10.11.2014

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Makler sind keine Verbraucherschützer

Einen aufschlussreichen Blick nach Österreich bot eine Veranstaltung der Johannes Kepler Universität Linz. Wie unsere Nachbarn mit dem Thema Vergütung und Lebensversicherung umgehen.

Bei der Herbstveranstaltung des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Johannes Kepler Universität in Linz standen "Neue Vergütungsmodell in der Versicherungswirtschaft" im Zentrum. Die Niedrigzinsen verursachen den österreichischen Versicherern dieselben Probleme, ihre Produkte als attraktive Altersvorsorge zu verkaufen. Dabei kommt in Österreich erschwerend eine Versicherungsteuer in Höhe von vier Prozent hinzu, die die „Rendite“ der Lebensversicherung schmälert. In der Beziehung haben es die deutschen Lebensversicherer und ihre Vermittler leichter.

Honorar auch in Österreich kaum verbreitet
Wie bei uns ist die Stimmung leicht reizbar, wenn es um mögliche Eingriffe in das auch in Österreich deutlich dominierende Provisionsmodell geht. Selbst beim größten Versicherungsmakler des Landes Greco International AG machen Honorare nur 15 Prozent des Umsatzes aus, so deren Vorstand Andreas Krebs. Nettotarife für die Honorarvermittlung sind ebenfalls Mangelware.

Krebs wusste aus der Slowakei zu berichten, dass dort ein Courtageverbot zu einer massiven Veränderung des Vertriebs geführt hat. Die slowakischen Makler seien dem Verbot aus dem Weg gegangen, indem sie entweder wieder Agenten wurden oder ihren Sitz ins benachbarte Ausland verlegten. Einen erkennbaren Nutzen hat die Slowakei damit nicht erzielt. Insofern waren Krebs und Tagungsleiter Dr. Josef Stockinger, Chef der Oberösterreichischen Versicherung AG, einig, dass das Provisionsmodell erhalten bleiben soll. Allerdings zeigten beide Bereitschaft, dem Kunden gegenüber mehr Transparenz über die Kosten zu zeigen.

Österreichischer Konsumentenschutz kein Förderer der Honorarberatung

Anders als in Deutschland scheint aber auch der Verbraucherschutz, im Österreichischen als Konsumentenschutz bekannt, alles andere als ein Förderer der Honorarberatung zu sein. Für die Arbeiterkammer Wien bekannte Christian Prantner in seinem Vortrag, dass Honorar keineswegs die Lösung aller Übel sei. Überhaupt referierte er in sehr ausgewogener Weise, ohne klare Forderungen nach mehr Verbraucherschutz auszusparen. Offenbar versuchen österreichische Verbraucherschützer nicht den Spagat zwischen dem Anspruch, als so genannter Finanzmarktwächter den Markt zu beaufsichtigen, gleichzeitig aber auch als Honorarberater im selben Markt mitzumischen und zu den Vermittlern in Konkurrenz zu treten.

Forderung stößt auf offene Ohren
Prantner forderte im Wesentlichen eine stärkere Verteilung der Abschlussprovisionen auf die Laufzeit, um den Anreiz zum raschen Abverkauf von Lebensversicherungen unabhängig vom Kundenbedarf zu begrenzen. Diese Forderung scheint auch in der österreichischen Versicherungswirtschaft durchaus auf offene Ohren zu stoßen.

In Österreich sind wie in Deutschland „massive Beschwerden“ über die von einigen ausländischen Versicherern eingesetzten Kostenausgleichs- oder Vermittlungsvergütungs-Vereinbarungen zu verzeichnen, die beispielsweise 78 Promille Abschlusskosten vorsehen. Prantner nannte aus eigenen Erhebungen normale Bandbreiten von 36 bis 60 Promille bei Rentenversicherungen. Selbst diese Bandbreite hielt er schon für bedenklich, weil dadurch Interessenkonflikte bei der Produktauswahl durch Vermittler vorprogrammiert seien.

Lob für die deutsche Produktinformation
Prantner beklagte eine geringe Verständlichkeit der Bedingungen. Er lobte dagegen ausdrücklich die in Deutschland längst vorgeschriebenen Produktinformationsblätter, die im Nachbarland noch nicht durchgängig gefordert sind. Einigkeit mit der Versicherungsbranche herrschte zudem beim Thema Beratungsqualität, dass diese unbedingt gefördert werden soll – und dass die Vergütung dafür nicht der eine, entscheidende Hebel ist. Prantner forderte eine stärkere Überwachung der Vermittler. Wie in Deutschland gibt es kaum eine funktionierende Aufsicht über das konkrete Marktgebaren von Vertrieben.

Dem auch in Deutschland von Vermittlerverbänden verbreiteten Selbstverständnis, als Makler bereits ein Konsumentenschützer zu sein, erteilte Prantner eine klare Absage. Makler seien Vermittler, und damit nicht ausschließlich am Wohl der Kunden interessiert. Diese Aufgabe sei dann doch noch besser bei der Verbraucheraufsicht aufgehoben.

Bildquelle: © Johannes Kepler Universität Linz
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Patentgeschützte Arzneimittel sind in Deutschland deutlich teurer als in anderen europäischen Ländern. Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und der Technischen Universität Berlin belegt, dass die Herstellerabgabepreise in den Vergleichsländern...  » mehr
29.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Das Top-Management deutscher Finanzdienstleister bleibt ein Männer-Club, so das Beratungsunternehmen Oliver Wyman. Dabei geht es anders, wie ein weltweiter Vergleich belegt.  » mehr
27.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Renten- und Pensionssysteme dürfen Altersgrenzen für die Mitgliedschaft festlegen. Regelungen, die unmittelbar auf dem Kriterium Alter beruhen, schaffen zwar eine Ungleichbehandlung, können aber gerechtfertigt sein. Dies hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Urteil...  » mehr
23.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Wer einen nahen Verwandten durch einen schweren Unfall verliert, soll künftig für diesen Verlust mit Schmerzensgeld entschädigt werden. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wird derzeit im Bundesjustizministerium (BMJ) erarbeitet. Das Vorhaben steht nach Einschätzung von...  » mehr
23.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Zum 23. Februar 2018 muss die Insurance Distribution Directive (IDD) in deutsches Recht umgesetzt sein. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Weiterbildung. Die deutsche Versicherungswirtschaft sieht sich hier gut vorbereitet. Und: Die Bereitschaft der Versicherer und Vermittler...  » mehr
23.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
Versicherungsmakler bilden sich im Durchschnitt an knapp 22 Tagen pro Jahr weiter. Dies ergab eine Umfrage der Deutsche Makler Akademie (DMA), an der rund 900 Makler teilgenommen haben. Die beliebteste Art der Weiterbildung sind Online-Seminare.  » mehr
22.06.2016
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
VM digital
Das neue E-Magazin von Versicherungsmagazin Das neue E-Magazin von Versicherungsmagazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe. Jetzt informieren und ausprobieren!
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen