Nachhaltige ETFs kommen aus der Nische

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Nachhaltige Geldanlagen sind nicht erst seit der Fridays-for-Future-Bewegung ein Thema. Aktive Fonds blicken zwar auf eine noch längere Geschichte zurück, doch schon 2006 ging mit dem iShares Dow Jones Eurozone Sustainability Screened UCITS ETF der erste börsengehandelte Fonds dazu in Deutschland an den Start. Trendsetter war das Produkt aber nicht. Nachhaltige Fonds fristeten lange Zeit ein Nischendasein, wie eine Studie der Ratingagentur Scope zeigt. Bis 2015 waren die Zahlen neu aufgelegter ETFs stets einstellig. Die Jahre 2009 und 2012 kamen sogar ganz ohne neue Fonds aus.  

Richtig in Fahrt kam der Markt erst 2016. Zwei Jahre später debutierten bereits 46 neue Produkte - mehr als es bis 2015 überhaupt gab. "Die Wachstumsdynamik hat insbesondere in den vergangenen 20 Monaten deutlich zugenommen", stellen die Analysten von Scope fest. "In dieser Zeit wurden mehr als 50 Prozent, sprich 79 Fonds, der derzeitigen Produkte aufgelegt."

Größere Auswahl macht Entscheidung schwerer

Für Anleger ist das große Angebot – Scope erfasst inzwischen 145 nachhaltige Fonds – Segen und Fluch zugleich. Einerseits sind die Gebühren kräftig gesunken. Die günstigsten Fonds sind kaum teurer als die entsprechenden Produkte auf den Weltindex MSCI World. Andererseits bedeutet ein erweitertes Angebot nicht nur mehr Auswahl, sondern erschwert auch die Entscheidung. Das liegt nicht zuletzt an dem schwammigen Begriff Nachhaltigkeit, der ökologische, soziale, ethische und sogar religiöse Kriterien, auch Islamic-ETFs zählen zu dem Segment, umfassen kann.

Entsprechend groß ist die Bandbreite der Fonds mit dem Kürzel ESG, das für Umwelt, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung steht. So erreicht der ESG Universal mit 1.613 Aktien fast den Umfang des MSCI World. Doch je strenger die Auswahl, desto mehr Werte fallen durch das Raster. So kommen andere Indizes auf nur die Hälfte der Titel und der derzeit strikteste Index zählt gerade einmal 225 Aktien.

Nachhaltigkeit und Rendite sind kein Widerspruch

Doch die Entscheidung für einen nachhaltigen Fonds ist nicht nur Gewissenssache. "Wer ökologisch-nachhaltig anlegt, muss keine Abstriche an der Performance machen", erklärt Charlotte Hinze im Buchkapitel "Die Zukunft der Geldanlage ist nachhaltig". Anleger können der Springer-Autorin zufolge sogar eine Zusatzrendite einstreichen. Auf Sicht von einem und drei Jahren schlagen fast alle ESG-Indizes den MSCI World. Nur der strikte Select SRI hinkt mit 11,09 Prozent jährlicher Rendite dem Weltindex, der auf 11,86 Prozent kommt, hinterher. Moralischer Rigorismus scheint sich also nicht auszuzahlen und "die Gefahr ist groß, am eigenen Anspruch zu scheitern", so Hinze. Deshalb sei eine 90-prozentige Anlagelösung besser als keine.

Es überrascht daher nicht, dass das Thema Nachhaltigkeit inzwischen den Rang eines der fünf Gebote der Geldanlage erreicht hat. Das magische Viereck aus Sicherheit, Rentabilität, Liquidierbarkeit und Steueroptimierung sei damit zum magischen Fünfeck geworden, schreiben Philipp Karl Maximilian Lindmayer und Hans-Ulrich Dietz im Buchkapitel "Vermögensaufbau mit Investmentfonds". Es umfasse mittlerweile auch "die Nachhaltige Geldanlage im Sinne von Sustainable Finance."

Autor(en): Michael Fuchs

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