Corona hat die Nachhaltigkeit weiter ins Bewusstsein gerückt

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Nachhaltigkeit steht bei der Zurich nicht erst seit kurzem auf der Agenda. Der Versicherer hat sich schon vor mehr als einem Jahrzehnt der Nachhaltigkeit verpflichtet. Versicherungsmagazin sprach mit Ulrich Christmann, verantwortlicher Vorstand Bank Partner der Zurich Gruppe Deutschland, unter anderem darüber, welche Anstrengungen die Gruppe unternimmt, damit Produkte ESG-Kriterien erfüllen.

Nachhaltigkeit ist derzeit ein Trendthema. Viele Unternehmen wollen sich mit Nachhaltigkeitsfedern schmücken. Welche Kriterien legen Sie in ihrem Haus für nachhaltige Produkte zugrunde und seit wann haben Sie Nachhaltigkeit im Fokus?
Ulrich Christmann:
Zurich hat sich schon vor mehr als zehn Jahren dem Weg in die Nachhaltigkeit verpflichtet. Das gilt sowohl für das Unternehmen als auch bei unseren Produkten und bei der Anlage der Kundengelder, die uns als Versicherer anvertraut werden. Neben den Investitionen in unserem Deckungsstock, die sowohl nachhaltige ESG- als auch SDG- und Impact-Investments enthalten, fokussieren wir uns als Premiumanbieter von Fondspolicen in diesem Bereich auf den ESG-Ansatz. Hierbei werden die Unternehmen innerhalb der Fondsinvestments ins-besondere im Hinblick auf die Kriterien Umwelt (Environment), Soziales (Social) und faire Unternehmensführung (Governance) bewertet.

Was heißt das konkret?
Im Bereich Umweltschutz wird beispielsweise ein Augenmerk auf Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und den Schutz der biologischen Vielfalt gelegt. Soziale Kriterien sind etwa die Einhaltung anerkannter arbeitsrechtlicher Standards - keine Kinder- und Zwangsarbeit, keine Diskriminierung - sowie der Gewerkschafts- und Versammlungsfreiheit, in freiwilliger Selbstverpflichtung weit über gesetzliche Standards hinaus. Als gute Unternehmensführung werden unter anderem die Gewährleistung von Arbeitnehmerrechten, Gewährleistung des Datenschutzes sowie die Offenlegung von Informationen und somit Transparenz angesehen. Im Gegensatz zu den ESG-Standards, wo primär ein Augenmerk auf das Innere eines Unternehmens gelegt wird, wird bei SDG Investments (Sustainable Development Goals der UN) zusätzlich darauf geachtet, dass auch die erzeugten Produkte positiv auf die Nachhaltigkeit einzahlen. Impact-Investitionen stellt die wirkungsvollste Anlageform dar. Hier werden alle anderen Ziele dem Nachhaltigkeitsgedanken untergeordnet.

Wie überprüfen Sie, ob Produkte wirklich den ESG-Kriterien entsprechen?
Die genannten sowie weitere Kriterien für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung werden in konkret messbare Parameter und Kennziffern umgewandelt. Zur Beurteilung und Analyse in der Tiefe greifen wir auf das Expertenwissen renommierter und spezialisierter Ratingagenturen zurück und nutzen Datenanbieter, die diese Kennzahlen für Investments ermitteln, bewerten und dann eine Art ESG-Schulnote für ein Unternehmen oder ein Fondsportfolio festlegen.

Dazu zwei Beispiele: Wenn wir ein Produkt als ESG-konform ausweisen, arbeiten wir unter anderem mit Ausschlusskriterien. Investitionen in Unternehmen, die beispielsweise kontroverse Waffen herstellen, an der Herstellung mitwirken oder mit solchen Waffen handeln, schließen wir kategorisch aus. Hinzu kommen Schwellenwerte. Das bedeutet, dass nur dann in ein Unternehmen investiert wird, wenn es einen sehr geringen Umsatz in einem problematischen Sektor oder in einer umstrittenen Warengruppe macht. Zu diesen Sektoren zählen unter anderem Kohle, Rüstung und Tabak. Unternehmen, die bestimmte Umsatzschwellen in diesen Sektoren überschreiten, werden gar nicht erst ausgewählt. Wobei wir diese Schwellenwerte, genau wie alle anderen Kriterien für das Portfolio, ständig überprüfen und bei Bedarf anpassen beziehungsweise nachschärfen.

Welchen Einfluss hat die neue EU-Taxonomie auf diesen Prozess?
Auf Ebene der Europäischen Union wird zurzeit eine Reihe von Gesetzen zum Thema Nachhaltigkeit im Finanzsektor vorbereitet. Neben der Transparenzverordnung, die Unternehmen zur Offenlegung bestimmter Informationen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit verpflichtet, fällt auch die EU-Taxonomie in diesen Bereich. Mit unseren nachhaltigen Aktivitäten sowohl für den klassischen Versicherungsbereich (Deckungsstock) als auch im fondsgebundenen Bereich haben wir lange vor Bekanntwerden der Gesetzgebungsvorhaben bereits begonnen. Deshalb fordert uns die Taxonomie eher insofern heraus, als wir klären müssen, wie wir unsere Produkte in ein korrektes und aussagefähiges Raster eingruppieren und weniger in der Hinsicht, dass wir jetzt anfangen müssen, unsere Produkte auf "nachhaltig" umzustellen.

Bewerben Sie sich! Versicherungsmagazin und Morgen & Morgen küren nachhaltige Versicherer

Gemeinsam haben Versicherungsmagazin, Bankmagazin und das Software- und Analysehaus Morgen & Morgen den "Sustainable Award in Finance" ins Leben gerufen. Hier können sich Unternehmen beweisen, die auf Nachhaltigkeit setzen.
Weitere Informationen und die Teilnehmerunterlagen können Interessenten hier abrufen: www.sustainable-award-in-finance.de

Wie groß ist der Anteil nachhaltiger Produkte in ihrem Portfolio? 
Im Bankvertrieb fällt der Startschuss zur Vermarktung unserer ESG Produktlinie am 3. August 2020. Wir werden unseren Kunden im Rahmen einer Fondspolice (FondsRente) drei verschiedene gemanagte Depotmodell-Lösungen anbieten, sowie die Auswahl mehrerer nachhaltiger Einzelfonds. Auch wenn ESG unser Schwerpunkt ist, bieten wir zusätzlich die Möglichkeit in SDG- und Impact Investments beispielsweise in Form eines Green Bonds, anzulegen. Insgesamt machen Fondspolicen die Mehrheit unseres Geschäfts im Lebensversicherungsbereich aus. Ich wage die Prognose, dass wir auch in Zukunft den größten Teil des Umsatzes mit Fondspolicen erzielen werden und bin zuversichtlich, dass unsere Kunden die nachhaltigen Angebote annehmen werden.

Laut einer Zurich-Studie ist knapp die Hälfte der Deutschen bereit, bei künftigen Geldanlagen Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen. Bemerken Sie dies auch praktisch im Abschlussverhalten der Kunden?
Im Zuge der Produktentwicklung haben wir Kolleginnen und Kollegen aus Produktentwicklung und Vertriebskonzeption direkt auf die Straße geschickt, um qualitative Marktforschung zu betreiben. Sie waren in den Innenstädten von Köln und Frankfurt unterwegs und haben mit Passanten über Nachhaltigkeit gesprochen. Dabei wurden diese natürlich auch nach Geldanlagen beziehungsweise Altersvorsorge gefragt. Viele denken beim Stichwort Nachhaltigkeit nicht direkt an Geldanlagen oder Vorsorgeprodukte, aber uns wurde auch gesagt, dass die Nachhaltigkeit bei Geldanlagen wichtig sei. Die Ergebnisse waren durchweg interessant und sind wesentlich in die Entwicklung unserer ESG Lösungen eingeflossen.

Auch im Zuge der Corona-Pandemie ist Nachhaltigkeit weiter ins Bewusstsein gerückt. Wir alle denken über unser Mobilitätsverhalten nach, über Urlaubsreisen, über ressourcenschonendes Arbeiten von zu Hause, darüber, wie und von wem unser Gemüse geerntet wird und wo es herkommt, wie wir unser Fleisch herstellen und Tiere halten und über noch vieles mehr. Ich bin sicher, dass diese schwierige Zeit uns weiter mit auf die Reise nimmt Nachhaltigkeit in unser tägliches Handeln zu integrieren, auch in unserer Vermögensanlage und Altersvorsorge.

Welche Bedeutung hat der Bankvertrieb im Vertriebswegemix der Zurich?
Der Bankvertrieb hatte in den letzten Jahren einen sehr hohen Anteil am Vertrieb von Altersvorsorge- und Biometrieprodukten. Gerade im vergangenen Jahr zeigte sich dieser Kanal ausgesprochen vertriebsstark, wir haben noch einmal deutlich zugelegt, und ich bin überzeugt, dass die Bedeutung des Bankvertriebs aufgrund des Kundenverhaltens noch weiter steigen wird. Zur Baufinanzierung etwa wollen und können sie direkt die Absicherung der Raten abschließen, am besten direkt bei ihrem Bankberater. Wir können das bieten!

Was sind Ihre Vertriebsziele für die kommenden Jahre?
Biometrie, also zum Beispiel die Absicherung von finanziellen Risiken einer Berufsunfähigkeit, wird noch an Bedeutung gewinnen. Zugleich wollen wir unsere Top-Position bei den Fondspolicen weiter ausbauen. Hier haben wir jede Menge Potenzial, da die fondsgebundene Versicherung für unsere Kunden in Zeiten niedriger Zinsen die beste Lösung darstellt. Wo können Sie heute sonst noch eine vertretbare Wertsteigerung erzielen?

Ulrich Christmann

Ulrich Christmann (56, im Bild) ist seit dem 1. Februar 2019 verantwortlicher Vorstand Bank Partner der Zurich Gruppe Deutschland. Er bringt ein breites Spektrum an Fach- und Führungserfahrung aus der Bankenwelt mit. Seit 1983 bekleidete er verschiedene leitende Funktionen innerhalb des Privatkundengeschäftes sowie im Wealth Management Deutschland im Deutsche Bank Konzern. So verantwortete er  die Betreuung großer privater und institutioneller Vermögen, führte im Privatkundensegment unter anderem die Retail-Organisation in Deutschland und leitete das Kundensegment Private Banking. Vor dem Wechsel zur Zurich Gruppe Deutschland war er für das Investment- und Beratungsgeschäft für Privatkunden der Deutschen Bank zuständig.

Autor(en): Alexa Michopoulos

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