20.11.2014

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Verbraucherschützer und Rater favorisieren Ampel zur Risikoerkennung

Altersvorsorgeprodukte sollten mit Ampelfarben Verbrauchern auf einen Blick signalisieren, welches Risiko sie bergen. Diese Meinung vertreten der Bund der Versicherten (BdV) und die Ratingagentur Morgen & Morgen. "Durch Doppelfarben, wie beispielsweise rot-gelb oder grün-gelb, sind leicht fünf Farben möglich", sagte BdV-Chef Axel Kleinlein am Rand einer Konferenz zur Lebensversicherung, die das Leipziger Institut für Versicherungswissenschaft (IfVW) in Köln veranstaltete.

Eine Ampelkennzeichnung für Finanzprodukte hatten in der Vergangenheit auch Verbraucherzentralen gefordert. Eine solche Ampel zur Risikoerkennung würde zudem von der Rating-Agentur Morgen & Morgen (M&M) unterstützt. "Farben mit Rot signalisieren dem Verbraucher sofort, schau Dir das genau an", sagte M&M-Geschäftsführer Joachim Geiberger. Vorstellbar sei aber alternativ die Darstellung als Tachoanzeige. "Wir brauchen etwas, dass jedem im Alltag gebräuchlich ist", erläuterte Geiberger. Damit rückt der Rater von seiner eigenen Darstellung der Risiko-Chancen-Klassen (RCK) ab, die das Unternehmen bisher im Projekt Volatium praktiziert. Hier werden derzeit Balken-Diagramme zur Darstellung der RCK verwandt. Volatium sieht fünf Risikoklassen vor, die somit auch mit den Ampelfarben gekennzeichnet werden könnten.

Grundsätzliche Methodik ist umstritten
Weniger einig sind sich Verbraucherschützer und Rater bei der grundsätzlichen Methodik mit der die RCK berechnet werden. "Für uns ist das noch eine Black-Box", kritisierte Kleinlein. Bisher erfolgt die Zertifizierung von Altersvorsorgeprodukten durch zwei aktuarielle Prüfungen bei Morgen & Morgen und dem jeweiligen Produktanbieter. Derzeit sind unter Volatium 121 Tarife von elf Lebensversicherern zertifiziert worden. Sobald diese oder ein anderes Verfahren staatlich autorisiert würde, muss aber nach Ansicht von Geiberger Verbraucherschützern ein Zugang zum Verfahren geschaffen werden.

"Das wäre ein Erkenntnisgewinn, denn dann zumindest Expertentransparenz hergestellt", sagte Kleinlein. Auch künftig wird es nach Einschätzung von M&M im Markt sehr komplexe Produkte geben, die erst durch ein RCK-System transparent würden. "Nicht jeder muss alles verstehen können", meinte Geiberger.

Ampel-System schon 2015?
Die staatliche Initiative um mehr Transparenz bei Altersvorsorgeprodukten ist in die entscheidende Phase eingetreten. So werden derzeit die Bewerbungen um die Produktinformationsstelle für Altersvorsorgeprodukte (PIA) ausgewertet. Nach einer "Dialog-Phase" wird das wirtschaftlichste Angebot ermittelt. Bis zum 18. November 2014 konnte eine Bewerbung eingereicht werden.

Über die Zahl der Bewerber, wollte das Bundesministerium für Finanzen (BMF) gegenüber Versicherungsmagazin keine Angaben machen. Der Zuschlag für die PIA soll am 16. April 2015 erteilt werden. PIA wird für geförderte Altersvorsorgeprodukte standardisierte Produktinformationsblätter mit RCK vorschreiben. Danach soll es möglich sein, auch herstellerübergreifend Vorsorgeprodukte vergleichen zu können. Die Vorgaben und die Einteilung der Produkte in RCK dürften großen Einfluss auf nicht geförderte Altersvorsorgeprodukte entwickeln.

Bildquelle: © pagadesign - iStock
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Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 20.11.2014 12:51:51 von Georg Niederreiter: Ampelsystem für Altersvorsorgeprodukte

Im Bereich von Anlage-/Bankprodukten existiert die Klassifierung von Produkten nach Risikoklassen schon länger. Nach meiner Erinnerung befanden sich im Jahr 2007 griechische Staatsanleihen bei einer großen deutschen Bank in der niedrigsten Risikoklasse. Die Entwicklung seit 2008 ist bekannt.
Mit anderen Worten: Was gewinnt der mündige, gut informierte Verbraucher tatsächlich, wenn er eine Produktbroschüre mit 5 Ampelfarben in Händen hält?
Im Ergebnis wird hier dem Verbraucher erstens suggeriert, dass alle Altersvorsorgeprodukte miteinander vergleichbar seien, und ihm wird zweitens suggeriert, dass eine z.B. im Jahr 2015 getroffene Risikoeinschätzung zu einem Produkt keinen Veränderungen unterworfen sei (m.E. problematisch gerade bei lang laufenden Altersvorsorgeverträgen).
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am 20.11.2014 16:53:34 von Bernhard Prasnow: Ampelsystem - alter Wein in neuen Schläuchen

Kommentar zu: Ampelsystem für Altersvorsorgeprodukte

Im Bereich von Anlage-/Bankprodukten existiert die Klassifierung von Produkten nach Risikoklassen schon länger. Nach meiner Erinnerung befanden sich im Jahr 2007 griechische Staatsanleihen bei einer großen deutschen Bank in der niedrigsten Risikoklasse. Die Entwicklung seit 2008 ist bekannt.
Mit...
Eine Idee wird nicht unbedingt besser, wenn man Sie immer wieder wiederholt. Bereits im März habe ich zu den Ausführungen der BaFin-Chefin diesen Kommentar verfasst:
http://www.der-wissenswert.de/2014/03/03/finanz-ampel-ist-zu-kurz-gedacht/
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