Umsetzung neuer Aufsichts- (d. h. Kapital-) und Governance-Richtlinien. Individuelle Rückversicherungslösungen und alternative Risikotransfermechanismen geben den VVaG mehr finanzielle Flexibilität, um ihr Geschäft weiterzuentwickeln und mit anderen Versicherern zu konkurrieren.

Anpassung eher schleppend
VVaG müssen ihre versicherungstechnischen und vertrieblichen Prozesse anpassen und weiterentwickeln, um im digitalen Zeitalter bestehen zu können. Es gibt Anzeichen dafür, dass viele Akteure diese Veränderungen aktiv aufgreifen. Bei einigen anderen hingegen verläuft die Anpassung eher schleppend.

Beispielsweise haben kleinere VVaG bislang häufig noch nicht alle Geschäftstätigkeiten mit Onlinefunktionen verknüpft, was auf ihre stärkere Verbundenheit mit dem traditionellen Vertrieb über Agenten oder Makler zurückzuführen ist. Die Nachzügler laufen Gefahr, Marktanteile an Konkurrenten zu verlieren, die die neuen Technologien besser nutzen.

Damit Versicherungsprämien bezahlbar bleiben
Durch den Einsatz von neuen Technologien können VVaG aber auf ihrer jüngsten Wiederbelebung weiter aufbauen. Und technologiegestützte Initiativen in Richtung einer vollständig risikobasierten Preisgestaltung könnten dazu führen, dass die konventionelle Versicherung für einige Personen zu teuer wird. Ohne den Druck, Renditen für externe Aktionäre erwirtschaften zu müssen, könnten VVaG eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass die Versicherungsprämien bezahlbar und bestimmte Risiken versicherbar bleiben.

Die Sigma-Studie Nr. 4/2016, «Versicherung auf Gegenseitigkeit im 21. Jahrhundert: Zurück in die Zukunft?» steht bereit unter



Textquelle: Swiss Re; Bildquelle: © Cumulus

Autor(en): versicherungsmagazin.de

Mehr zu Studie

Alle Branche News