Wenig Aufmerksamkeit für öffentliche Versicherer

Selbstzweifel bei den öffentlichen Versicherern: Obwohl sie sich bei den Marktanteilen 2009 hinter der Allianz und vor Ergo-Gruppe, Generali und Talanx einordnen, stoßen sie auf immer weniger Aufmerksamkeit. Zu ihrer Jahrespressekonferenz nach Düsseldorf kamen vielleicht zehn Journalisten, die unter den vielen Spitzenleuten aus Unternehmen und Verband recht verloren wirkten.

Dabei hätten die Zahlen, die Friedrich Schubring-Giese als Vorsitzender des Verbands öffentlicher Versicherer vorstellte, mehr Aufmerksamkeit verdient:

Einmalbeitragsgeschäft läuft wie geschnitten Brot
So stiegen die Bruttobeitragseinnahmen über alle Sparten überdurchschnittlich um 6,5 Prozent auf rund 17,7 Milliarden Euro. Der Marktanteil der Gruppe konnte damit um 0,2 Prozentpunkte auf 10,6 Prozent ausgebaut werden. Mit Stolz verweist man auch darauf, dass in der wichtigen Lebensversicherung die Stornoquote mit 5,5 Prozent (Markt: 6,2 Prozent), die Verwaltungskostenquote mit 2,1 Prozent (2,7 Prozent) und die Abschlusskostenquote mit 5,0 Prozent (5,2 Prozent) unterdurchschnittlich sind.

Da acht von zehn Lebensversicherungen der Öffentlichen über die Sparkassen vermittelt werden, stieg das Neugeschäft gegen Einmalbeitrag um 86,4 Prozent (Branche: 59,3 Prozent). Dabei handelt es sich meist um private Rentenversicherungen. Die Sparkassen empfehlen Kunden, denen sie beispielsweise oft nur 1,25 Prozent fürs Tagesgeld bezahlen können, gerne diese Lebensversicherungen und streichen dafür Provision ein. Dabei fallen keine Risikobeiträge an. Und die Kostenquote liegt, wie hinter vorgehaltener Hand verraten wird, etwa bei fünf Prozent. Dadurch kann der Kunde also für rund 95 Prozent seines Geldes den attraktiven Zins für Lebensversicherungen einstreichen. Zwar ist die Überschussbeteiligung leicht gefallen. Aber auch eine um 0,1 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent gesunkene Gesamtverzinsung ist höchst attraktiv, zumal Bundesanleihen weniger als 3,0 Prozent bringen.

Zinsjäger sollen abgeschreckt werden
Man will jedoch nicht, dass Verträge nur aufgrund kurzfristiger Zinsvorteile abgeschlossen und bei steigenden Kapitalmarktzinsen wieder aufgelöst werden. Durch aktive Steuerung des Geschäfts mit Einmalbeiträgen versucht man deshalb die langfristig orientierten Kunden von den Zinsjägern trennen. Deshalb soll nur derjenige in den vollen Genuss der hohen Überschussbeteiligung kommen, der seinen Vertrag auch zwölf Jahre durchhält. Trotzdem dürfte sich, wie prognostiziert wird, der Trend zu Einmalbeiträgen noch verstärken, weil Erbschaften fällig werden und das Ablaufvolumen aus Kapitallebensversicherungen enorm ist.

Neuer Gebäudeschadenservice beauftragt Handwerker
Als Marktführer in der Wohngebäudeversicherung will man sich aber auch im Schadenmanagement profilieren. So haben die öffentlichen Versicherer zusammen mit ihrem Assisteur, der Örag Service GmbH, als neues Angebot den Gebäudeschadenservice entwickelt. Hier werden Hausbesitzer unterstützt, die von Schäden betroffen sind. Dabei beauftragt und koordiniert die Örag alle erforderlichen Dienstleister wie Handwerker und Gebäudesanierer. So nimmt sie den Kunden die Last ab, sich in einer Ausnahmesituation wie beispielsweise einer Überschwemmung selbst um diese Dinge kümmern zu müssen. Außerdem wurde die Örag Rechtsschutzversicherung beauftragt, zum 1. Oktober 2010 einen Assistance-Versicherer zu gründen, der zum 1. Januar 2011 seinen Geschäftsbetrieb aufnehmen soll. Damit will man einen zentralen Produktgeber für den zunehmenden Bedarf an sogenannten Beistandsleistungen im Verbund der Sparkassen-Finanzgruppe haben - beispielsweise für einen Wohnungsschutzbrief, der einen Schlüsselnotdienst nicht nur organisiert, sondern auch bezahlt.

Autor(en): Oskar H. Metzger

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