16.12.2013

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Wie viele Vermittler braucht das Land?

Mit der zunehmenden Regulierung könnte sich die immer noch vergleichsweise hohe Zahl an Versicherungsvermittlern deutlich reduzieren. Eine solche Entwicklung wird von vielen Branchenbeobachtern begrüßt - allerdings immer nur dann, wenn es "die Anderen" trifft.

Deutschland weist in seinem Vermittlerregister immer noch knapp eine Viertelmillion registrierte Versicherungsvermittler auf. Dies entspricht wohl etwa einem Viertel der Gesamtzahl in Europa registrierter Vermittler, was offensichtlich nicht dem Bevölkerungsanteil entspricht. Der Grund ist einfach: Mit typisch deutscher Gründlichkeit wurden hierzulande alle möglichen Vertriebsformen in die Registrierung getrieben, darunter vermutlich nicht wenige Annex- und Sondervertriebe oder Gelegenheitsvermittler mit Karteileichenstatus.

Marktbereinigung überfällig

Solche Zahlen reizen aber dazu, eine Schieflage im Vermittlermarkt zu sehen und eine Bereinigung zu fordern. "Eine Marktbereinigung bei den Vermittlern ist aus Verbrauchersicht überfällig", zitiert beispielsweise der "Versicherungsbote" Axel Kleinlein, den Vorstandsvorsitzenden des Bundes der Versicherten. "Wir haben in Deutschland ein Überangebot an Vermittlern", meint auch Lars Gatschke, Versicherungsreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Doch nicht nur von der Verbraucherschutzseite, auch aus Vermittlerverbänden, von Vertriebsvorständen und Branchenbeobachtern hört und liest man immer wieder die These, dass es zu viele Vertreter und Makler gibt, und dass die Marktverhältnisse und das Ansehen des Berufsstands schlagartig besser werden, wenn diese Zahl deutlich reduziert würde.

Nach marktwirtschaftlichen Regeln überflüssige Diskussion
Aus ökonomischer Sicht beantwortet der Markt selbst die Frage, wie viele Anbieter er ertragen und ernähren kann. Wenn "der Verbraucher" keine Nachfrage entwickelt, verlässt der Anbieter von alleine den Markt. Da braucht es gar keine Regulierung, um nachzuhelfen.

Die Frage nach der "richtigen" Zahl der Vermittler ist genauso sinnvoll wie diejenige nach der "richtigen" Zahl der Ärzte, der Anwälte, der Frisöre, der Einzelhandelsgeschäfte, der Tankstellen, der Autohändler und so weiter. Aber wo der Staat versucht hat, diese Frage zu beantworten, hat sich der Markt eher zum Nachteil der Kunden verengt.

Marktverengung nützt den Verbrauchern nichts
Beispiel Krankenkassen: Die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt behauptete, mehr als 50 Krankenkassen bräuchte Deutschland nicht. Sie nahm den Kassen ihre wichtigste Waffe im Wettbewerb, die Freiheit der Preisfestsetzung (des Beitragssatzes) weg. Ziel sollte sein, dass die "richtige" Zahl der Kassen erreicht und danach für die Versicherten alles viel besser wird, weil Wettbewerb nur noch über Leistungen statt Beiträge ausgetragen würde. Denn, so die simple Logik, weniger Kassen bedeute weniger Vorstandsgehälter und weniger Verwaltungskosten - und schon wird die Krankenversicherung für alle viel billiger.

Nun, die 50 Kassen haben wir noch nicht ganz erreicht, aber der Schrumpfungsprozess ist in den vergangenen Jahren zügig vorangeschritten. Doch für die Mitglieder günstiger geworden ist die Krankenversicherung bisher erkennbar nicht.

Wohin eine solche Entwicklung münden kann, zeigt die extreme Marktverengung bei Energieleistungen und Treibstoffen oder in manchen Handelsbereichen, die nur noch von sehr wenigen Ketten dominiert werden. Oligopole aber nutzen den Kunden nicht, sie schaden, weil sich der Kunde kaum gegen deren Preissetzungen wehren kann. Da helfen auch Benzinpreis-Vergleichsportale nur wenig.

Vertrauen lässt sich nicht einfach umverteilen
Bei Versicherungsvermittlern ist noch etwas ganz anderes zu berücksichtigen. Versicherungen sind zuallererst ein Vertrauensgeschäft. Vermittler gewinnen und binden zumindest ihre Privatkunden ganz überwiegend über langandauernde, stabile Beziehungen. Das begrenzt die Zahl der Kunden auf natürliche Weise. Wenn in dieser Situation Vermittler aus dem Markt herausreguliert werden, bleibt nicht etwa für die übrigen Vermittler ein größeres Stück vom Kundenkuchen übrig. Die vertraute Verbindung geht verloren, und die Kunden werden tendenziell eher - je nach empfundener Dringlichkeit des Versicherungsabschlusses - in Internet- und andere Direktformen ausweichen, zum Beispiel bei Pflichtversicherungen wie Kfz, oder auf Beratung und Kauf von Versicherungsschutz künftig verzichten.

Der Glaube an eine rein statische Umverteilung eines Kundenkuchens ist ungefähr so realistisch wie die Meinung der Gewerkschaften in den 1980er Jahren, dass durch eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden mehr Arbeitnehmer an dem vermeintlich statischen Arbeitskuchen teilhaben können. Die Gewerkschaften haben vor vielen Jahren realisiert, dass der Arbeitskuchen keineswegs statisch ist, sondern ins Billiglohnausland wegbröckelt, wenn man die Arbeit hier zu teuer werden lässt.

Kuchen verteilen, ohne dass er zerbröselt
Nun ist es Zeit zu realisieren, dass auch der Versicherungsvermittlungskuchen nicht statisch ist und einfach nur neu verteilt werden muss, ohne dass bedeutende Stücke wegbröckeln. Die Folgekosten trägt dann übrigens der Steuerzahler in Gestalt von höheren Grundsicherungs- und anderen Sozialleistungen. Nur in einem Punkt sind sich die Betroffenen im Vermittlerlager einig. Wenn es um die Frage geht, wer denn ihrer Meinung nach aus dem Markt herausreguliert werden sollte, dann sind es definitiv immer "die Anderen". Ob das wohl eine realistische Sicht der Dinge ist?
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 16.12.2013 14:12:48 von Alexander Alberg: Konkurenz, so was blödes....

Ja, es stimmt, die freie Vermittler bzw. Makler sind schon lange ein Dorn im Auge, ob bei der Aschließligkeit, oder bei Bänkern. Mich wundert auch immer wieder, dass die Verbraucherschützer die einfachen Tatsachen wie: nur die Konkurenz aber keine Diktatur, belebt das Geschäft, regellt die Preise und zwingt die Anbieter auch eine bessere Service zu bieten, nicht verstehen oder es nicht verstehen wollen.
Wer das nicht begreifen kann, soll eventuell für ein Paar Jahren nach z.B. Kuba, Weißrusland, Sürkorea oder zurück in die Zukunft nach DDR ausreisen!!! Auch in der UdSSR war von oben alles vorgeschrieben, sprich einfach Planwirtschaft....
Wie vergesslich sind die Menschen eigentlich???
mehr ...
am 17.12.2013 08:57:00 von Martin Kasten: Richtig so

Kommentar zu: Konkurenz, so was blödes....

Ja, es stimmt, die freie Vermittler bzw. Makler sind schon lange ein Dorn im Auge, ob bei der Aschließligkeit, oder bei Bänkern. Mich wundert auch immer wieder, dass die Verbraucherschützer die einfachen Tatsachen wie: nur die Konkurenz aber keine Diktatur, belebt das Geschäft, regellt die Preise...
Herr Kleinlein hat in vielen Dingen recht, auch wenn es vielen nicht gefällt. Die ganzen Drückerbuden bestätigen das doch. Vom Automechaniker zum Vermögensberater mit Anzug und Porsche über Nacht.
Wenn alle Versicherungsvermittler an einer optimalen Beratung für ihre Kunden interessiert wären, so müssten sie auch Direktversicherer ins Boot holen und vermitteln. Das habe ich leider noch nicht erlebt. Denn es gibt´s dort keine Provisionen. Also ist auch kein Makler unabhängig.

Vorschlag:
1. Es darf nur noch Versicherungen, Fonds, Baufinanzierungen, Immobilien etc. verkaufen, der eine staatliche Ausbildung hat. ZB Fachberater für Finanzberatung (IHK).
2. Es werden professionelle Finanzanalysen vorgeschrieben, zB MWS Braun.
3. Dann sollte nur noch ein Beratungshonorar genommen werden (dann würden die Verbraucherzentralen in der Finanzberatung überflüssig). Dort ist eine Ausbildung wie o.g. auch nicht vorgeschrieben.
4. Kreditinstitute müssen den selben Vorgaben unterliegen wie unabhängige Vermittler.
5. Es darf keiner Untervermittler anbinden, die nicht über die staatliche Ausbildung verfügen.
6. Nebenberufliche Vermittler (Tippgeber) werden dann überflüssig, wenn auf Honorar beraten wird, analog eines Steuerberaters.

Aber es wird leider nie ein Gesamtkonzept im Sinne der Verbraucher geben, solange Banken und Versicherungen die Gesetze mitverursachen.
mehr ...
FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
2017 wird das Jahr der Cyber-Versicherung, prophezeiten Branchenvertreter vergangenes Jahr. Ein Meilenstein von der Nischen-Police hin zur Entwicklung einer eigenständigen Sparte bilden die unverbindlichen Musterbedingungen für eine Cyberrisiko-Versicherung. Details zum...  » mehr
28.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Ein Unternehmen verkaufte über Dritte Blankodeckungskarten für Kurzzeitkennzeichen, ohne dass diese Firma dabei jemals direkten Kontakt zu den Kunden beziehungsweise Versicherern hatte. Das Finanzamt forderte die Umsatzsteuerpflicht für derartige Courtageeinnehmen, da keine...  » mehr
28.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Bafin hat in ihrem Journal Auswirkungen des IDD-Umsetzungsgesetzes für die Versicherungsbranche skizziert. Sie ermuntert dabei die Versicherer, es werde alles nicht so schlimm. Das könnte aber Zweckoptimismus sein.  » mehr
27.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Setzen Sie auf digitales ICM und legen Sie Kalkulationstabellen ad acta! NACHRICHT
Laut IBM sind zwischen 5 und 10% aller entgangenen Verkaufschancen auf ein ineffizientes Incentive Compensation Management zurückzuführen. Comarch Commission & Incentive erfüllt als Lösung alle für den Versicherungsmarkt spezifischen Anforderungen in Bezug auf die...  » mehr
25.03.2017
   WebTV   Bildergalerie   ANZEIGE
Die Philosophie von Element, dem ersten voll digitalen Versicherer, lässt sich am besten aus seiner Personalsuche ableiten. So fahndet das künftige Versicherungsunternehmen, hinter dem das 2014 gegründete Fintech Finleap steht, derzeit nach dem "Leiter Produktmanagement". Er...  » mehr
23.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Ist ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot allgemein gehalten und ungenau formuliert, so ist diese Klausel unwirksam.  » mehr
21.03.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Agentur-Champions 2017
Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer

Es gibt viele Gründe, warum Agenten für ihren Versicherer tätig sind und Produkte vermitteln. In dieser Partnerschaft können Versicherer punkten, wenn sie einen guten Service bieten. Welche Unternehmen nehmen diese Aufgabe ernst und bei welchen besteht Verbesserungsbedarf? Helfen Sie mit, den Markt transparenter zu gestalten. Die anonyme Online-Befragung dauert nur wenige Minuten.
Innovationspreis
Auf der Suche nach neuen Ansätzen Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Zum vierten Mal sucht Versicherungsmagazin in Kooperation mit den Analysten von Morgen & Morgen die innovativsten neuen Versicherungsprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einige Neuerungen. Einsendeschluß für Bewerbungen zum Innovationspreis der Assekuranz ist der 31. Mai 2017.
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 30. April möglich.
Fahrerassistenzsysteme
Die Zukunftsstrategien der Versicherer Die Zukunftsstrategien der Versicherer

Die 3. Internationale ATZ-Fachtagung Automatisiertes Fahren, die von Versicherungsmagazin und der Zeitschrift ATZ veranstaltet wird, beschäftigt sich mit den Trends Telematik, Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren. Diskutiert wird dort auch über: Versicherungskonzepte für automatisiertes Fahren, Innovationen in der Kfz-Versicherung, Neue Mobilität und traditionellen Versicherer. Auf dieser Tagung erwarten Sie spannende Vorträge hochkarätiger Experten aus der Versicherungs- und Automobilbranche.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen