Wenn am Ende des Geldes noch viel Leben übrig ist

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Anleger, die sich ihre private Rentenversicherung bei Fälligkeit auszahlen lassen, handeln fahrlässig. Das sagt Jochen Jochen Ruß vom Ulmer Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, der im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) Nutzen und Akzeptanz der lebenslangen Rente untersuchte.

Der Wissenschaftler untersuchte gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Schelling, warum sich viele Menschen bei der Frage der Verrentung für die Einmalzahlung entscheiden und welche Probleme dies nach sich zieht. Obwohl laut Forsa fast 60 Prozent der Menschen planen, mindestens 80 Prozent ihres Lebensunterhalts mit fixen Rentenzahlungen bestreiten zu wollen, entscheiden sie sich häufig gegen eine Verrentung ihrer Ersparnisse.

Zwei Drittel wählen Kapitalauszahlung
"Private Altersvorsorge wird in Zukunft von vielen nicht mehr für die Finanzierung von Extras, sondern zur Sicherung des gewünschten Lebensstandards im Alter benötigt", sagte Ruß bei der Studienvorstellung in Berlin. Da man einerseits den Lebensstandard bis zum Tod erhalten wolle und andererseits nicht vorhersagen könne, wie alt man werde, bestehe ohne eine lebenslange Rente ein Risiko, länger zu leben, als das Geld reiche.

Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage für den GDV entscheiden sich aber rund zwei Drittel der Deutschen bei Fälligkeit ihrer privaten Rentenversicherung für eine einmalige Kapitalzahlung und gegen eine lebenslange Rente.

Renditemaximierung ist nicht das Ziel
"Das Risiko, länger zu leben, als das angesparte Geld reicht, ist eines der am meisten unterschätzen finanziellen Risiken", weiß Ruß. Deswegen sei individuelles Sparen gegenüber kollektiven Lösungen wie der gesetzlichen und privaten Rentenversicherung oft unterlegen. Nur letztere garantierten Einkünfte bis zum Lebensende.

Ruß kennt die Motive der Anleger, die sich gegen eine Verrentung ihrer Ersparnisse entscheiden. Neben dem Wunsch, Geld an die Hinterbliebenen zu vererben, beobachtet er vor allem einen Denkfehler, der oft zu der Entscheidung verleitetet: "Lieber das gesamte Geld jetzt sofort auf dem Konto." Denn bei einer Rentenversicherung sei eben nicht die Renditemaximierung das Ziel, sondern die lebenslange finanzielle Absicherung einer unbekannten Lebensdauer.

Lebenserwartung wird unterschätzt
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Kaum jemand schätzt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland richtig ein. Die meisten Menschen unterschätzen ihre Lebenserwartung "Viele denken bei der Lebenserwartung an ihre eigenen Eltern oder Großeltern und ziehen daraus Rückschlüsse für ihren eigenen Lebenshorizont", sagte GDV-Altersvorsorgeexperte Peter Schwark. Dabei steige die Lebenserwartung von Generation zu Generation stark an. Ein im Jahr 1990 geborener Mann werde im Durchschnitt neun Jahre älter als ein 1960 geborener. Frauen hätten im selben Zeitraum um sieben Jahre zugelegt.

Schwark schlägt vor, dass das Statistische Bundesamt über die Lebenserwartung einschließlich des zu erwartenden weiteren Zuwachses informieren solle. Der GDV fordert außerdem, bessere Informationen für die Menschen, etwa in der jährlichen Renteninformation.

7 Jahre Länger
Die GDV-Initiative "7 Jahre länger"  will "das Bewusstsein dafür schärfen", dass die Menschen immer älter werden und dabei auch länger fit bleiben. Der Verband hat dafür ein ansprechendes Onlineangebot geschaffen, das seine Mitgliedsunternehmen auf ihre Seiten übernommen haben. Mit interaktiven Elementen können Besucher prüfen, wie viel ihre Rente 2040 wert sein wird, Fachartikel lesen, ihre Lebenserwartung schätzen oder sich mit Mythen rund um das Alter auseinandersetzen. Dass die Informationen zur gestiegenen Lebenserwartung die Nutzer auch für das Thema Altersvorsorge sensibilisieren sollen ist beabsichtigt.

Quelle: GDV

Autor(en): Versicherungsmagazin.de

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