31.03.2014

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

IMD2 verletzt Grundsatz der Gewaltenteilung

Der BVK begrüßt die Ende Februar vom Europäischen Parlament verabschiedete Fassung der neuen Vermittlerrichtlinie, weil sie in weiten Teilen eine Wettbewerbsgerechtigkeit herstellt. Sehr kritisch äußert sich der Vermittlerverband aber zu den weitgehenden Befugnissen für die Versicherungsaufsicht.

Die Vermittlerrichtlinie 2 hat nach dem Trilog – einem Dreiergespräch zwischen Europäischer Kommission, Parlament und Rat – zur Wertpapierdienstleistungs-Richtlinie MiFID einen neuen Schub bekommen. Denn zur Freude der Versicherungsbranche wurden Versicherungsanlageprodukte nicht in die MiFID einbezogen. Es war aber klar, dass dies den Druck erhöhen würde, vergleichbare schärfere Regeln für solche Produkte in der benachbarten Vermittlerrichtlinie (IMD) zu verankern.

Keine durchgängige Wettbewerbsgerechtigkeit
Am 26. Februar hat das Europäische Parlament seine Linie festgezurrt und einen Entwurf verabschiedet, der verschiedene Erleichterungen gegenüber der ursprünglichen Textfassung der Europäischen Kommission von 2012 vorsieht. Dies begrüßt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) in einer Stellungnahme ausdrücklich.
Vor allem sieht der Verband in der Neufassung eine höhere Wettbewerbsgerechtigkeit gesichert, weil auch Angestellte nun in den Geltungsbereich einbezogen werden. Dieses Prinzip werde allerdings „nicht durchgängig aufrechterhalten“, beklagt der BVK. Denn weiterhin bleiben Ausnahmen bestehen: Versicherer können für erlaubnisfreie gebundene Vertreter weiter selbst die Eignung feststellen und Qualifizierung gewährleisten.
In größeren Vermittlungsunternehmen wie zum Beispiel Banken muss auch weiterhin nicht jeder selbst qualifiziert sein, der die Kunden tatsächlich berät. Der BVK bemängelt gerade bei den Banken eine fehlende Qualifizierung, in manchen Filialen sei kein einziger Mitarbeiter ausgebildet.

Der BVK begrüßt die Anforderung zur regelmäßigen Weiterbildung. Hier wünscht er sich jedoch noch eine Klarstellung, denn der jetzt verabschiedete Entwurf der IMD spricht von 200 Stunden Weiterbildung in fünf Jahren – die deutsche „gut beraten“-Initiative definiert „Stunde“ allerdings nur als „Schulstunde“ zu 45 Minuten. Ob das mit der Intention des Europäischen Parlaments konform geht, ist noch nicht bekannt. 200 Zeitstunden würde der BVK jedenfalls als unverhältnismäßig viel ansehen.

Versicherungsaufsicht als Ersatz-Gesetzgeber?
Der BVK positioniert sich weiterhin kritisch zur geplanten Offenlegungspflicht der Provisionen. Diese wurde zwar im aktuellen Entwurf deutlich entschärft, es soll nur noch zwingend die Art und Quelle der Vergütung genannt werden müssen. Auf Nachfrage kann der Kunde aber weitergehende Details verlangen, welche, muss noch definiert werden. Das große „Aber“ lautet, dass zum einen die Mitgliedsstaaten ausdrücklich weitergehende Regelungen wie beispielsweise einen zwingenden Ausweis der konkret gezahlten Provision einführen können, und dass die Europäische Versicherungsaufsicht EIOPA den Umfang der Offenlegungspflicht näher definieren darf.

Überhaupt reibt sich der BVK an der prominenten Stellung, die die EIOPA über weitgehende Ermächtigungsgrundlagen erhält und sieht das Prinzip der Gewaltenteilung zwischen Legislative und Exekutive verletzt. Für Deutschland jedenfalls hält der BVK daran fest, dass der Ausweis der in eine Versicherung einkalkulierten Kosten nach der Versicherungsvertragsgesetz-Informationspflichtenverordnung für den Kunden viel hilfreicher und für seine Entscheidung relevanter ist und deshalb auch in Zukunft ausreichen sollte. „Eine Fokussierung auf die Vergütung kann zu falschen Anreizen im Verbraucherverhalten führen“, so der BVK.
Der Verband begrüßt die Etablierung eines Produktinformationsblatts über die neue IMD. Gleichwohl will er aber verhindert wissen, dass die Versicherer ihre Pflichten in diesem Zusammenhang auf die Vermittler abwälzen.

Klassische Lebensversicherungen sind keine Anlageprodukte
Für die Versicherungsanlageprodukte fordert der BVK ebenfalls eine Klarstellung. Nach der jetzigen Fassung der Richtlinie ist nicht auszuschließen, dass jegliche Form einer Lebens- und Rentenversicherung mit Sparanteilen dieser Kategorie zugeordnet wird, mit der Folge verschärfter Pflichten bei der Produktinformation und der Beratung. Klassische deckungsstockgestützte Lebens- und Rentenversicherung seien aber „von der Grundtendenz eher ein Versicherungsprodukt als ein Anlageprodukt“, dienen der Altersvorsorge, sehen eine langfristige Bindung und einen Vorrang der garantierten Leistungen für die gesamte Versichertengemeinschaft vor „möglichst hohen Auszahlungen an Einzelne“ vor.
Ausdrücklich wendet sich der Verband schließlich gegen die von der EU geplanten Sanktionen bei Verstößen gegen das Vermittlerrecht. Eine Obergrenze bei möglichen Geldstrafen von immerhin fünf Millionen Euro für natürliche Personen lehnt er „als völlig unverhältnismäßig“ ab.

Versicherer zur Unterstützung aufgefordert
Insgesamt stellt sich aber die Vermittlerschaft darauf ein, dass sich der Versicherungsvertrieb deutlich verändern wird. Gerade bei den Vertriebsformen und den tradierten Vergütungen wird es Änderungen geben, machte BVK-Präsident Michael H. Heinz auch beim 4. Versicherungsvermittler-Tag Nord-Westfalen in Münster deutlich. Die Politik fordere Änderungen, und diesen müssen Vermittler sich stellen, machte er in einer Podiumsdiskussion deutlich.

Allerdings forderte Heinz von den Versicherern mit Blick auf die geplante Deckelung der Lebensversicherungsprovisionen und mögliche Erhöhung der Stornohaftzeiten mehr Unterstützung ein. Die Unternehmen dürften sich nicht zurückziehen und die Vermittler die Kürzungen ausbaden lassen. Fantasie sei gefordert, auch mit neuen Vergütungsmodellen und dazu passenden Tarifen den Vermittlern eine auskömmliche Entlohnung zu sichern.

Bildquelle: Picscout / Picture alliance
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 31.03.2014 07:36:24 von H. Braun: Anlageprodukt nach §34f

Unabhängig, dass kein Kunde nach korrekter Beratung nach §34f (mit Hinweis z. B. auf §89 VAG) eine LV/RV abschliessen wird, stellt sich folgende Frage:
Wieso ist denn z. B. ein reiner Investmentfond ein Anlageprodukt und der gleiche Fonds im Versicherungsmantel nicht? Das fällt wohl unter Compliance.
mehr ...
am 02.04.2014 11:02:53 von Leuthner: Versorgung oder Invest

Grundsätzlich kann sicher auch die Frage gestellt werden "was eine Investmentfonds überhaupt in einer Biometrischen Versorgung zu suchen" HAt nicht gerade deshalb die gesetzliche Rente immer noch so einen erstaunlich guten Ruf, weil hier immer nur über Absicherung des Alters gesprochen wird, einhergehend mit einer "sicheren" lebenslangen Rente. So viel Ruhm hat die Branche sich in den vergangenen Jahren mit Ihren "Investmentversicherungen" nicht unbedingt verdient. Hingegen sind die Aussagen bei ablaufenden klassischen Lebens-, od. Rentenversicherungen eigentlich immer die gleichen; "ja so schlecht lief das ja gar nicht, da hätte ich früher mal mehr machen sollen, hätte ich das gewusst". Meine Meinung ist nach wie vor eine Rentenversicherung (klassisch) dient dem Zweck, verlässliche gleichmäßig hohe Auszahlungen zu gewährleisten für den zu Versorgenden sowie dessen Angehörigen.

VG
mehr ...
FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat in zwei ähnlich gelagerten Revisionsverfahren entschieden, dass eine Bausparkasse Altverträge kündigen kann, wenn diese seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind.  » mehr
23.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Rund 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben eine betriebliche Altersversorgung (bAV). Diese Zahl stagniert seit Jahren. Eine automatische Entgeldumwandlung könnte die Teilnahmequote an der bAV erhöhen. Eine breite Mehrheit der Arbeitnehmer würde dies befürworten,...  » mehr
23.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen gibt es seit Anfang des Jahres in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Noch immer erfolgt die Einstufung durch einen Hausbesuch des Gutachters. Für Pflegebdedürftige, Angehörige aber auch Versicherungsvermittler hat die...  » mehr
23.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Der Versicherer ist im Falle eines Rechtsstreits gemäß § 11 AUB nicht an sein gegebenes Anerkenntnis gebunden.  » mehr
23.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Generali Global Corporate & Commercial (GC&C), der internationale Industrieversicherungszweig der Generali Group, ernennt Michael Stout mit Wirkung zum 1. April 2017 zum Head of Property in Deutschland. In dieser Rolle soll er die Entwicklung und den Aufbau des...  » mehr
22.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Jochen Herdecke (57), Mitglied des Vorstands der VGH Versicherungen, ist mit sofortiger Wirkung aus gesundheitlichen Gründen in den vorgezogenen Ruhestand gewechselt.  » mehr
21.02.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 31. März möglich.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
Fahrerassistenzsysteme
Die Zukunftsstrategien der Versicherer Die Zukunftsstrategien der Versicherer

Die 3. Internationale ATZ-Fachtagung Automatisiertes Fahren, die von Versicherungsmagazin und der Zeitschrift ATZ veranstaltet wird, beschäftigt sich mit den Trends Telematik, Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren. Diskutiert wird dort auch über: Versicherungskonzepte für automatisiertes Fahren, Innovationen in der Kfz-Versicherung, Neue Mobilität und traditionellen Versicherer. Auf dieser Tagung erwarten Sie spannende Vorträge hochkarätiger Experten aus der Versicherungs- und Automobilbranche.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
Anlage Praxis
Was Bulle und Bär 2017 vorhaben Was Bulle und Bär 2017 vorhaben

Die Anlage Praxis informiert über die wichtigsten Entwicklungen an den internationalen Börsen. Der Finanzbranche stehen 2017 grundlegende Veränderungen bevor, auch ausgelöst durch die neuen Regeln der Finanzmarktrichtlinie Mifid-II. Mit welchen Folgen Anlageberater und Vermittler rechnen müssen, erläutert Ihnen die Januar-Ausgabe der Anlage Praxis.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen