08.10.2015

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Versicherungswirtschaft: Bald kein Stein mehr auf dem anderen?

Die nächsten zehn Jahre verändern die Versicherungswirtschaft mehr als die 30 Jahre davor. Vielfältige Treiber verstärken den laufenden Prozess dramatisch, zum Beispiel die Digitalisierung, der demografische Wandel und verändertes Kundenverhalten. Für zusätzlichen (Kosten-)Druck sorgt die anhaltende Kapitalmarktschwäche. Dies zeigt die Marktanalyse der Unternehmensberatung Bearing Point zu Gewinner- und Verliererstrategien in der Assekuranz.

Die Studiendetails: Die Fertigungstiefe werde sowohl in den operativen Bereichen als auch in der IT weiter signifikant abnehmen. Um zukunftsfähig zu bleiben, werde jedoch weniger die schiere Unternehmensgröße entscheidend sein, sondern vielmehr die Fähigkeit, sich fortlaufend anzupassen und dabei bisherige Aktionsmuster zu hinterfragen. Im Wesentlichen sei davon auszugehen, dass sich die Zahl der Versicherer um bis zu ein Drittel reduziert und sich kleinere Versicherer spezialisieren müssen.

Digitalisierung: Fast zwangsläufig stärker auf kooperative Modelle setzen
Digitalisierung werde die bisherige, eher konservativ ausgerichtete Produktwelt in der Assekuranz erheblich verändern. Nicht nur, dass – analog zum Beispiel der Automobilindustrie – Produktwelten spartenübergreifend nach dem Baukasten- oder Plattformprinzip neu entwickelt werden könnten und müssten. Sondern auch, dass durch die Integration von Dienstleistungen (ohne Versicherungsfall!) ganz neue Produktwelten mit erheblich veränderten Wertschöpfungsketten entstehen würden.

Die Vernetzung der Tarife und Dienstleistungen mit Biometrie-Armbändern, intelligente Autos/Häuser oder Services im Pflegebereich zeigten bereits heute, wohin die Reise gehen könne. Ganz davon abgesehen, dass damit eine strategische Chance für das Image der Branche verbunden sei, könnten Marktschrumpfungen, die ansonsten schon allein demografiebedingt unausweichlich wären, durch die Erweiterung der Geschäftsmodelle kompensiert werden.

Demografie: Erhebliche Rekrutierungsproblemen - vor allem im Vertrieb
Deutschland wird älter und das mache sowohl auf Kunden- als auch auf Mitarbeiterseite ein Umdenken erforderlich. Kundenseitig bedeute der demografische Wandel ein verändertes Verhalten sowie eine signifikante Verschiebung von Zielgruppen und deren Ansprüchen – zum Beispiel an Produkte und vor allem Services. So würden Rentner beispielsweise zunehmend zu einer großen, zahlungskräftigen Zielgruppe auch für die Kompositversicherung. Auf Mitarbeiterseite führe die Demografie zu erheblichen Rekrutierungsproblemen - vor allem im Vertrieb - und internen Schrumpfungen der Versicherer.

Wie der Vertrieb künftig umdenken muss, ist auch Thema der Titelgeschichte in der November-Ausgabe von Versicherungsmagazin. Unter der Überschrift "Zukunft - digital: Vertrieb neu denken" werden unter anderem die aktuellen Rahmenbedingungen im Vertrieb beleuchtet, hinterfragt, ob die Branche den Trend zur Digitalisierung richtig einschätzt und ob sie den richtigen Weg verfolgt, um qualifiziertes Personal für den Vertrieb zu gewinnen.

Vertrieb: Veränderte Rahmenbedingungen und Qualifizierung
Diverse Branchenkenner - Versicherer, Maklerunternehmen und Wissenschaftler - haben gegenüber "Versicherungsmagazin" Position bezogen und uns ihre Einschätzung präsentiert. So auch Michael Becker, Geschäftsührender Gesellschafter Marx & Marx Versicherungsmakler GmbH & Co KG. Becker ist zudem Vorsitzender der Guarantee Advisor Group, des Verbandes mittelständischer inhabergeführter Maklerhäuser, und hat in diesem Jahr den Award "Unternehmern-Ass" in Gold (Kategorie Maklerunternehmen) gewonnen:

"Der Rahmen wird durch IMD2, LVRG, Zinsflaute und die Initiative 'gut beraten' neu gesetzt. An diesen Bedingungen muss sich der Versicherungsvermittler neu ausrichten. Für gut aufgestellte Unternehmen ist dies eine Chance. Ich halte nicht viel davon jede Veränderung als schlecht zu bezeichnen und in die German Angst Schockstarre zu verfallen. ...
Stichwort Digitalisierung: Der Kunde erwartet von der Branche wesentlich kürzerer Reaktionszeiten und die Option der Kommunikation über den ihn genehmen Kanal zu jeder Zeit. Da kann ich nur jedem Vermittler dringend empfehlen up to date zu bleiben und sich junge Leute ins Unternehmen zu holen, für die die Digitalisierung nicht ein Wunder, sondern selbstverständlich ist. Allerdings bin ich der Meinung, dass gerade die komplexere Kundenberatung face to face bleiben wird, aber warum nicht via Bildschirm?
Viel erwarte ich von der Umsetzung der Versicherungscloud TGIC, um Vermittlern einen einheitlichen Zugang zu den Versicherern zu verschaffen, insbesondere wenn diese idealerweise noch mit den Verwaltungspogrammen verbunden sind. ...
Stichwort Qualifizierung: Das Image des Berufsstands muss in einer konzertierten und anhaltenden Aktion der Branche deutlich aufgewertet werden. Das Bild des Vermittler in der Öffentlichkeit muss 'much more sexy' werden. Da gibt es Ansatzpunkte en masse und die Öffentlichkeitsarbeiter der Branche müssen dafür schnell mindestens so gut werden wie deren gute qualifizierten Versicherungsvermittler."

Die Studie finden Sie als Download unter http://www.bearingpoint.com/de-de/7-13016/

Textquellen:
Bearing Point;
Meris Neininger;
Michael Becker, Geschäftsührender Gesellschafter Marx & Marx Versicherungsmakler GmbH & Co KG.,
Bildquelle: © fotolia / vege
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Autor(en): versicherungsmagazin.de
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 08.10.2015 09:56:03 von H. Braun: braun-h@gmx.de

Der GDV sollte mal nachfragen, ob die Politik den Versicherungen nicht auch so ein geniales Geschäftsmodell wie den Banken erlaubt, wo der Staat und Steuerzahler für Zahlen drucken auf dem Papier (Giralgeld) zahlen müssen.Dann sind zumindest die finanziellen Probleme der VR behoben, man könnte z. B. bei der Altersvorsorge Überschüsse aus dem Nichts schöpfen.
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