16.10.2015

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Versicherungsmakler: LVRG-Praxis provoziert politischen Ärger

Die praktische Umsetzung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) dürfte bald zu politischem Ärger führen. "Keine fünf Lebensversicherungen haben bisher das LVRG richtig umgesetzt", kritisierte Oliver Fellmann anlässlich einer Pressekonferenz des Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) in Hamburg.

Viele Unternehmen suchten regelrechte Umgehungswege, um ihren Vertrieben weiterhin hohe Courtagen zahlen zu können. Das politische Ziel des Gesetzgebers, die Vertriebskosten für die Altersvorsorge in der Niedrigzinsphase deutlich zu senken, sei damit derzeit noch nicht erreicht worden. Fellmann schätzt, dass rund 80 Prozent des Marktes deutlichen Nachholbedarf bei der Gestaltung der Reform haben. Dieser Teil des Marktes sei nun von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) um eine Stellungnahme zur praktischen Umsetzung des LVRG aufgefordert worden.

Imageschaden für die Branche befürchtet
"Der umfangreiche Fragekatalog dürfte viele Versicherungsvorstände ins Schwitzen bringen", glaubt Fellmann. Deutliche Kritik äußerte der Versicherungsmakler auch an einem großen Lebensversicherer. "A aus S setzt Standards und zwingt den Markt, ihm zu folgen", so Fellmann. Er fürchtet einen weiteren Imageschaden für die Branche. "Niemand kann einem Politiker vermitteln, dass allein die Verlängerung der Stornohaftung die Umsetzung des LVRG ist, wenn der Vermittler nach wie vor für den gleichen Vertrag beispielsweise 1.000 Euro Abschlussprovision erhält".

Ein Blick in die Rückkaufswerte zeige die Misere. Sie seien bei den meisten Lebensversicherungsangeboten kaum gestiegen. Anders sei das beim Angebot, das der VDVM für seine Mitglieder gemeinsam mit der Stuttgarter Lebensversicherung entwickelt habe. "Beim unserem Vergütungsmodell verzichten Vermittler im Interesse des Kunden auf einen Teil der Vergütung", so Fellmann. Der Versicherer kalkuliere mit niedrigeren Kosten und belohne langfristig gute Betreuung. Das Ergebnis könnte sich sehen lassen - etwa im Vergleich mit Tarifen der Metallrente. Der VDVM-Tarif zeichne sich vor allem durch höhere Rückkaufswerte aus. Die Mitglieder des VDVM könnten sich im Gegensatz zu vielen anderen Vermittlern im Markt einen sauberen Umgang mit dem LVRG leisten. Die meisten Makler sind überwiegend im gewerblichen Geschäft tätig und auf die Einnahmen aus der Vermittlung von Altersvorsorgeverträgen nicht so stark angewiesen.

Klassik bleibt empfehlenswert
Der Vertrieb von Altersvorsorge ist nach Einschätzung des VDVM-Experten Fellmann in einer sehr schwierigen Phase. "Wer neutral und umfassend berät, hat es besonders schwer", so der Makler. Er kritisierte den Banken- und Versicherungsvertrieb, der weiterhin mit hohen und vollkommen unrealistischen Renditen werbe.

Wenig hält der VDVM von den neuen Tarifen mit abgespeckten Garantien. Die neuen Tarife jenseits der "Klassik" seien häufig intransparent und ohne Unterstützung von Fachleuten nur schwer zu durchdringen. Weil teilweise nicht einmal der Rentenfaktor garantiert werde, seien diese Policen, die angeblich eine größere Chance auf eine höhere Rente böten, mehr ein Lotteriespiel. "Ich rate meinen Kunden oft auch heute noch, eine klassische Rentenversicherung abzuschließen. Auch gegen den Rat des Marktführers Allianz", so Fellmann.

Neuer VDVM-Präsident kommt
Mit Georg Bräuchle,Geschäftsführer und Mitglied der Zentralen Geschäftsleitung des Großmaklers Marsh Deutschland, wird die Spitze des Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) im Herbst 2015 nach den Vorstandwahlen neu besetzt. Derzeit führt Peter Wesselhoeft den VDVM. Er steht dem mittelständischen Makler Gossler, Gobert & Wolters aus Hamburg vor. Mit dem Führungswechsel dürfte somit der Einfluss der Großmakler auf den VDVM wachsen. Derzeit hat bereits Mathias Pahl vom Internationalen Makler Willis aus Frankfurt einen Sitz im VDVM-Vorstand. Insgesamt besteht der Vorstand aus neun Mitgliedern, von denen acht aus Unternehmen kommen.


Bildquelle: © Jens Büttner/dpa
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Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
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am 16.10.2015 14:19:11 von Heinz Evert: Klassische Rentenversicherung

Ich muss schon sagen, nach 40 Jahren als Versicherungsvermittler und späterer Versicherungsmakler muss ich über diese Empfehlung staunen. Ich finde, dass jegliche Art des "klassischen Abschlusses" in einer Augenwischerei endet. Der Kunde schließt unter den heutigen Kostenbedingungen einen klasssichen Vertrag ab und muss ersteinmal die Kosten "schlucken" die dieser Vertrag beinhaltet, gerade in der Anfangsphase. Dann zahlt er den Beitrag X für eine spätere Rentenzahlung (z.B. für mtl. 500 ? Rente) und wendet jeden Monat seine Beiträge auf.
Nach sagen wir 30 Jahren erhält er seine 500 ? Rente (vielleicht). In der Zwischenzeit während der langen Laufzeit des Vertrages, hat sich einigen geändert. Die Inflation, wie hoch die auch immer sein mag (siehe Vergangenheitr) frist seine Rente auf. Er hat dann ggf. noch eine Kaufkraft von 250 ?, benötigt aber, um die Kaufkraft seiner DAMALS abgeschlossenen Rente in Höhe von 500 ? nutzen zu können jetzt 750,00 ?. Aus seiner unter den damaligen Bedingungen abgeschlossenen Rente in Höhe von 500 ?, wird eine Kaufkraft von nur 250 ? übrigbleiben. Es fehlen dem Kunden dann wieder 500 ? mtl. Rente.
Nun, es haben alle damals bei Abschluss des Vertrages bis dato gut verdient. Und der Kunde? Meiner Erfahrung nach nützt dieses "Modell" nur bedingt dem Kunden um seine Altersversorgung aufzubauen. Ich habe zuviele Verträge durch Schecküberreichung an die Kunden auszahlen müssen. Was damals zur Altersvorsorge diente, reicht bei der heutigen Auszahlung vielleicht für den Kauf eines gebrauchten Autos.
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am 16.10.2015 14:47:19 von Gabriele Fenner: Falsch beraten

Kommentar zu: Klassische Rentenversicherung

Ich muss schon sagen, nach 40 Jahren als Versicherungsvermittler und späterer Versicherungsmakler muss ich über diese Empfehlung staunen. Ich finde, dass jegliche Art des \"klassischen Abschlusses\" in einer Augenwischerei endet. Der Kunde schließt unter den heutigen Kostenbedingungen einen...
Tja - Herr Kollege - da frage ich mich, warum Sie 40 Jahre lang den Inflationsverlust und vermutlich auch die zu erwartenden Einkommenserhöhungen bei der Bemessung der Zusatzversorgung außer Acht gelassen haben.
Verwaltungs- und Abschlusskosten gibt es bei jedem Produkt. Das ist kein Argument gegen eine "klassische" Rentenversicherung.
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am 16.10.2015 14:55:27 von Gabriele Fenner: Falsch beraten

Dass ein Verband, der sich einseitig und parteilich für die Interessen seiner Mitglieder einzusetzen hat, nun sein Süppchen mit einem Anbieter kocht, um den Umsatz mit zweifelhaften Versprechen anzukurbeln, sucht schon seinesgleichen und scheint mir Ausdruck tiefster Verzweiflung über das Ausbleiben früherer Provisionseinkünfte.
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