Coronavirus versetzt Börsen in Panik

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"Ein Virus kennt keine Moral", betitelte Rosa von Praunheim einen Spielfilm zu der HIV-Epidemie der 1980er Jahre. Im Gewand einer schwarzen Komödie setzte sich der Regisseur mit der Panik, die die Immunschwäche Aids in den ersten Jahren nach ihrer Entdeckung auslöste, auseinander.

Die damals fast immer tödlich verlaufende Krankheit ist zwar nicht mit der Lungenerkrankung Covid-19, wie sie das neuartige Corona-Virus hervorruft, vergleichbar, doch es gibt Parallelen: Panik und die Versuche, die Epidemie einzudämmen, haben weitreichendere Folgen als die Krankheit selbst. Wenn vorsorglich ganze Wirtschaftsregionen abgeriegelt werden, droht die Konjunktur vermutlich größeren Schaden zu nehmen, als eine normale Grippewelle mit der üblichen Zahl von Erkrankungen bewirkt hätte.

Auswirkungen noch nicht einschätzbar

"Inzwischen bestätigt sich, dass negative Effekte auf die Weltwirtschaft durch die Unterbrechung der Lieferketten nicht zu vermeiden sind", schreibt die Helaba in einem aktuellen Ausblick. Entscheidend ist daher die Frage, wie groß die Auswirkungen sein werden. Kommt es nur zu einer vorübergehenden Delle oder droht eine ausgewachsene Rezession?

Dies lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum beantworten. "Die wichtigen Konjunktur-Frühindikatoren zeigen sich bisher erstaunlich widerstandsfähig. Die Börsen preisen aber schon einen stärkeren Verfall und zum Großteil bereits eine Rezession ein", heißt es in einer Markteinschätzung des Münchener Vermögensverwalters Fiduka.

Die Krise kam ohne Zweifel zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gerade noch schienen die internationalen Börsen, allen voran die US-Märkte, nur den Weg nach oben zu kennen. Risiken wie die hohen Bewertungen, aber auch der Beginn der Virus-Epedemie, wurden im Höhenrausch geflissentlich ignoriert. In einem derartigen Umfeld brauchte es nur einen Funken, um einen Kursrutsch auszulösen.

Von der Abwärtsbewegung zur Panik

Als sich herausstellte, dass die Erkrankung nicht auf China begrenzt bleiben würde, war es soweit. Besonders schlimm: Die Abwärtsbewegung, die anfangs noch in den geregelten Bahnen einer normalen Korrektur verlief, wurde zuletzt zur Börsenpanik - die LBBW sprach in einem Kommentar gar von "Endzeitstimmung".

Wieder einmal ist es die Unsicherheit, die den Märkten am meisten zusetzt. So lange nicht klar ist, wie groß die wirtschaftlichen Folgen sind, und vom Coronavirus betroffene Regionen mit immer einschneidenderen Maßnahmen reagieren, werden die Börsen nicht zur Ruhe kommen. Verkäufe treffen dann auf Zurückhaltung potenzieller Käufer und lösen solche extreme Kursbewegungen wie zu Beginn dieser Woche aus.

Auch eine längere Seitwärtsbewegung ist möglich

Ob die aktuellen Kurse bereits Einstiegskurse sind, bleibt daher offen. Bereits Anfang März sah es so aus, als hätten die Börsen einen Boden gefunden – nur um dann nochmals abzutauchen. Die Experten von Fiduka rechnen nicht mit einem schnellen Richtungswechsel. "Im günstigen Fall bilden die Börsen jetzt nahe ihrer Tiefs eine längere Seitwärts-Bodenbildung aus", prognostiziert der Vermögensverwalter.

Bei aller Verunsicherung sollten die positiven Rahmenbedingungen aber nicht ausgeblendet werden: Das Zinsniveau in den wichtigsten Industrieländern ist extrem niedrig, zumal die US-Notenbank die Zinsen gerade überraschend gesenkt hat. Anleihen vieler Staaten rentieren negativ und fallen daher als Alternative zu Aktien aus. Und die hohe Bewertung, besonders bei US-Aktien und im Technologiebereich, ist schon merklich gesunken.

Sinkende Ölpreise geben Rückenwind

Rückenwind kommt vom Einbruch der Ölpreise, von dem nicht zuletzt die stark gefallenen Aktien der Fluglinien profitieren sollten. Die Empfehlung des Münchener Vermögensverwalters "sukzessive in kleinen Schritten an den Börsen zu reinvestieren", könnte sich daher als richtige Strategie erweisen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Springer Professional.

Autor(en): Michael Fuchs

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